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Familie Dungs

Kurt Aram: Familie Dungs - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorKurt Aram
titleFamilie Dungs
year1913
correctorJosef Muehlgassner
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6. Kapitel

Am Freitag früh fuhr Alfred Dungs wieder nach Berlin, nachdem er um die Erlaubnis gebeten hatte, wiederkommen zu dürfen, wenn irgendeine günstige Wendung eingetreten sei, die er von einer Aussprache mit seiner Mutter erhoffe. Herr von Karst erklärte sich damit einverstanden, denn da er einmal A gesagt habe, sei er bereit, auch weiter zu buchstabieren und die Konsequenzen zu tragen, wenn nur auch Herr Dungs es nicht an seinem Teil fehlen lasse.

»Wann werden wir uns wiedersehen?« fragte Lotte ängstlich und unruhig, als sie Alfred zur Bahn begleitete.

»Wenn alles so geht, wie ich es mir wünsche, vielleicht schon morgen,« meinte Alfred.

»Und wenn Du morgen nicht kommst, muß ich annehmen, daß es nicht gut gegangen ist, Fred?«

Er überlegte einen Augenblick und meinte dann: »So werde ich lieber unter allen Umständen kommen.«

Das aber wollte Lotte nicht. Schon ihres Vaters wegen nicht, der zwar für Alfred recht eingenommen sei, aber stutzig und mißtrauisch würde, wenn Alfred unverrichteter Sache wieder zurückkehre.

»Du hast recht,« sagte Alfred, »zumal wir nur einen Vater haben, auf den wir uns verlassen können. Wir müssen ihn schonen, damit nicht auch er uns noch im Stich läßt ... Ich werde also jedenfalls heute abend noch schreiben.«

Lotte nickte und hängte sich schwerer an seinen Arm. Wer wußte, ob sie so bald wieder einen schönen Tag zusammen hatten wie gestern.

Als Alfred nach Berlin kam, überlegte er, ob er nicht vorher seiner Mutter einen Besuch machen solle. Aber er verneinte sich diese Frage nach kurzer Ueberlegung. Er hatte ja wirklich gar keine Vorstellung, wie sie jetzt eigentlich war. Ihres Aeußeren erinnerte er sich sehr gut. Eine große, schöne, leidenschaftliche Frau, die damals, wie ihm scheinen wollte, mit einer fast wilden Zärtlichkeit an ihren Kindern gehangen hatte. Aber das war nun etwa ein halbes Menschenalter her. Wer wußte, wie sie sich seitdem entwickelt hatte. So am nüchternen Morgen kam ihm das recht unsicher vor, und was er sich von ihr erhoffte, erschien ihm nun recht abenteuerlich. Jedenfalls war es besser, er lernte sie erst einmal bei Kufferaths Frühstück kennen. Da würde er ja bald sehen, ob es einen Zweck hatte, sie um Rat und Hilfe zu bitten. Die Dungs hatten sie gewiß nicht gut behandelt. Wer wollte es ihr übelnehmen, wenn sie Gleiches mit Gleichem vergalt? Fünfzehn Jahre sind eine lange Zeit. Auch für mütterliche Gefühle, dachte Alfred und pilgerte wieder zu Fuß in sein Hotel.

Die Menschen drängten und stießen vor lauter Hast, zu ihrer Arbeit zu kommen. Die Autobusse rasten ihrem Ziele zu, die Trams läuteten wie besessen, wenn irgendein Hindernis ihnen in den Weg trat. Sie wußten, wie eilig es ihre Insassen hatten. Und ein Hindernis stellte sich jeden Augenblick ein: Lastfuhrwerke, welche die Geleise kreuzten, denn auch sie hatten es eilig. Droschken, die sich vordrängten, Passanten, die über den Fahrdamm flitzten, mochte es noch so lebensgefährlich sein, und alle taten, als hinge von der nächsten ersparten halben Minute ihr Leben ab. Das dröhnte, donnerte, lärmte, ein einziger, gewaltiger Zug der Arbeit.

Einsam, verlassen und überflüssig kam Alfred sich in diesem Zuge vor, dessen Rhythmus ihn doch unaufhaltsam mit sich fortriß.

Er atmete auf, als er sich endlich bis Unter den Linden durchgearbeitet hatte, wo es ruhiger und geordneter zuging. Wie ein Schwimmer kam er sich vor, der gegen den Strom zu schwimmen versucht hatte, aber nicht merkte, daß er nicht vorwärts kam, bis der Strom ihn einfach ans Ufer warf, beiseite.

Nun war er also glücklich Unter den Linden und konnte sich verschnaufen. Aber beschämt kam er sich vor, wie er hier unter den Nichtstuern stand, und es schien ihm, als seien sie alle miteinander von dem großen Strom der Arbeit, der durch die ganze innere Stadt wogte, als unnütz beiseite geworfen worden. Ringsum brauste und brandete es, und was Arme und Mut hatte, stürzte sich hinein und tat mit. Nur sie hier Unter den Linden, sie standen abseits, machten überlegene oder blasierte Gesichter und waren im Grunde doch nur Verstoßene, Verbrauchte, Arbeitsunfähige und ähnliches Volk.

Als er in sein Hotel kam, meldete der Portier, es sei schon zweimal vom Kaiserhof nach ihm telefoniert worden.

Es ist nichts mit dem Frühstück, die Mama ist überhaupt gar nicht hier, durchfuhr es Alfred. Das ganze schöne Haus, das er für sich und Lotte bauen wollte, es war wirklich auf Sand gebaut. Wenn er sich recht erinnerte, war doch verabredet worden, nicht zu telefonieren, wenn nicht ein Hindernis eingetreten sei.

Er ließ sich mit dem Kaiserhof verbinden, einen der Kufferaths an das Telephon bitten und wartete gespannt.

»Hier Joseph Kufferath.«

»Hier Alfred Dungs.«

»Sagen Sie, Dungs, könnten Sie schon gleich kommen?«

»Was ist denn los?«

»Die große Sache, die wir vorhatten, ist nicht geglückt. O, diese Deutschen! Es ist wirklich schrecklich. Wir wollen heute nachmittag noch weiter. Ich nach Petersburg, die beiden anderen nach Paris mit Ihrer Frau Mutter, die gestern schon eintraf. Wo haben Sie denn gestern gesteckt? Wir haben uns wundtelephoniert nach Ihnen!«

»Weiß meine Mutter Bescheid?«

»Nein, es soll doch eine Ueberraschung sein. Also, wenn es Ihnen paßt, kommen Sie bitte gleich, es geht ja auch schon auf zwölf, so daß man wohl einigermaßen mit Anstand frühstücken kann.«

»Ich komme sofort!« sagte Alfred und hängte den Hörer wieder an. Ihm war, als hinge sein Leben davon ab, jetzt seine Mutter zu sprechen. Ohne erst weiter Toilette zu machen, stieg er in das nächste Auto und fuhr zum Kaiserhof.

Es war nicht schwer, die Kufferaths zu finden, denn sie machten sich auch hier durch ihre geräuschvolle Fröhlichkeit sofort bemerkbar. Inmitten der distinguierten Ruhe und der gemessenen Bewegungen kamen sie Alfred jetzt fast wie Wilde vor. Aber auch hier hatte ihre Fröhlichkeit etwas Ansteckendes. Gäste, die feierlich vorbeikamen, sahen sich nach ihnen um, erkundigten sich und lächelten dann. Ach so, die Kufferaths, ja freilich! Das dreiblättrige Kleeblatt hatte es zu einer gewissen Popularität in der internationalen Welt gebracht. Es war kein schlechter Geschäftstrick, daß man die drei hübschen Menschen fast immer und überall laut und fröhlich beisammen sah. Ueberall sprach man von ihnen. Dabei war es eine Reklame, die gar nichts kostete.

Die drei Kufferaths fielen mit Fragen über Alfred her. Wo er gestern gesteckt habe? Weshalb er den ganzen Tag nicht zu erreichen gewesen sei? Weshalb er sich heute morgen so lange habe verleugnen lassen?

Alfred antwortete, so gut es ging, ohne etwas von seinen Beziehungen zu der Familie von Karst zu verraten. Die Kufferaths hörten sowieso nur mit halbem Ohr zu, denn viel wichtiger als Alfreds Antwort auf ihre Fragen war es ihnen, ihr eigenes Herz ausschütten zu können, das jetzt voll war von Grimm gegen die Deutschen und ihre Schwerfälligkeit. Mit diesem Grimm fielen sie nun über Alfred her und taten, als sei er für solche Schwerfälligkeit mit verantwortlich zu machen.

»Sagen Sie selbst,« rief Josua Kufferath, »ist es nicht einfach lächerlich?«

»Der Deutsche macht eben immer noch nur Geschäfte, bei denen er schon morgen den Profit in der Tasche hat!« rief Joseph dazwischen.

»Wenn sie an einem großen Geschäft in ein, zwei Jahren einen großen Profit machen können, werden sie ängstlich!« schrie Jakob.

»Lieber verdienen sie an Streichhölzern fünf Pfennig, wenn es morgen sein kann, als an einem Millionenobjekt Millionen, wenn es ein paar Jahre dauern kann!« sagte Josua voller Ingrimm.

»Ich weiß zwar absolut nicht, worum es sich handelt,« warf Alfred lächelnd ein, »aber ich gebe ohne weiteres zu, daß wir Deutschen vorsichtig sind, und zwar schon deshalb, weil unser Reichtum noch jung ist, so daß wir immer noch fürchten, ihn über Nacht verlieren zu können. Deshalb ist uns der Sperling in der Hand ... Sie wissen schon!«

»Aber sehen Sie sich Frankreich und England an! Sie schnappen den Deutschen ja alles weg, was noch gut ist, wenn das so weitergeht.«

»England und Frankreich sind aber auch schon lange reich,« warf Alfred ein. »Kein Wunder, daß sie sich längst an diesen Zustand gewöhnt haben als an etwas Selbstverständliches. Das müssen wir erst lernen. Aber worum handelt es sich denn eigentlich, meine Herren?«

Nun riefen die Kufferaths wieder alle drei zugleich alles mögliche durcheinander, so daß Alfred nicht klüger war als vorher. Plötzlich aber schwiegen sie und erhoben sich. Alfred sah sich um. Eine ältere, immer noch schöne, hochgewachsene Dame, hinter ihr ein zierlicher Greis, näherten sich der Gruppe.

Josua Kufferath gab den Brüdern einen Wink, daß sie jetzt zu schweigen hätten.

»Gestatten Sie, Madame Adele, daß ich Ihnen Herrn Alfred Dungs vorstelle.«

Die Dame stand ganz starr und wurde bleich bis in die Lippen.

Alfred Dungs stand ihr gegenüber, leise zitternd vor Erregung.

Die Dame verzog ein wenig den schönen Mund und sagte leise und unsicher mit einem prüfenden Blick auf Alfred: »Dungs?«

Da lachten die drei Kufferaths laut und fröhlich, weil ihnen die Ueberraschung so prächtig gelungen war, drängten sich um Madame Adele und erklärten ihr, daß Alfred Dungs der richtige Dungs sei, ein Sohn von Anton Dungs junior, ihr Sohn. Ein leiser, halb unterdrückter Schrei, der den Kufferaths aber durch Mark und Bein ging, kam von Madame Adeles Lippen, sie stürzte vor, umschlang Alfred, küßte ihn, küßte ihn immer wieder und streichelte ihn, französische Worte und spanische Worte der Zärtlichkeit stammelnd, voll südlicher Leidenschaftlichkeit, die ganz vergessen hatte, wo sie sich befand. Die Kufferaths merkten, daß sie in diesem Augenblick überflüssig waren, und zogen sich ein wenig von den beiden zurück, indem sie auch den zierlichen Greis zu sich nahmen, der ratlos der Szene gegenüberstand, die sie ihm nun erklärten.

» Oh, mon petit, wie groß Du geworden bist und wie hübsch ... und wie alt ich bin, eine alte Mama ... aber wie froh bin ich!« so stammelte Madame Adele und hielt ihren Sohn an beiden Schultern und zog ihn immer wieder an sich. » Oh, mon petit!«

Da näherte sich Joseph Kufferath den beiden, küßte Madame Adele die Hand und meinte leise, ob es jetzt nicht an der Zeit sei, ein bißchen zu frühstücken.

»O, was seid Ihr für deutsche Bären!« rief Madame Adele. »Immer habt Ihr Hunger! Was auch geschehen mag, immer wollt Ihr frühstücken!«

Sie zog ein Tüchlein und fuhr sich damit über die Augen.

Nun erschien auch Josua und behauptete, solche Ueberraschungen seien nicht sehr gesund in einen leeren Magen hinein.

Madame Adele gab ihm einen Klaps, küßte wieder ihren Sohn, lachte und sagte, indem sie Alfred ihren Arm bot: » Allons, frühstücken wir!«

Dann wandte sie sich schnell an den zierlichen Greis, der nun auch näherkam, und überschüttete ihn mit Worten, die ihm die Szene noch einmal erklärten.

Alfred mußte links von der Mama sitzen, und rechts von ihr nahm der zierliche Greis Platz, dessen furchtbar langen, hochadeligen Namen Alfred nicht behalten konnte. Die drei Kufferaths sorgten dafür, daß die Stimmung keinen Augenblick elegisch werden konnte.

» Mon ami,« wandte sich Madame Adele an ihren rechten Nachbar, »heute fahren wir noch nicht nach Paris zurück, erst morgen, nicht wahr?«

Die Kufferaths erhoben lauten Protest, aber der Vicomte gab Madame recht.

Madame Adele hob ihr Glas zu den Kufferaths. »O, meine drei Bären, was habt Ihr da wieder angerichtet,« sagte sie zärtlich. »So eine Ueberraschung!« Dabei drückte sie Alfred leidenschaftlich die Hand.

»Was für ein hübscher großer Mensch er ist, nicht wahr, mon ami?« wandte sie sich an den Vicomte mit einem Blick auf Alfred.

»Ganz Ihr Sohn, Adele,« meinte der Vicomte.

»Er sieht Ihnen wirklich ähnlich, Madame Adele!« rief Joseph Kufferath.

Josua knurrte: »Ich denke, wir essen jetzt!«

»Entschuldigen Sie nur,« meinte Madame Adele lachend, »wir werden Sie nicht mehr mit Gefühlen stören, jetzt wird mon petit reden, und es wird gewiß sehr verständig sein, nicht wahr, Alfred?«

Alfred hatte in der Tat bisher alles stumm über sich ergehen lassen. Er war einfach überwältigt von dieser fremdartig-leidenschaftlichen Art seiner Mutter, und er hatte immerzu denken müssen: wie konnte sie es auch nur ein Jahr neben meinem Vater aushalten, und wie konnte er nur auf den Gedanken kommen, eine solche Frau zu heiraten. Und besonders wunderlich war es für ihn, wie etwas in ihm, das bisher geschlafen hatte, unter dieser Art erwachte und sich ihr verwandt und bei ihr wohlfühlte. Als käme eine Pflanze, die jahrelang im Dunkeln gestanden, plötzlich in die warme, helle Sonne.

»Wenn Madame Adele heute nicht mitfährt nach Paris, soll ich dann trotzdem nach Petersburg?« fragte Joseph.

»Sie könnten doch wirklich mit uns fahren, Madame Adele,« sagte Jakob. »Herr Dungs kann ja auch mitkommen.«

»Ich kann heute und morgen unmöglich von hier fort,« erwiderte Alfred.

»Dann bleibe ich bestimmt bei Dir, mon petit. Das heißt, wenn ich Dich nicht störe,« sagte Madame Adele.

»Aber, Mama!«

»Habt Ihr's gehört? Er kann wirklich sprechen! Er hat Mama gesagt!« jubelte Madame Adele. »So ein Baby!« Sie streichelte ihn schon wieder.

»Dann fahren wir eben schon vor,« entschied Josua, »denn wir haben keine Zeit zu verlieren.«

»Aber Ihr habt doch schon so viel Geld,« schmollte Madame Adele, »ich weiß es ganz genau. Warum seid Ihr gar so eilig nach mehr?«

Nun erklärte Josua, daß es sich nicht bloß ums Geld handle, sondern daß sie es verhindern wollten, daß die Engländer, die ihre Ohren schon gespitzt hätten, sich festsetzten. Da sie in Berlin keine Liebhaber für ihren Plan gefunden, müsse Joseph eben nach Petersburg, wo man wenigstens mit der Antipathie gegen England rechnen könne. Derweil wollten die beiden andern es mit Hilfe des Vicomte in Frankreich versuchen, wenn es mit Deutschland nun einmal nichts wäre.

Der Vicomte winkte aufmunternd mit den zierlichen, feinen Händen und sagte, es würde gewiß keine Schwierigkeiten machen, und deshalb brauchte man es nicht gar so eilig zu haben.

Nun bat Alfred um genauere Auskunft, wenn es sich nicht um ein Geheimnis handle, denn vielleicht könne er ihnen mit einem Rat zur Seite stehen.

»Es handelt sich nicht um einen Rat, sondern um bar Geld,« brummte Josua. »Und bar Geld werden Sie für uns nicht übrig haben, so wenig wie die andern Deutschen.«

»Das käme noch darauf an,« sagte Alfred. »Ich habe mich nämlich von meinem Vater getrennt.«

»Ach!« Wie erstaunt die Kufferaths waren. »Dann ist es allerdings etwas anderes.«

Madame Adele aber wurde noch einmal so herzlich zu ihrem Sohn. »Nicht wahr, es geht gar nicht anders auf die Dauer, man muß sich von ihm trennen, er ist terrible, ein Tyrann! Wenn ich daran denke!«

Die drei Kufferaths hatten mit eins ganz andere Gesichter als bisher. Sie redeten auch nicht mehr durcheinander, sondern schwiegen fein still, bis an jeden die Reihe zu reden kam. Zuerst sprach Josua, dann folgte Jakob, und an dritter Stelle Joseph, der das Gespräch der andern beiden ergänzte, wenn ihm schien, es sei ein wichtiger Gesichtspunkt außer acht gelassen worden.

Es handelte sich um folgendes: Die Kufferaths besaßen große Zuckerplantagen auf Java, und zwar in der holländischen Residentschaft Surabaja. Nun versande die Mündung des Kalimas immer mehr, wodurch der Transport wesentlich verteuert werde. Die Brüder hatten sich kürzlich nach günstiger gelegenem Plantagenboden umgetan und waren bei Dschokschakarta auf der anderen, der Südküste von Java auf weite, noch wenig kultivierte Landstrecken gestoßen, die für den Zucker besonders günstige Bedingungen zu haben schienen. Auch hatte man von hier aus mit dem Transport näher zur Sundastraße. Ein Riesenterrain, das bisher der intensiven Kultur noch nicht erschlossen war. Sowohl den Engländern auf Nord-Borneo wie den Spaniern auf den Philippinen und den Franzosen in Süd-Siam war das Terrain bisher entgangen, und die Holländer hatten seit dem neuen Aufblühen der Kolonie so viel mit anderen Dingen zu tun, daß sie sich um diesen Distrikt noch wenig kümmerten. Aber die Reise der drei Brüder, deren Geschäftstüchtigkeit man kannte, nach Dschokschakarta und Umgegend sei doch aufgefallen. Namentlich die Engländer seien hinter ihnen her gewesen, hätten den Wert des Terrains erkannt, und wenn man nun nicht schnell kaufe, würden sie den ganzen schönen fetten Bissen wegschnappen.

Josua kamen fast die Tränen vor Wut, als er das erzählte.

Joseph erklärte, mehr als essen und trinken und nicht nur um ein glänzendes Geschäft, denn der Javazucker sei ja wieder hoch, sondern auch darum, daß man den Engländern eine solche Machterweiterung nicht gönnte.

Joseph erklärte, mehr als Essen und Trinken und Auto fahren und dergleichen könnten sie trotz ihres vielen Geldes auch nicht, für alle persönlichen Bedürfnisse sei wahrhaftig hinreichend gesorgt, der Mensch habe nun einmal nur einen Magen, auch der reichste. Aber ihre Macht und ihren Einfluß, den könnten sie erweitern, und das sei noch das einzige, was einen Reiz und einen Wert habe.

Nun begann wieder Josua und führte aus, wie sie daran gedacht hätten, das Terrain deutschem Kapital zuzuführen, denn sie seien doch Deutsche und könnten ihr eigenes Kapital leider im Augenblick nicht freimachen, da es zu fest bei Surabaja engagiert sei. Aber mit den Deutschen sei nichts zu machen. Ihnen war das Geschäft zu unsicher, weil es nicht gleich Gewinn abwarf. Ueberhaupt besaßen sie eine Abneigung gegen Geschäfte in Kolonien, das Ueberseeische gefiel ihnen im allgemeinen nicht. In Hamburg war es anders, aber nach Hamburg wollten die Brüder nicht. Die Hamburger waren ihnen zu englisch. Was aber in Deutschland dennoch Interesse für Kolonien habe, das sei offenbar in den deutschen Kolonien festgelegt.

Jakob berichtete, deshalb sei Madame Adele so liebenswürdig gewesen, mit dem Vicomte nachzukommen, damit man seine Zeit verliere und gleich französisches Kapital schon von hier aus interessieren könne, wenn es nicht anders ginge.

Alfred fragte, um welche Summen es sich denn handle.

»Lumpige zwanzig Millionen,« sagte Joseph.

»Dafür haben wir einen Distrikt, dreimal so groß wie ein deutsches Fürstentum,« sagte Jakob.

»Einsicht in unsere Kalkulation steht Ihnen natürlich in demselben Augenblick zu, wo Sie sich für die Sache ernsthaft interessieren,« sagte Josua.

Alfred machte ein etwas bedenkliches Gesicht. Es war immerhin ein beträchtliches Kapital, ein recht beträchtliches sogar, wenn er an seine Verzinsung dachte. Er mißtraute den Kufferaths und ihren Angaben nicht im geringsten, aber wenn die Sache nicht reussierte, dann saß er allzu tief in der Tinte, das war das Gefährliche. Andererseits reizte ihn die Sache sehr. Erstens handelte es sich um ein wirklich großes Geschäft, für das er den nötigen Kredit schon zu finden hoffte. Dann ging es schnell damit allem Anschein nach, und das war für ihn auch nicht zu unterschätzen.

»Ich will Euch was sagen, mes petits,« fiel hier Madame Adele ein, »gebt ihm noch bis heute abend Bedenkzeit. Ihr versäumt ja nicht viel dabei. Heute nachmittag gehört er sowieso mir, nicht wahr, chéri? Und dann werden wir uns auch noch einmal alles überlegen, was meinst Du, Alfred?«

Alfred sah seine Mutter dankbar an.

» Voyez donc, diese Augen!« rief Madame Adele. »Er ist zu hübsch, mon petit!« Sie strich ihm wieder über den Arm.

»Dann reise ich also nicht nach Petersburg?« fragte Joseph.

»Wenigstens heute noch nicht,« erwiderte Josua voller Vorsicht.

Und nun waren die Brüder Kufferath wieder wie immer, lachten und scherzten, bis Madame Adele endlich das Frühstück aufhob, ein Wiedersehen am Abend verabredete und Alfred entführte, nachdem sie den Vicomte getröstet hatte, daß er den Nachmittag nun ohne sie verbringen müsse.

Sie nahm Alfred gleich mit auf ihr Zimmer und meinte noch auf der Treppe: »Siehst Du, das ist die einzige Annehmlichkeit, daß ich alt bin. Kein Mensch nimmt sich die Mühe, seine Nase über mich und den Vicomte zu rümpfen. Wir sind ja so alte Leute, nicht wahr?«

Alfred lächelte. Die Mama hatte ganz recht, und es war ihm mehr als angenehm, daß sie recht hatte.

Und nun, wo sie unter vier Augen waren, küßte Madame Adele ihr großes Baby, wie sie ihn nannte, erst noch einmal nach Herzenslust ab, und dann mußte er ihr von den Dungs erzählen, von Anton und Adam und dann auch von Anton Dungs.

Alfred tat das denn auch, und je ausführlicher er erzählte und je interessierter seine Mutter zuhörte und gar nicht genug erfahren konnte, um so mehr wunderte sich der Sohn, wie es nur möglich war, daß die Mutter und ihre Kinder fast ein halbes Menschenalter so gut wie nichts voneinander gewußt hatten.

Madame Adele merkte sehr wohl, was in ihrem Sohn vorging, und voller Erregung unterbrach sie ihn: »Siehst Du, so wollte er es, so hatte er es sich ausgedacht! Gar nichts mehr wissen sollte ich von Euch, als wäre ich überhaupt nicht mehr da. Und was sollte ich machen? O, ich wollte Euch entführen, ich wollte Euch ihm mit Gewalt nehmen! Aber er behielt ja mein Vermögen, und ich ließ es ihm, weil es ja für Euch war. Hat er Dich denn ausgezahlt?«

Nun erzählte Alfred, wie es in der Beziehung um ihn stand, und wie er eigentlich nur deshalb Bedenken habe gegen das Geschäft mit den Kufferaths.

Madame Adele benahm sich wie eine Tigerin, so wild und leidenschaftlich, als sie nun dahinterkam, daß der Sohn nicht besser daran war wie die Mutter. »Aber diesmal soll er sich verrechnet haben. Wofür bin ich eine alte Frau, die sich auskennt im Leben. Du sollst wenigstens nicht länger zu leiden haben, mon petit, unter diesem Tyrannen! O, wie ist er schrecklich und fürchterlich!«

Madame Adele kam ganz außer Atem.

»Ich bitte Dich, rege Dich nicht so sehr auf, Mama!«

Wie der Wind war sie bei ihm, kniete vor ihm nieder und umschlang ihn mit aller Heftigkeit. »O, Mama hat er gesagt! Sage es noch einmal, mon petit, sage es noch viele Male! Ich habe es so lange nicht gehört. O, wie ich mich freue, Deine Mama!«

»Meine liebe Mama,« flüsterte er. »Wie reizend Du bist, Mama!«

Madame Adele sprang wieder auf. »Nun wollen wir ihm aber eine Nase drehen, daß er sich wundern soll. Oh, mon cher mari!« Sie drohte in die Luft. »Du machst das Geschäft mit den drei Bären, hörst Du? Und zwar borgst Du Dir auf Deinen Pflichtteil, so viel Du kriegen kannst. Und wenn es nicht reicht, zediere ich Dir mein Kapital, das dieser Tyrann so festhält. Das wird mehr als genug sein. Und zwar vermittelt uns das der Vicomte in Frankreich, dann wird es viel billiger.«

»Aber Mama, Du bist ja der reine Kaufmann!«

» Oui, mon petit. In der Beziehung hat sich Dein Vater nie in mir getäuscht. O, ich habe viel gelernt in all den Jahren. Und glaubst Du, ich hätte ihm mein Kapital gelassen, wenn ich mich nicht davon überzeugt hätte, daß es bei ihm so gut aufgehoben ist? C'est ça, mon petit! Da kann man ihm ja gar keine Vorwürfe machen, nicht wahr? Er ist ja un héros, un Napoléon, was das Geld anlangt, nicht wahr? Dieser ... dieser Menschenfresser!«

Alfred lächelte.

Madame Adele blitzte ihn an. »Du meinst, ich liebe ihn immer noch, weil ich das sage? Oh non, mon petit, ich hasse ihn. De tout mon coeur, de tout mon coeur

Alfred war es, als würde er von einem Wirbelwind hin und her geweht. Aber es tat wohl, man wurde im Herzen so warm dabei. Er trat hinter sie und flüsterte ihr ins Ohr: »Du meine große, schöne Mama!«

Sie fuhr herum, rot wie ein junges Mädchen, und dann sagte sie ganz ernsthaft: »Sei ehrlich, mon petit, schämst Du Dich nicht ein wenig, so eine alte Mama zu haben? Ich habe immer gehofft, Euch wiederzusehen. Aber davor habe ich mich gefürchtet, mon petit

Alfred lachte sie aus und war so zärtlich zu ihr, daß sie wohl einsehen mußte, eine solche Furcht sei überflüssig.

Jetzt setzte sie ihm noch einmal den Feldzugsplan gegen Anton Dungs, wie sie es nannte, auseinander, und Alfred konnte ja nur damit einverstanden sein. Hier war die Hilfe, die er brauchte.

»Und weißt Du was, Baby, was wir jetzt tun? Jetzt gehen wir in den Zoologischen Garten. O, ich liebe ihn so! Du glaubst gar nicht, wie sehr! Weißt Du, die Löwen haben sicher Junge, die Bären und die Tiger, alle haben sie ihr Baby.« Sie drückte ihm die Hand. »Und jetzt habe ich auch mein Baby, nicht wahr?«

Sie machte sich fertig und telefonierte dann ins Bureau, ob der Vicomte noch auf seinem Zimmer sei? Als ihr das bestätigt wurde, sagte sie zu Alfred: »Weißt Du, dann nehmen wir ihn mit. Es ist auch praktisch, denn Du kannst gleich mit ihm über alles reden.«

Alfred nickte zustimmend, wenn es ihm auch lieber gewesen wäre, mit seiner Mutter allein zu bleiben. Schon weil er nun gerne über Lotte mit ihr gesprochen hätte. Aber sie hatte recht, es war gut, gleich mit dem Vicomte. zu sprechen. Das Persönliche mußte noch eine Weile zurücktreten. Aber morgen würde er ihr auch das sagen. Er hatte ja nun eine Mutter, der er sein Herz ausschütten konnte.

»Was machst Du denn für Augen, mon petit? Bist Du so verliebt in mich?«

»Ja, ja, Du hast recht, Mama.« Er verließ eilig mit ihr das Zimmer.

+++

Am andern Morgen, Alfred hatte sich gerade angekleidet, klopfte es, und der Diener überreichte ihm eine Visitenkarte. Die Dame warte und ließe fragen, ob Herr Dungs zu sprechen sei.

»Einen Augenblick, ich komme sofort,« antwortete Alfred, denn es war seine Mutter. Sie kam ihm eilig entgegen, küßte ihn und sagte: »Weißt Du, mon petit, ich bin sehr egoistisch gewesen gestern. Du darfst mir das nicht übelnehmen, nicht wahr? Ich war so froh, Dich zu haben. Aber nun bleibe ich bei Dir, bis mein Zug geht, und nun sollst Du mir sagen, weshalb Du nicht gleich mit uns fahren kannst nach Paris.«

»Darf ich erst frühstücken, Mama?«

»Aber, mon petit, wie Du redest! Ich setze mich zu Dir.«

Während Alfred frühstückte, sah ihm Madame Adele eine ganze Weile schweigend zu. Dann fragte sie leise und ängstlich: »Sage mir nur, ist es ein Mädchen, weshalb Du nicht gleich mit uns fahren willst?«

Alfred lächelte. »Wäre das sehr schlimm, Mama?«

Madame Adele verzog ein wenig schmerzhaft das schöne Gesicht. »Ich hätte Dich gerne noch einige Zeit für mich allein gehabt, mon petit

Nun erzählte Alfred von Lotte, und Madame Adele unterbrach ihn mit keinem Wort. Nur blasser war sie als sonst. Sie fühlte wirklich etwas wie Eifersucht gegen das junge Mädchen.

Als Alfred geendet hatte, meinte die Mutter mit einem schweren Seufzer: »Du liebst sie sehr, mon petit

»Ja, Mama!«

»Du mußt Geduld haben, mon petit ... Aber ich werde versuchen, sie auch zu lieben!«

Madame Adele hatte Tränen in den Augen.

»Aber, Mama!« sagte er besorgt.

»Du mußt doch verstehen, mon petit. Nun habe ich mein Baby, und nun soll ich es schon wieder abgeben!«

»Ich bitte Dich, Mama, ich bin doch ein erwachsener Mensch.«

»Sei nicht böse, aber Ihr seid alle Babys, mon petit. Glaube es mir, für uns Frauen seid Ihr nichts anderes.«

Sie fuhr sich energisch über die Augen. »Ich bin wirklich dumm, aber Du mußt Geduld haben ... Sage, ist sie wenigstens hübsch genug für Dich?«

Alfred begann wieder von Lotte zu erzählen. Er merkte gar nicht, wie lange er nur davon sprach, und fuhr erschrocken auf, als der Vicomte erschien.

»Es wird Zeit, Adele!«

» Eh bien, mon ami.« Madame Adele erhob sich und bat den Vicomte um sein Notizbuch.

Er überreichte es ihr. »Schreibe ihre Adresse hierhin, mon petit, ich werde ihr schreiben, da ich nun fort muß.«

Alfred tat es und küßte seiner Mutter dankbar die Hand.

»Und nun, mon petit, auf Wiedersehen. Nicht wahr, übermorgen in Paris? Du läßt mich nicht länger warten?«

»Uebermorgen bin ich wieder bei Dir, Mama.«

Sie umarmte ihn. »Deine Mama, Deine Mama! ... Und nun bleibe hübsch hier, mon petit, gehe nicht mit bis auf die Straße, sonst werde ich elegisch vor allen Leuten, nicht wahr? Ihren Arm, Vicomte!«

Der zierliche Greis trat ehrerbietig näher.

» Au revoir, mon petit, au revoir!« Die Tränen liefen ihr über die Wangen, während der Vicomte sie eilig fortführte.

Auch Alfred, der zurückblieb, hatte seine liebe Not, um nicht gar zu deutlich zu zeigen, wie sehr ihn die Art seiner Mutter ergriff. Aber das war ja Unsinn, sie sahen sich doch übermorgen schon wieder.

Er gab sich einen Ruck und ging eilig auf sein Zimmer. » Mon petit!« sagte er vor sich hin und vermied es, in den Spiegel zu sehen, denn auch ihm waren die Augen feucht geworden.

Ganz still saß er auf einem Sessel, eine ganze Zeitlang, und dachte an gar nichts. Er kostete nur dies wohlige neue Gefühl aus, eine Mutter zu haben, die ihn liebte. Es durchflutete ihn ganz. Wie arm waren seine Brüder, daß sie das nicht kannten. Welch ein Verbrechen von dem Vater, ihnen das vorenthalten zu haben. Aber nein, daran mochte er jetzt gar nicht denken, das sollte ihm diese stille, frohe, hohe Stunde nicht verderben.

Als er sich wieder erhob, kam er sich wie ein ganz neuer, anderer Mensch vor, und plötzlich wurde die Sehnsucht nach Lotte übergroß. So stark hatte er es noch nie empfunden. Er war ja bisher ein Dungs gewesen, der sich der Gefühle schämte und sie zu unterdrücken hatte, so schnell es irgend ging. Es war ja fast unanständig für einen Dungs, Empfindungen zu zeigen. Nun aber war das mütterliche Blut in ihm erwacht und durch die Mutter selbst entzündet worden.

Er erschrak fast vor sich selbst, als er sein Gesicht im Spiegel gewahrte, so leidenschaftlich bewegt und erregt schien es ihm. So hatte er es noch nicht gesehen. Und während er sich hastig für die Fahrt zu Karsts zurechtmachte, mußte er plötzlich denken, ob sein Vater nicht doch gut daran getan, so grausam es klang, wenn er seinen Kindern diese leidenschaftliche Mutter in der ganzen Zeit, da sie jung waren, ferngehalten hatte? Was hätte wohl aus ihnen werden sollen in dem kleinen Nest bei den vielen engen Pflichten, wenn die Art der Mutter in ihnen übermächtig geworden wäre? Am Ende hätte der Vater dann auch noch seine Kinder verloren? In diesem Augenblick sah er das Verhalten seines Vaters in einem milderen Licht als bisher. Es war einfach Selbsterhaltung, daß er die Mutter ihnen entzogen hatte. Sie wäre gewiß stärker gewesen als er, vorübergehend wenigstens, so lange sie Kinder waren, auf die Leidenschaft stärker wirkt als Ueberlegung und Beherrschung. Aber jetzt, wo er erwachsen war, jetzt tat es unsagbar wohl, die mütterliche Art in sich zu entbinden, die so lange unterdrückt worden war, und auch ihr ein Lebensrecht zu geben.

Alfred fuhr zu den Karsts. Von ihnen ging es nach Paris und dann nach Java, denn er wollte den Distrikt selbst sehen. Zu viel stand auf dem Spiel. Den Kufferaths war das nur recht, denn sie betrachteten ihn jetzt schon als den ihren, seitdem Madame Adele und der Vicomte sich bereit erklärt hatten, für Alfred den nötigen Kredit zu besorgen, bis ihm sein Pflichtteil ausgezahlt würde, was noch einige Zeit in Anspruch nehmen konnte. Sie waren Kaufleute und begriffen das. Aber weil sie Kaufleute waren, wollte Madame Adele andererseits nicht, daß sie in die wirkliche Situation tiefer eingeweiht würden, als nötig war. Von dem Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn brauchten sie nichts zu wissen, und Alfred hatte seiner Mutter versprochen, wenigstens so lange nicht davon zu reden, als er nicht direkt danach gefragt wurde.

»Vorsicht ist immer gut, mon petit, und auch die drei Bären brauchen uns nicht tiefer in den Topf zu gucken, als nötig ist.«

Alfred konnte dem Wunsch seiner Mutter um so eher nachgeben, als er sich fest vorgenommen hatte, all seine Kraft fortan dieser einen Sache in Java zu widmen. Aber was würde Lotte dazu sagen? Davor bangte ihm. Mindestens ein halbes Jahr würde er ihr fernbleiben. Was konnte in der Zeit nicht alles geschehen? Wenn sich Lotte nun derweil anders besann? Konnte er sie nicht einfach mitnehmen? Man fuhr über London und ließ sich trauen. Das ging schnell.

Das Herz hüpfte Alfred bei diesem Gedanken, aber je näher er zu Karsts kam, um so unwahrscheinlicher kam es ihm vor, daß man darauf eingehen würde. Lotte vielleicht, aber der Alte hatte sicher keinen Sinn für solche Streiche.

Als er ausstieg, umschlang er Lotte, die am Wege stand, und küßte sie leidenschaftlich. Lotte trat ganz erschrocken von ihm zurück.

Alfred entschuldigte sich lächelnd. Hier war die alte Dungssche Art mehr angebracht als die neue seiner Mama. Daran hatte er nicht gedacht, und so erzählte er ihr denn sofort schon zu seiner Rechtfertigung von seiner Mutter.

Lotte hörte stumm zu, und schließlich meinte sie fast etwas gekränkt: »Aber, Fred, Du bist ja ganz verliebt in Deine Mutter!«

Alfred sah sie betroffen an. Mein Gott, nun war sie gar ein wenig eifersüchtig auf die Mama. Gerade wie es heute morgen die Mama auf Lotte gewesen war.

Er konnte sich nicht enthalten, ihr das zu erzählen.

Sie hing sich inniger an ihn, denn sie war wirklich ein wenig eifersüchtig, und benahm sich zärtlicher zu ihm, als es sonst ihrer Art entsprach.

Als sie dann mit Herrn von Karst um den runden Tisch saßen, berichtete Alfred von seinen Plänen und Aussichten.

»Das ging ja verdammt fix, mir ein bißchen zu fix,« brummte der alte Karst.

Alfred setzte ihm auseinander, daß es deshalb doch ein solides Unternehmen sei, und wenn es so fix gegangen, nun ja, so hänge das eben damit zusammen, daß er mit den Dungs zusammenhänge. Der Alte habe nun einmal das Renommé, und davon profitiere in diesem Falle auch der Sohn.

»Und da meinen Sie nun, ich solle mir gutwillig einen Konkurrenten wie Sie in mein eigenes Haus setzen?« knurrte der Alte.

»Pardon, Herr Baron, ich verstehe Sie nicht.«

»Javazucker gegen Rübenzucker!« brummte Herr von Karst.

»Aber, Papa, wir bauen ja gar keinen Rübenzucker!« rief Lotte.

»Aber viele andere meiner Standesgenossen tun es. Soll ich darauf vielleicht keine Rücksicht nehmen?«

Daran hatte Alfred allerdings nicht gedacht. Er blickte recht unglücklich drein.

»Sie brauchen sich das wirklich nicht gleich so zu Herzen zu nehmen,« meinte der Alte ein wenig milder. »Aber Sie sehen, nun haben wir schon den ersten Gegensatz. Auch das ging verdammt fix!«

»Aber, Papa!«

»Was wahr ist, muß auch wahr bleiben,« fuhr der Alte auf. »Wir wollen uns doch hier nichts vormachen. Sie werden mir schön auf den Kopf kommen, wenn sie erfahren, daß Herr Dungs in Javazucker macht, und in welche Beziehungen Herr Dungs zu meiner Tochter zu treten gedenkt. Da können sie höllisch eklig werden, darauf können wir uns verlassen.«

Um von etwas anderem zu reden, was dem alten Herrn besser gefallen würde, berichtete Alfred, daß er natürlich nicht daran denke, die Katze im Sack zu kaufen, sondern daß er selbst hinfahren werde und sich die Sache ansehen.

Der Alte nickte zustimmend.

»Nach Java?« fragte Lotte gedehnt.

Alfred setzte auseinander, daß es wohl nicht anders ginge.

»Wie lange dauert denn das?« fragte Lotte unruhig.

Ein halbes Jahr werde darüber wohl vergehen, meinte Alfred.

»So lange Zeit!« sagte Lotte leise.

Nun wurde der Alte ärgerlich. »Du bist doch ein Soldatenkind. Was ist ein halbes Jahr? Noch lange kein Krieg. Lasse den Kopf nicht so hängen, Mädel!«

»So weit fort!« sagte Lotte leise.

»Wenn Du einen von der Marine heiratetest, dauerte es noch länger.« Der Alte fühlte wohl, daß dies kein sehr wirksamer Trost sein konnte, aber ein besserer fiel ihm nicht ein.

»Er ist doch aber kein Soldat!« sagte Lotte.

Nun setzte Alfred auseinander, daß es eben auch Kaufleuten zuweilen ergehen könne wie Soldaten.

»Herr Dungs hat ganz recht,« sagte der Alte. »Und jetzt absentiere ich mich auf ein Stündchen. Wenn Du die Zeit benutzen willst, um zu heulen, Lotte, mir kann's gleich sein, denn ich bin Gott sei Dank nicht dabei.« Er schmunzelte, als er sah, wie seine Tochter auffuhr. »Als ich jung war, wußte ich mir was Besseres als heulen in solcher Stunde. Kopf hoch, Mädel! Die Malaien, oder wie die Kerle heißen, werden ihn nicht gleich fressen. Er schmeckt nicht jedermann so gut wie Dir!«

Lotte fuhr von ihrem Stuhl. »Papa!«

»So ist's recht, Lotte, ärgere Dich nur über Deinen alten Vater. Das ist immer noch gesünder als heulen.« Draußen war er.

Alfred trat zu ihr und legte leise den Arm um ihre Taille. »Komm mit Lotte!«

»Nach Java?«

»Wir lassen uns in London trauen und bleiben zusammen.«

In Lottes Augen leuchtete es auf. Aber nein, das ging nicht, das ging wirklich nicht. Was würde ihr Vater von ihr denken. Sie warf den Kopf in den Nacken und sagte: »Das geht nicht.«

»Warum soll es nicht gehen?«

»Hast Du ganz vergessen, was wir dem Vater versprochen haben? Ich bitte Dich, Fred, sprich nicht mehr davon, ich bitte Dich!«

Er senkte den Kopf und schwieg einen Augenblick. Es kostete ihn einen harten Kampf, aber er bestand ihn, nahm ihre Hand und sagte: »Sprechen wir nicht mehr davon. Es wäre sehr schön gewesen, und wir hätten uns manche Sorge erspart.«

»Sorgst Du Dich um mich, Fred?«

»Wenn Du mich nun vergißt in all der langen Zeit, Lotte?«

»Aber, Fred, wie kannst Du so etwas sagen?«

»Dann verstehe ich nicht recht, weshalb Dich das so beunruhigt,« sagte Alfred, obgleich er es ganz gut verstand.

Sie sah ihn an, und dann lächelte sie. »Ich soll Dir wohl ein Kompliment machen, darauf hast Du es abgesehen? O, Du! Aber daraus wird nichts!«

»Schade,« sagte Alfred.

»Du bist sehr anspruchsvoll auf einmal.«

»Meine Mutter hat mich verwöhnt, Lotte.«

»Damit kann ich nicht konkurrieren.«

»Du könntest es vielleicht wenigstens versuchen?«

Nun lachten sie alle beide, und dann sprachen sie ernsthaft miteinander, wie das werden solle, wenn sie nun so weit voneinander fort sein würden. Namentlich für Lotte, die noch wenig in der Welt herumgekommen war, bedeutete die Erledigung dieser Frage viel.

»Ich werde Dir von unterwegs telegraphieren und schreiben. Ich schreibe Dir ganz genau die Stationen auf, wo mich eine Nachricht von Dir erreicht, und je nachdem telegraphierst Du oder schreibst Du ebenfalls.«

»An das Telegraphieren werde ich mich schlecht gewöhnen können,« meinte Lotte.

»Daran mußt Du Dich wirklich gewöhnen als zukünftige Kaufmannsfrau. Anders geht es bei uns überhaupt nicht.«

»Weißt Du, was ich wollte, Fred?«

»Nun?«

»Ich wollte, Du wärst kein großer Kaufmann mit Telegraphieren und solchen aufregenden Sachen.« Sie lächelte. »Ich wollte noch lieber, Du hättest einen Laden oder so etwas, es könnte ja ein gutgehender Laden sein.«

Alfred zog sie an sich und küßte sie. »Nun hast Du mir doch ein Kompliment gemacht, wenn auch sehr indirekt.«

Als Herr von Karst wieder erschien, fand er die beiden in einem ruhigen Gespräch, wie es ihm gefiel. Er ließ sich von Lotte erzählen, was sie ausgemacht hatten, und sagte dann: »Also schön, damit wäre das also erledigt. Nun wollen wir weiter kein Wort darüber verlieren und gar nicht weiter daran denken, sondern uns der Stunde freuen und sie genießen. Als Soldaten haben wir das gelernt, und Herr Dungs wird auch nichts dagegen haben. Ueber die Zukunft soll man sich schon deshalb keine grauen Haare wachsen lassen, weil man ja kaum die Gegenwart in der Hand hat. Und alles was recht ist, Lotte, Unruhe hast Du uns mit Deinem Auserwählten hinreichend ins Haus gebracht, und wenn Unruhe Leben ist, à la bonheur! Dann kann es nicht fehlen.« Die Worte kamen etwas schärfer heraus, als sie gemeint waren. Der Alte fühlte das und schüttelte Alfred herzhaft die Hand.

An die Bahn kam diesmal der Alte selbst mit, wenn es auch Lotte gar nicht besonders recht war. »Nein,« sagte er, »das hilft nun alles nichts, Ihr müßt mich schon mit in Kauf nehmen, sonst wird Lotte doch noch weichmäulig oder gar tragisch. Sie kommt sich ja schon fast wie 'ne Soldatenbraut vor von wegen der Malaien.«

Das Brautpaar ließ sich die Art des alten Herrn gerne gefallen, denn so kamen sie leichter über das Abschiednehmen hinweg. Es nützte ja nichts, es mußte jetzt geschieden sein.

Lotte winkte mit dem Taschentuch, solange nur noch etwas von dem Zug zu erblicken war; und auch Alfred winkte, bis der Zug eine Biegung machte und nichts mehr von Lotte und Herrn von Karst zu sehen war.

Es war doch auch ihm recht weh und schwer ums Herz, dem verwöhnten Alfred Dungs, der jetzt erst merkte, wie sehr ihm bisher alles nach Wunsch gegangen war, und wie gering die Sorgen gewesen, mit denen er sich bis jetzt geplagt hatte. Aber er nahm sich zusammen, die Vergangenheit lag hinter ihm, es galt nun, seinen Mann zu stehen für eine Zukunft, die zwar noch recht dunkel und unklar vor ihm lag, die aber doch, soviel an ihm tag, reich und schön werden sollte.

Alfred Dungs sollte noch an demselben Tage recht energisch an seine Vergangenheit erinnert werden, mit der er nichts mehr zu tun haben wollte. Im Hotel wartete nämlich Herr Dr. Miller auf ihn, der jüngste Jurist des Hauses Dungs. Dr. Miller trat gleich auf Alfred zu, sowie er seiner ansichtig wurde, und atmete hörbar auf, daß ihm der junge Herr Dungs nun doch noch in den Weg lief, was er, wie es schien, kaum noch zu hoffen gewagt hatte.

Alfred hätte die Begegnung am liebsten vermieden, denn er wußte sofort, daß Dr. Miller als Abgesandter seines Vaters kam, aber nun ging es nicht mehr, ohne direkt unhöflich zu sein. Auch tat ihm Dr. Miller ein wenig leid, weil er gar so froh zu sein schien, ihn erwischt zu haben. Alfred wußte ja, sein Vater ließ nicht mit sich spaßen, wenn er einen Auftrag erteilte und dieser nicht nach Wunsch erledigt wurde.

»Ich kann mir ungefähr denken, weshalb Sie hier sind,« meinte Alfred nach der ersten Begrüßung. »Aber ich bitte Sie, darauf Rücksicht zu nehmen, daß ich in wenigen Stunden abreisen muß und in meiner Zeit allen Ernstes sehr beschränkt bin.«

»Ich möchte Sie allein sprechen, Herr Dungs. Nur fünf Minuten. Wir könnten vielleicht auf Ihr Zimmer gehen?«

»Bitte,« sagte Alfred, und Dr. Miller folgte ihm. Allzu schwer scheint mein Vater die Situation nicht zu nehmen, dachte Alfred, denn sonst hätte er mir nicht gerade seinen jüngsten Juristen geschickt. Nun; mir kann es recht sein.

Als sie oben waren, bot Alfred dem anderen vor allem eine Zigarre an. Der Aermste würde an seinem Auftrag ja doch nicht viel Freude haben, also gönne man ihm wenigstens eine Zigarre.

Dr. Miller hatte sich seine Aufnahme weniger freundlich vorgestellt und nahm mit Freuden die Zigarre. Es würde schon alles gut gehen.

»Also bitte,« sagte Alfred und setzte sich zurecht. Merkwürdig, wie ruhig er dem Kommenden entgegensah, fast ein wenig humoristisch. O, Anton Dungs hatte sich verrechnet, wenn er glaubte, seinem Sohn mit Herrn Dr. Miller beikommen zu können.

Dr. Miller überlegte und schien sich nicht im klaren zu sein, wie er seinen Auftrag am besten einleitete.

»Machen wir keine langen Umstände, Herr Doktor, ersparen Sie sich alle Einleitungen und sagen Sie mir gerade heraus, was Sie mir auszurichten haben.«

Dr. Miller blies den Rauch seiner Zigarre von sich und sagte: »Herr Anton Dungs hat mich beauftragt, Sie zu bitten, für ihn nach Spanien zu reisen. Es handelt sich um neue Erzgruben, wie Sie ja wohl wissen werden.«

»Ich wußte das zwar bis jetzt noch nicht, aber bitte fahren Sie fort, Herr Doktor!«

»Sie wußten davon nichts?« sagte der andere erschrocken.

»Sie brauchen nicht in Sorgen zu sein, Herr Doktor, ich habe mit der Konkurrenz nichts zu tun.«

»Pardon, das nahm ich natürlich auch nicht an, ich bitte Sie!« Dr. Miller war ehrlich entsetzt über eine solche Zumutung.

»Sie können mir also auch getrost sagen, wohin ich nach Spanien soll.«

»Herr Anton Dungs beauftragte mich, Sie zu bitten, mit mir zu fahren, damit er die Einzelheiten mit Ihnen persönlich besprechen könne.«

»Wenn ich das nun ablehnen muß, Herr Doktor, was dann?«

»Ich denke, Herr Dungs, Sie werden es sich wenigstens überlegen.« Nun wurde der Abgesandte seines Vaters unruhig und legte die Zigarre beiseite.

»Ich habe da gar nichts zu überlegen. Ich kann einfach nicht nach Spanien in diesem Augenblick, weil ich nämlich eine längere Reise vorhabe, die mich nicht nach Spanien führt, wahrscheinlich sogar nicht einmal über Spanien. Ich muß Sie also schon bitten, meinem Vater zu sagen, es täte mir leid, seinem Wunsch diesmal nicht nachkommen zu können, und er müsse sich für diesen Auftrag jemand anders suchen, so leid es mir täte.«

»Herr Dungs!« sagte Dr. Miller erschrocken. »Bedenken Sie, was Sie sagen. Das kann ich Ihrem Herrn Vater ja gar nicht antworten!«

»Ich habe leider keine andere Antwort, Herr Doktor!«

Dr. Miller griff in einer Art Verzweiflung wieder nach der Zigarre. Alfred reichte ihm liebenswürdig ein brennendes Streichholz. Armer Kerl, dachte er, an Deinem Auftrag wirst Du keine Freude haben, gar keine. Er sah die Szene, die sich nach der Rückkehr des Abgesandten im Kontor seines Vaters abspielen würde. O, Anton Dungs belohnte glänzend, wenn alles nach Wunsch ging, aber er konnte sehr brutal und ungemütlich werden, wenn etwas nicht seinen Wünschen entsprach. Er maß bann stets die Hauptschuld dem Beauftragten zu und ließ ihn das deutlich genug spüren.

»Mein Vater hat Sie vermutlich auch beauftragt, mir mitzuteilen, was geschehen würde, wenn ich nicht in der Lage bin, seinen Wunsch zu erfüllen?« fragte Alfred.

»Ihr Herr Vater läßt Ihnen sagen, es läge ihm außerordentlich viel gerade an der Erfüllung dieses Wunsches.«

Alfred dachte: gar so leidenschaftlich wird sich mein Vater nicht ausgedrückt haben, wie ich ihn kenne. Ein Glück für Dr. Miller, daß der Alte ihn nicht hörte.

»Uebereilen Sie bitte nichts!« sagte der Beauftragte und legte die Zigarre wieder beiseite.

»Ich sagte Ihnen schon, es ist für mich nichts weiter zu überlegen. Ich kann einfach nicht, Herr Doktor!«

»Ihr Herr Vater ist sehr gereizt im Augenblick. Ich muß sagen, ich habe ihn noch selten ...«

»Tun Sie sich keinen Zwang an,« unterbrach ihn Alfred, »ich kenne meinen Vater.«

»Sollten Sie seinem Wunsch wider Erwarten nicht nachkommen, so sagte er mir, er fasse das dann sozusagen als Kriegserklärung auf. Er wünschte, daß ich diesen Ausdruck Ihnen gegenüber gebrauchen sollte.«

»Ich nehme davon Kenntnis, Herr Doktor.«

»Und im Krieg sind alle Mittel recht, Herr Dungs! Vergessen Sie das nicht.«

»Ich bin zwar nicht ganz dieser Ansicht, immerhin ist sie die allgemein verbreitete, darin haben Sie recht.«

»Bedenken Sie doch, was das heißt,« sagte Dr. Miller bittend und wischte sich die Stirn.

»Ich danke Ihnen, daß Sie mich besonders darauf aufmerksam machen.«

»Er kann Sie enterben!« fiel Dr. Miller ein.

Alfred erhob sich. »Pardon, da sind Sie im Irrtum, und ich wundere mich, daß Sie als Jurist das sagen. Um mein Pflichtteil kann er mich nicht verkürzen, solange ich ihm nicht nach dem Leben trachte usw. Das brauche ich Ihnen als Juristen doch wohl nicht ausführlicher zu erläutern.«

»Das meinte ich auch nicht, Herr Dungs.«

»Auf mehr als auf meinen Pflichtteil reflektiere ich überhaupt nicht mehr. Ich bitte Sie, das meinem Vater zu sagen, denn dann wird er sich wohl keinen Illusionen mehr über mich hingeben.«

Auch Dr. Miller hatte sich erhoben. Er sah fragend, bittend, wartend auf den Sohn seines Herrn. Als Alfred aber beharrlich schwieg, fragte er leise: »Ist das wirklich Ihr letztes Wort?«

Alfred reichte ihm die Hand. »Das ist mein letztes Wort, Herr Doktor, und seien Sie versichert, ich mache mir keine Illusionen darüber, wie es mein Vater aufnehmen wird. Aber ich wage den Kampf! Sagen Sie ihm das!«

»Dann kann ich Ihnen nur eins erwidern,« sagte Dr. Miller bedrückt.

Alfred blickte ihn fragend an.

Dr. Miller verbeugte sich. »Möchten Sie es nie zu bereuen haben, Herr Dungs.«

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