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Faust's Leben, Taten und Höllenfahrt

Friedrich Maximilian Klinger: Faust's Leben, Taten und Höllenfahrt - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
booktitleFaust's Leben, Taten und Höllenfahrt
authorFriedrich Maximilian Klinger
year1986
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-003524-4
titleFaust's Leben, Taten und Höllenfahrt
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1791
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7

Faust ging hierauf mit dem Teufel zu einem Freunde, den er in großer Betrübnis antraf. Er fragte ihn um die Ursache seiner Traurigkeit, und er antwortete ihm: »daß diesen Mittag der ihm bekannte Prozeß abgeurteilt würde, und er wäre gewiß, ihn zu verlieren, so sehr auch das Recht auf seiner Seite sei. Meister Faust«, setzte er hinzu, »mir bleibt nichts übrig, als zu betteln; oder mich in den Rhein zu stürzen, wo er am tiefsten ist.«

Faust. Wie könnt Ihr gewiß sein, daß Ihr den Prozeß verliert, da das Gesetz für Euch ist?

Freund. Aber die fünfhundert Goldgulden meines Widersachers sind gegen mich, und da ich ihn nicht überbieten kann, so muß ich zu Grund gehen.

Faust. Liegt's nur an dem? Kommt, und führt mich zu Eurem Richter. Ich habe hier einen Freund, der solchen Nöten gern abhilft.

Sie fanden in dem Richter einen aufgeblasnen stolzen Mann, der einen armen Klienten kaum eines Blicks würdigte. Faust kannte ihn längst für das, was er war. Der Richter fuhr Fausts Freund verdrießlich an: »Was quält Ihr mich, wißt Ihr doch, daß Tränen die Gerechtigkeit nie bestechen!«

Der gebeugte Freund sah demütig zur Erde.

Faust. Gestrenger Herr, da habt Ihr recht, Tränen sind auch nur Wasser, und beißen nur die Augen dessen, der sie weint; aber doch wißt Ihr, daß mein Freund das Recht für sich hat.

Richter. Meister Faust, Ihr seid mir als ein Mann bekannt, der Hab und Fahrt verpraßt, und eine lose Zunge hat. Was kümmern seine Tränen die Gerechtigkeit? Recht und Gesetz sind zweierlei; hat Euer Freund das erste für sich, so hat er darum noch nicht das zweite.

Faust. Ihr sagt, Recht und Gesetz sind zweierlei, ungefähr wie Richter und Gerechtigkeit, meint Ihr doch?

Richter. Meister Faust, ich sagte Euch, Ihr seid mir bekannt –

Faust. Wir betrügen uns vielleicht einer in dem andern, wohlweiser Herr; aber lohnt's doch der Mühe nicht, den Mohren weiß waschen zu wollen. Er machte die Türe auf, der Teufel trat ein. Hier ist ein Freund, der Euch ein Dokument vorlegen wird, das, wie ich hoffe, der Sache meines Freundes eine beßre Wendung geben soll.

Als der Richter den reich gekleideten Teufel sah, nahm er eine freundlichere Miene an, und bat sie beide niederzusetzen.

Faust. Wir können es im Stehen abtun. Zu dem Teufel. Zeigt doch das Dokument vor, das wir ausgefunden haben.

Der Teufel zählte bis zu fünfhundert Goldgulden, dann hielt er innen.

Richter. Das Dokument ist nicht übel, meine Herren; doch die Gegenpartei hat längst eins von gleichem Gewicht eingegeben.

Faust. So müssen wir die Gründe für uns schwerer machen.

Der Teufel zählte bis tausend, dann hielt er innen.

Richter. In der Tat, diesen Umstand hatt ich ganz übersehen, und solchen Beweisen ist nicht zu widerstehen.

Er raffte das Gold zusammen und verschloß es in seinen Schrank.

Faust. Ich hoffe doch, Recht und Gesetz sind nun einverstanden.

Richter. Ihr versteht die Kunst, Meister Faust, die ärgsten Feinde auszusöhnen.

Faust, den die Schlechtigkeit des Richters ebenso sehr beleidigte, wie seine Grobheit, lispelte dem Teufel, beim Weggehen ins Ohr: »Räche die Gerechtigkeit an diesem Bösewicht!«

Hierauf trennte er sich von seinem Freunde, ohne seinen Dank abzuwarten, ging weiter mit dem Teufel, seine Schulden zu bezahlen. Besuchte dann seine übrigen Freunde, gab überall mit vollen Händen, selbst denen, die ihn im Unglück verlassen hatten, und fühlte sich glücklich, seiner angebornen Großmut und Freigebigkeit, ohne Maß und Einschränkung, den Zügel schießen lassen zu können. Der Teufel, der weiter sah, und bemerkte, wie er ohne alle Überlegung wegwarf, freute sich der Folgen.

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