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Felicitas

Felix Dahn: Felicitas - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleFelicitas
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Sechstes Kapitel.

War es wirklich so? Standen in der That die Germanen vor den Thoren von Juvavum? Darüber zerbrachen sich die Bürger mit peinigenden Schwankungen die Köpfe.

Zunächst erfuhr man gar nichts mehr von allem, was draußen vorgegangen war oder nun vorging; der Mund, der weiteres hätte berichten können, war verstummt auf immerdar. Die Thore wurden folglich verschlossen gehalten. Leo der Tribun freilich oben auf dem Kapitol war auf die erste Meldung sofort von seinem Lager gesprungen: »Zu Pferd,« hatte er gerufen, »hinaus vor die Wälle!« Aber mit einem Schrei des Schmerzes war er wieder zurückgesunken in die Arme seines Sklaven; und der Führung eines andern wollte er das gefährliche Wagnis einer nächtlichen Erkundung vor den Thoren gegenüber einem gewiß sehr überlegnen Feind nicht anvertrauen. Severus, der Befehlshaber der Freiwilligen unten in der Stadt, hatte nur Fußvolk zur Verfügung. Mit diesem allein wollte und konnte er nicht den Barbaren zur Nacht entgegenziehen. Er begnügte sich, die Türme und Thore zu besetzen. Von den Wällen herab lugten und lauschten die verstärkten Wachen scharf in die laue Nachtluft hinein: aber nichts, gar nichts Außergewöhnliches war zu entdecken, kein Licht in der Nähe, auch keine Lagerfeuer in der Ferne, wie sie die mit Weib und Kind, mit Knechten und Mägden, mit Herden, Wagen und Karren einherziehenden Germanen gar nicht entbehren konnten und aus Klugheit oder Furcht zu verlöschen nicht gewohnt waren. Kein Geräusch vernahm man, weder Waffenklirren noch Hufschlag von Pferden: nur das gleichmäßig leise ziehende Rauschen des Flusses, der von Süden nach Norden das Thal durcheilt, drang zu den Ohren der Wachen: einer der Bürger meinte zwar einmal von dem Fluß her ein Geräusch zu vernehmen wie das leise Wiehern eines Rosses und ein Emporschlagen der Wellen, wie wenn ein schwerer Körper in den Fluß gefallen oder gesprungen –: aber er versicherte selbst, er habe sich getäuscht, da darauf hin alles still blieb. Nur die Nachtigallen sangen in den Büschen um die Villen: ihr unverstörtes Lied bezeugte, wie man richtig hervorhob, daß dorther nicht Wagen, Rosse, Krieger im Anzug waren.

So wandte man sich, Auskunft zu erraten, wieder der Leiche des Reiters, seinem noch immer am ganzen Leibe bebenden Tiere zu. Man sah, das Roß hatte den Fluß durchschwommen, Mann und Roß troffen von Wasser: warum hatte der Flüchtling nicht die Brücke unterhalb der Stadt benützt? Weil er nicht gekonnt, weil sie besetzt war? oder weil er nicht gewollt, weil er seine Botschaft aus geradestem Weg zu bringen getrachtet hatte?

Er trug keine andere Wunde, als die des tödlichen Pfeilschusses im Nacken, aus welcher das Blut über Schulter und linken, schildlosen Arm gerieselt war. Man zog den Pfeil heraus: es war ein Geschoß wie es allerdings die Germanen führten: die dreischneidige Spitze war sehr tief eingedrungen, der Schuß war in großer Nähe abgegeben: der mäßig lange Schaft von Ellernholz war beschwingt mit dem Gefieder des grauen Reihers: leer hing die lange Lederscheide, – des langen Reiterschwertes Klinge fehlte – an der rechten Seite des Gurtes: der Speer, den noch die geschlossene Rechte umfaßt hielt, war gerade da durchhauen, wo der vordere Eisenbeschlag, der von der Spitze nach hinten zu ging, aufgehört hatte; der Hieb, wohl einer Streitaxt, nicht eines Schwertes, war sehr stark geführt: so hatte der Reiter wohl im Nahekampf Helm, Schild, Schwert und Speer verloren und auf der Flucht den Pfeilschuß des Verfolgers erhalten. Mehr war dem Toten nicht abzufragen. –

Wo aber waren seiner Wacht Genossen geblieben? Fünf »maurusische« Reiter hatte Leo der Tribun am Tage zuvor ausgesandt gehabt, den »Hügel der Halaunen«, ein paar Stunden nordwestlich der Stadt, zu besetzen, von dem aus man weithin die Landschaft überschaute, bis der dichte Urwald im Norden den Blick hemmte. Dort ragte ein halb verfallener Wartturm, den Kaiser Valentinian I. zum letztenmal – es waren nun hundert Jahre! – wieder hatte ausflicken und ständig besetzen lassen. Was war aus den vier andern Mauren geworden? Niemand wußte es.


Eine bange Nacht durchwachten die Bürger. Auf den Wällen hielten die Wachen fleißig Rundgang mit Fackeln, auch kleine Feuer brannten auf den Stellen, wo breite Quadern die Erd- und Rasenfläche deckten. Erst als der frühe Junimorgen hellere Dämmerung brachte, ließ man die Feuer erlöschen; scharf spähten die Wachen nun bei vollem Morgenlicht in die Landschaft hinaus: nirgends war eine Spur des Feindes zu sehen. Alsbald kamen, wie jeden Morgen, Landleute von allen Seiten der Umgebung, in der Stadt zu verkaufen oder zu kaufen: sie staunten, die Thore auch bei hellem Tage geschlossen zu finden; vorsichtig that man auf, nur Einzelnen, scharf prüfend, ob es wohlvertraute Leute oder Späher, vielleicht gar verkleidete Barbaren seien. Aber die Harmlosen waren sehr erschrocken über diese ungewohnte Schärfe der Thorbewachung; sie auszufragen hatte weder Sinn noch Erfolg: sie wußten offenbar von gar nichts und waren vielmehr eifrig und angstvoll beflissen, in der Stadt zu erforschen, was geschehen wäre. Gerade vom Nordwesten, von Vindelicien her, von wo man den Heranzug der Barbaren erwartete, waren die Landleute in gleicher Menge wie immer erschienen; nichts Verdächtiges hatten sie bemerkt.

Nur vom Südosten her kam fast niemand: es fiel nicht auf, wenige Villen und Colonenhäuser lagen hier; selten kam von daher ein Besucher des Marktes. Man hätte den Schrecken des vorigen Abends für Traum gehalten, wenn nicht der tote Reiter als stummer Zeuge die Wirklichkeit erwiesen hätte.

Als nun die ersten Morgenstunden sonder irgend drohendes Anzeichen verstrichen waren, und man weithin keinen Feind gewahrte, – auch die Brücke über den Ivarus unterhalb der Stadt (eine zweite verband innerhalb der Mauern beide Ufer) war unbesetzt zu sehen, – befahl Severus – den Tribun hielt, wie es schien, die Prellung des Kniees noch auf dem Kapitole fest – das vindelicische Thor zu öffnen: er rückte mit einer Schar bis an die Brücke, ließ das Brückenende am linken, westlichen Ufer mit Felsstücken und Ballen verrammeln und von dreißig Speerträgern und Schleuderern besetzen und kehrte, nachdem er sich überzeugt, daß nirgends eine Spur vom Feind zu sehen war, in die Stadt zurück. – Doch ließ der alte Soldat in der Wachsamkeit nicht nach: er gebot die Thore geschlossen, die Türme besetzt zu halten und ihm von jedem Vorfall sofort Meldung zu bringen in das Bad der Amphitrite, wohin er sich nun begab, die Sorge der Nacht und den Schweiß und Staub des Marsches abzuspülen.


Nach vollauf genossenem Bade saß er jetzt behaglich auf der mit weichem Wollfließ belegten Marmorbank des halbrunden Porphyrbeckens, bald die Arme, bald die Beine von den Hüften bis zu den Knieen reibend; der Mann von etwa fünfundfünfzig Jahren war ein Bild von gesunder noch vollrüstiger Kraft: Arme, Schenkel und Waden zeigten, daß die Übung der Jagd, der Gymnastik diesen stark angelegten Leib stark erhalten hatte. Nun hielt er inne in der Bewegung und versank allmählich in immer tieferes Sinnen. Sein Haupt glitt immer tiefer und tiefer gegen die Brust: endlich streckte er den rechten Arm ganz herab und fing an Figuren zu zeichnen in den reinlichen weißen Sand, der den Rundgang zwischen den Marmorbänken und dem Rande des Wasserbeckens bedeckte.

»Noch tiefer die Glieder stellen gegen den germanischen Keil?« murmelte er vor sich hin. »Zehn Mann hoch – zwölf Mann? Sie können schon jetzt kaum schwenken. Und doch! Es muß eine reine Rechenaufgabe sein, diese Germanen zu schlagen. Es ist nur ein Problema! des Stoßes und des Widerstoßes. Wer es löste! Das Beste wäre, . . .«

»Das Beste wäre,« fiel eine melancholische leise Stimme ein, »wir lägen in jenem dunkeln Schlafe, wo es weder Stoß mehr giebt noch Widerstoß.«

Severus wandte sich: hinter seinem Rücken war der weiße Wollvorhang des inneren Bades in leichter Bewegung: ein schöner Mann in reifer Jugendkraft und in vollen Waffen stand hinter ihm.

»Du, Cornelius. – Was meinst du?« – »Du kennst meine Meinung. Gar nicht geboren zu sein, ist den Menschen das Beste.« – »Schäme dich! dreißig Jahre und schon so lebensmüd'.« – »Schäme du dich. Bald sechzig Jahre und noch so lebensthöricht.« – »Was bringst du?« – »Einen Rat: räume die Stadt, alle Bürger aufs Kapitol. Ein eilender Bote um Hilfe über die Alpen.« – »Du siehst Larven und Lemuren!« – »Sähe ich nur die! Aber ich sehe die Germanen!« – »Niemand sieht eine Spur von ihnen weit und breit.« – »Das ist gerade das Unheimliche. Sie müssen nahe sein, ganz nahe: und keiner von uns weiß, wo sie sind,« – »Warum müssen sie nahe sein?« – »Weil der graue Reiher im Juniusmonat noch nicht nach Süden zieht: und weil er nie so niedrig fliegt.« – »Was will das sagen?« – »Das will sagen: ich führte um Mitternacht die Runde, die Wachen auf dem Turm der Porta Latina abzulösen. Von der Turmzinne spähte ich scharf in die Nacht: nichts war zu sehen: und auch zu hören nichts als der Gesang der Nachtigall. Da, plötzlich, hörte ich den Ruf des grauen Reihers.« »Er ist nicht häufig hier,« meinte Severus, »aber er kommt doch vor in den Altwassern und auf den Sumpfwiesen des Ivarus.« – »Gewiß: aber der Ruf kam nicht vom Fluß: er erscholl diesseit des Flusses, aus dem Bergwald her.« – »Er horstet dort vielleicht.« – »Es war aber sein Wanderruf. Und sie wandern erst im August. Und auf den ersten Ruf gab ein zweiter, dritter, vierter Antwort: bis die Stimmen immer leiser, immer ferner verhallten.« – »Das Echo von den Waldbergen!« – »Das wäre denkbar. – Aber der Ruf kam nicht hoch aus der Luft: er kam von unten, vom Erdboden, zu mir empor in die Höhe der Turmzinne. Der Reiher fischt nicht zur Nacht!« – Behaglich lächelte der Alte. »Doch, mein Cornelius! Glaube dem älteren Weidmann. Er fischt auch zur Nacht, wenn er die Brut zu füttern hat. Ich habe selbst einen in der Fischreuse gefangen, die ich abends gestellt und morgens aufhob.« – »Aber jener Pfeil war gefiedert mit den Federn vom – grauen Reiher. Und ebenso oft als der graue Reiher rief, antwortete, noch tiefer aus dem Ostwald, der schrille Schrei des Steinadlers von den Felsbergen herab.«

»Zufall! Und wie sollten die Germanen von Osten her drohn? Von Westen, von Vindelicien her allein können die Alamannen kommen, die uns nächsten Germanen. Wie sollten sie unvermerkt von uns über den Fluß gedrungen sein, wenn sie nicht Flügel haben, wirklich wie der graue Reiher selbst? Vorsicht ist ganz löblich, mein junger Freund, und du siehst, ich lasse es nicht an Wachsamkeit fehlen. Aber du bist allzu besorgt: Jugend und Alter haben die Rollen getauscht! – Ich weiß,« beeilte sich Severus fortzufahren, da ein zorniges Zucken über das schöne Antlitz des Jünglings wetterleuchtete – »ich weiß: Cornelius Ambiorix banget nur für Rom, nicht für sich.« – »Weshalb bangen um ein Leben, das keinen Reiz und Wert hat?« fragte der andere sich nun wieder beruhigt neben dem Alten niederlassend. »Die alten Götter hat uns die Philosophie der Skeptiker zerstört: an den Juden von Nazareth kann ich nicht glauben. Ein blindes Fatum lenkt die Welt. Rom – mein Stolz, mein Traum – sinkt, sinkt unaufhaltsam.« »Darin eben irrst du,« erwiderte gelassen der Alte. »Ich stürzte mich heute noch in dieses Schwert« – er griff nach der Waffe, die auf einem Polster neben ihm lag, »wenn ich diesen Glauben teilte. Aber dieses Schwert, – es ist das Erbe meines kaiserlichen Ahnherrn Probus – verheißt mir stets neuen Trost. Neun Germanenkönige knieten vor seinem Zelt, als er dies Schwert aus der Scheide zog und den Zitternden befahl, nach ihrer eignen Sitte bei diesem Schwert ihm Treue zu schwören. Und sie schwuren.« – »Das ist lange her.« – »Und mit diesem Schwert vererbt in unserem Geschlecht das Orakel: Sieger in jeder Schlacht bleibt dieses Schwert. Wohlan, es ist erprobt in vielen Generationen unseres Hauses. Ich selbst, so lang ich dienen durfte, in zwanzig Schlachten und Gefechten habe ich die Germanen geschlagen – mit diesem Schwert.« Und der Alte drückte die Waffe zärtlich an die Brust.

»Vergieb, daß ich dich berichtige,« lächelte der Junge traurig: »nicht mit diesem Schwert, mit Isauriern, Mauren, Illyrikern und – zumeist mit Germanen – hast du – andre – Germanen geschlagen. Rom, Latium, Italien hat keine Männer mehr. Keltisches Blut fließt in meinen Adern, – dakisches in den deinen. Und warum darfst du nicht mehr dienen? Gerade, weil du oft gesiegt hast, nahm dir der mißtrauische Kaiser den Feldherrnstab aus den Händen und schickte dich, zum Dank für deine Thaten, hierher, in ehrenvolle Verbannung.« »Es war sehr – unverdient,« sprach Severus aufstehend, »aber gleichviel! Auch hier kann ich dem Staat der Römer nützen.« »Zu spät!« seufzte der andere. »›Fuimus Troes!‹ Es ist aus mit uns. Den Parthern Asien, den Germanen Europa, und uns – der Untergang. Jedes Volk, scheint es, lebt sich zu Tode, wie jeder Mensch. Über zwölf Jahrhunderte sind vergangen, seit Romulus an der Wölfin sog. Man muß es ihr lassen, dieser ehrwürdigen Bestie, – sie hatte gute Milch: und lang hat es vorgehalten, das Wolfsblut in unsern Adern. Jetzt aber ist es krank. Und das Taufwasser hat es vollends zersetzt. Wie soll man die Weltherrschaft behaupten, wenn fast kein Römer mehr heiratet, wenn fast keine Römerin Kinder bringt, ganz gewiß aber ihr Kind nicht säugt, während diese breithüftigen Germanenweiber, nachdem sie geworfen, aufstehen, als wäre nichts geschehen, und uns in zehn Monaten wieder mit Zwillingen beschenken. Sie fressen uns auf, buchstäblich, diese Waldleute: sie verdrängen uns von der Erde, durch ihre keusche Fruchtbarkeit noch viel mehr als durch ihren lachenden Todesmut. Dreimalhundertvierzigtausend Goten hat Kaiser Claudius vernichtet – in vier Jahren darauf standen viermalhunderttausend im Feld. Sie wachsen nach, wie die Häupter der Hydra. Und wir sind nicht mehr herkulisch. Ich hab' es satt. In der nächsten Schlacht mach' ich ein Ende. Man leidet nicht lang, traf ein Germanenhieb.«

Severus erfaßte die Hand des jungen Mannes, der so bitter gesprochen. »Ich ehre deinen Schmerz, Cornelius. Aber du solltest selbst nach deinen Worten thun: dein Thalamos steht leer: du mußt wieder den Hymenaios ertönen lassen unter den grauen Säulen.«

»Ha,« lachte der junge Mann grimmig, »daß mir ein zweiter Kaiser die zweite Frau verführe, wie ein Bischof mir die erste Braut, ein Kaiser die erste Gattin verführt hat? Nein! Wahrlich, es giebt keine Römer mehr: aber noch viel weniger Römerinnen. Wollust, Putzlust, Herrschlust, das sind die drei Grazien, die sie anrufen. Hast du je gehört, daß bei diesen Barbaren die Priester die Jungfrauen bethören und ihre Könige den freien Männern die blonde Ehefrau vom Herde locken? Ich nicht! Ein Volk aber ohne Götter, ohne eingeborne Krieger, ohne richtige Weiber, ohne Kinder: – ein solches Volk kann nicht mehr leben. – Ein Volk, das vor seinen zehnmal zahlreicheren Sklaven zu zittern alle Ursache hat! – Hättest du nur die mörderisch drohenden, finstern Mienen gesehen, mit denen soeben die Sklaven des Argentarius ihren Herrn und den Sklavenmeister bedrohten, da sie in Ketten durch die Stadt getrieben wurden! – Ich aber selbst? – Wie steht es um mich? Alles bin ich gewesen und überall: in Rom, in Ravenna, in Byzanz: Soldat, Beamter, Schriftsteller – alles mit Erfolg: und doch fand ich alles – eitel, hohl. Alles hab' ich erprobt: – nichts ist es damit! Jetzt heimgekehrt nach meiner Vaterstadt Juvavum find' ich sie beherrscht von einem Wucherer aus Byzanz und einem Lüstling und Raufbold aus Mauretanien: und der Einzige, der diesem sauberen Bündnis noch etwas Widerpart hält, bist nicht du und bin nicht ich – wir sind ja beide nur ehrenhafte Römer! – nein: ein Christenpriester, dessen Vaterland, wie er sich rühmt, nicht das Römerreich, sondern der Himmel ist. – Ich hab' es satt! – Nochmal sag' ich's: ein Volk ohne Götter, ohne Weiber, ohne Mütter, ohne Kinder, ein Volk, dessen Schlachten geworbene Barbaren schlagen: – ein solches Volk kann nicht mehr leben. Sterben muß es. Und das bald. Kommt doch, kommt, ihr Alamannen! Ich mag nicht Schierling schlucken. Ich will fallen bei dem Klang der Tuba und mir einbilden, ich falle unter Camillus oder Scipio!«

Severus faßte den Wilderregten an beiden Schultern: »Versprich mir, den Tod nicht eher zu suchen, bis du die nächste Schlacht verloren siehst, und leben zu wollen, wenn wir siegen.« Trübselig lächelnd nickte Cornelius: »Das glaub' ich kecklich versprechen zu können. Du und dein Siegesschwert, – ihr haltet es nicht mehr auf, das ehern schreitende Verderben.«

In diesem Augenblick schlug gellendes Tubageschmetter an ihr Ohr: der Vorhang des Innen-Bades ward aufgerissen: – ein bewaffneter Bürger stürmte herein und rief: »Eile, Severus, jetzt sind sie da: aus dem Westwald, jenseit des Flusses, sprengen germanische Reiter heran!«

 


 

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