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Fabian und Sebastian

Wilhelm Raabe: Fabian und Sebastian - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
authorRaabe
titleFabian und Sebastian
senderanitagerber@gmx.de
created20050430
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Erstes Kapitel

Wenn es allen auf die äußeren Umstände oder was man so den Zubehör nennt, ankäme, so wäre dieses eines von den hellsten Büchern in dieser Welt und würde wie ein buntfarbigster Lichtblitz über den dunkeln Ozean von Druckerschwärze fallen, der jedes Leben jetzt doch ohne alle Frage mehr oder weniger umflutet, wenn er es nicht gar ganz überschwemmt. Und welch ein süß begehrens- und lesenswert Buch würde dies werden können, wenn wir es nur für die jungen Kinder in dieser Welt zu schreiben hätten! Da ist kein Sack, welchen der gute Knecht Rupert, der Pelzmärtel und Weihnachtsmann mit sich schleppen kann, so groß und umfangreich, daß er ihn nicht unter dem Dache, unter welches wir jetzt die alten Kinder dieser Erde zu führen gedenken, bis zum Rande vollstopfen konnte, mit allen Wundern in Zucker für die Feier jener Nacht, in der einmal der Ruf erklang: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!

Pelzmann und Kompanie klingt heimlich und warm genug, die Firma steht aber nicht so angeschrieben in goldenen Lettern über dem Eingangstor des Geschäftes, denn sie hat’s wirklich nicht nötig. Wenn sich je eine Fabrik eine gute Stätte auf den Zungen der Unmündigen, im Munde der Mündigen zubereitet hatte, so war es diese. Tausende und aber Tausende von leckenden, schmatzenden, zuckerschaum- und schokoladebekrusteten Kindermäulchen verkünden und verbreiten seit mehreren Menschenaltern ihr Lob und ihren Preis; doch, wie gesagt, nicht allein die Kleinen, sondern auch die Großen halten viel von Pelzmann und Kompanie, sowohl an der Börse wie an den Frühstückstischen. Fassen wir uns kurz, so bedeuten die Worte Pelzmann und Kompanie eine der größesten und wohlberüchtigtsten Schokoladen- und Konfitürenfabriken Deutschlands.

Was nun die Kompanie anbetrifft, die auch heute noch an den Namen der Inhaber hängt, so hat sie freilich nicht das geringste mehr zu bedeuten. Ein sicherer Herr J. J. Doppelmeier gab vor langen Jahren zum Beginn des Geschäftes weniger seine Tätigkeit und sein kaufmännisches Wissen als ein nicht unbeträchtliches Kapital her. Doch beide, sowohl der stille Kompagnon wie das lautklingende Kapital, sind längst in den Büchern gestrichen, und gegenwärtig –

Doch das wird sich ja nun finden, oder besser, die Leser werden allgemach selber herausfinden, wer gegenwärtig Pelzmann und Kompanie sind!

Von sehr süßen Sachen könnte die Rede sein, und an einem lieblichen Trost durch das Ganze hin und an ein paar beruhigenden Worten, und zwar aus einem Kindermunde zum Schluß soll’s auch nicht fehlen; aber vor einem sauersüßen Anfang stehen wir und können nichts dafür – wie immer.

Am dreizehnten Februar feiern heuer die Oldenburger und die Meininger ihren Bußtag, am siebenundzwanzigsten desselbigen Monats die aus dem Königreiche Sachsen. Am sechsundzwanzigsten März begehen ihn Sachsen-Altenburg, Gotha und Hannover, am einundzwanzigsten April die Preußen und die Hamburger, am zweiundzwanzigsten September die Bremer oder Bremenser und am zwanzigsten Oktober die Hannoveraner zum zweitenmal. Am sechzehnten November sitzen die Braunschweiger im Sack und in der Aschen, am neunzehnten desselbigen Mondes setzen sich die Sachsen ebenfalls zum zweiten Male hinein und sicherlich nicht, ohne ihre Gründe zu haben. Am dritten Dezember schlagen sich die Thüringer im allgemeinen an ihre Brüste und, weil sie sich selber doch am besten kennen, an desselbigen Monden Fünfzehntem, weiß Gott, die Hannoveraner zum dritten Mal; aber – am Tage Fabians und Sebastians, ganz vernünftigerweise an dem Tage, an welchem der Saft wieder in die Bäume schießen soll und welchen sehr seltsamerweise kein deutscher Volksstamm oder angestammter Bruchteil des deutschen Volkes sich zum In-sich-Gehen ausgesucht hatte, ging die Buße Herrn Sebastian Pelzmann an. Am zwanzigsten Januar 187* ging Herr Sebastian wenn nicht schon in sich, so doch seinem wirklichen Soll und Haben im Leben mit außergewöhnlichem Unbehagen näher und fragte einen Doktor der Medizin dabei um Rat, welches letztere der Menschheit an ihren Buß- und Beichttagen nicht selten wohl anzuraten wäre.

Der Schnee lag hoch, und es hatte bis in die Dämmerung hinein geschneit. Dann war es klar geworden, und nunmehr glitzerten die Sterne herrlich, aber gleichgültig bei acht bis neun Grad Kälte auf die weißen Dächer der Stadt hernieder. Auf wie manche Bußnächte der armen kurzlebigen Menschen haben diese ewigen Sterne auch schon herabgesehen im Sommer wie im Winter, bis es zwölf schlug, ein neuer Tag kam und alles beim alten fand, allen Reuetränen, Seufzern und guten Vorsätzen zum Trotze! Wie oft haben sie schon am zwanzigsten Januar, am Tage Fabians und Sebastians, den Saft von neuem in die Bäume steigen sehen auf einem ihresgleichen, nämlich auf diesem, gleich ihnen selber durch die ewige Finsternis schimmernden Sterne – Erde genannt! Das ›Tout comme chez nous‹ wird da eben nicht minder am Platze sein wie – anderswo!

Wir befinden uns in dem Speisezimmer eines wohlhabenden Mannes, und daß bei diesem wohlhabenden Manne soeben zu Nacht gespeist worden war, ließ sich auch nicht verkennen. Es ist nicht immer der Beichtstuhl, wo dem Menschen das Bedürfnis kommt, einmal wirklich wahr über sich zu werden und sich zu geben, wie er ist. Gut Essen und Trinken tut oft nicht weniger dazu, und die Beichtväter und barmherzigen Brüder tragen nicht immer den Chorrock, die härene Kutte und den Strick um den Leib, sondern ziehen gottlob nicht selten die Serviette unterm Kinn weg und legen sie sanft auf den Stuhl nebenan mit einem:

»Nur weiter. Immer die alte Geschichte! Wohl, ich höre, ich merk’, ich verstehe!«

Es gab nun wohl keine zwei größeren Gegensätze als die, welche sich in den beiden Männern ausprägten, die hier eben ihr Abendessen eingenommen hatten miteinander und die wir hiermit die Ehre haben unseren Lesern vorzustellen –

Herr Medizinalrat und Hofmedikus Baumsteiger, Leibarzt Ihrer Hoheit der Prinzeß Gabriele Angelika – Herr Sebastian Pelzmann, jüngerer Chef der berühmten Firma Pelzmann und Kompanie! Ersterer als Wirt, letzterer als Gast. Beide über die Fünfzig hinaus; eine Zahl, über die sich der erstere jedoch weggekugelt zu haben schien, während der andere sich unbedingt durch sie gezwängt hatte, um dünn genug auf der Schattenseite dieser bedenklichen Lebenszeitscheide zum Vorschein zu kommen und zum Exempel in diesem Moment unruhigen Schrittes im Zimmer auf und ab zu laufen, während der Tischgenosse sich nur etwas behaglicher in seinem Sessel zurückgelehnt hatte, zur Seite auf dem Tische in einem Zigarrenkistchen mit dem feinen Gefühl des Weisen tastete und hier, wie meistens überall, in Beziehung auf sein Wohlsein das Richtige traf.

»Willst du dich wirklich nicht wieder setzen, lieber Pelzmann? Ich versichere dich, du besserst weder in dir noch um dich das geringste durch dieses spasmodische und wirklich bis jetzt noch ziemlich überflüssige Gezappel. Als einen Spasmophilos habe ich dich freilich von jeher im Behaglichen wie im Unbehaglichen gekannt. Also – nur weiter, und rede dich aus. Nicht tot zu kriegen!«

»Ich bitte dich, laß mich!« rief der andere. »Ich spreche wahrhaftig von diesen Dingen immer noch ruhiger an eine Windfahne gebunden wie auf den weichsten Kissen, die du mir unterschieben könntest. Ich bin ein nervöser Narr und bin es immer gewesen. Was ist das nun, wenn einem Temperament wie dem meinigen von euch Vernünftlern geraten wird, die Zeiten walten zu lassen, um Ruhe zu bekommen? Eine erkleckliche Zahl von Jahren habe ich doch nun wohl allgemach um mich aufgebaut, aber welch inneres Behagen und Genießen schützt das? Lächerlich! – Es war eben dein altes Vergnügen, einen neuen Namen für mich zu erfinden und deine ewige Redensart dranzuhängen. So – kriege mich tot in dieser Hinsicht, und ich werde dir danken wie nie für ein ander Rezept. Eine Mauer! Wahrhaftig, eine schöne, feste Mauer baut die Zeit um mich auf. Ein Mückenflügel wirft sie um! der jämmerlichste Tagesverdruß im Geschäft sie über den Haufen! – Da rede ich zu dir wie zu einem Beichtiger, weil du mir wie gewöhnlich einen guten Wein vorgesetzt hast und weil – weil – wir aneinander gewöhnt sind und du mich kennst; – weil – du weißt, wer ich bin und wie ich mein Leben geführt habe – führen mußte, und was alles um euere abgeschmackte Mauer von behaglichem An-sich-kommen-Lassen herumliegt. Alter Freund, deine Weinkarte war wirklich tadellos, und ich beichte dir: Ich hatte auf deine Mauer gerechnet und mich für allen späteren Komfort darauf verlassen, und nun – da ist der Mückenflügel mit seinem Wehen! Um des Himmels willen, Baumsteiger, was soll ich mit dem Mädchen anfangen? wie wird dies Kind mir meine Existenz auf den Kopf stellen? Eine Welt von Verwirrung dringt da über euere abgeschmackte Mauer auf mich ein, und als ob ich der Narren nicht schon genug im Hause hätte, drängt jetzt auch das auf mich los. Ich habe mich wenigstens immer gegeben, wie ich bin; und so sage ich es ganz offen, Baumsteiger, ich wollte, diese Kreatur wäre geblieben, wo der Pfeffer wächst.«

»Der Kakao, willst du sagen«, warf der Hofmedikus ein.

»Und meinem verehrten Herrn Bruder habe ich selbstverständlich auch für dies Vergnügen, zum größten Teil wenigstens, zu danken. Oh, hätte ich nur eine Ahnung davon gehabt, in welcher Art die Korrespondenz da die letzten Jahre hinüber und herüber hinter meinem Rücken geführt worden ist!«

»Hm«, brummte Baumsteiger, »das muß man euch lassen: ein hartköpfiges und damit zuweilen auch mitten im Weichen, ja Breiigen und Fließenden sonderbar steif hinstehendes Geschlecht seid ihr, ihr Pelzmänner. Ja, ja, der brave Melancholikus und Attrappenonkel hat doch auch seinen Willen und weiß ihn immer noch von seinem Hinterhaus aus durchzusetzen. Der muntere, vergnügte Luftflieger, der Lorenz, hatte sich deiner brüderlichen Zuneigung nie in sehr hohem Grade zu erfreuen; aber diese energische Art und Weise, wie du deine Abneigung nunmehr auf sein Kind überträgst, hat in der Tat etwas Imponierendes. Andere, weniger steifnackige Burschen würden es wenigstens erst abwarten, wie die Kleine ausfällt; ich zum Exempel, der ich doch auch ein Ziemliches auf komfortable Lebensgewohnheiten halte und mir nicht gern meine Kreise in dieser Beziehung verstören lasse.«

»Ja du!« rief der Fabrikant und warf sich jetzt endlich wieder auf den Sessel hin, von dem er vorhin aufgesprungen war, um seiner verdrießlichen Stimmung freiern Spielraum nach außen zu verschaffen. »Wer hat dich denn je in deinem Leben so gestört und aufgehalten, wie ich es alle Zeit, so lange ich denken kann, durch meine Verwandtschaft – lebende und tote – wurde? Es ist doch wahrhaftig kein Vergnügen, in einer Familie von lauter Phantasten den einzigen klaren, vernünftigen Kopf auf den Schultern zu tragen und bei jedem Schritte vorwärts erst eine burleske Hanswurstiade oder sentimentale Simpelei aus dem Wege räumen zu müssen! Wer hat dessenungeachtet das Haus Pelzmann und Kompanie wieder hingestellt, wie es heute steht und hoffentlich, während ich lebe, stehen bleiben wird? Ich, ich allein! – Und wer hat stets sein möglichstes getan, es zu ruinieren? Meine Herren Brüder, der Fabian wie der Lorenz; und ein jeder von ihnen auf seine besondere Weise, als ob es nicht schon an einer genug und übergenug wäre!«

»Richtig! Sie verließen sich eben auch darauf, daß das Haus Pelzmann nicht tot zu kriegen sei, und so nahmen sie es eben auch für das, als was es so vielen anderen Kindern und sonstigen naschhaften Sachverständigen gilt. Nämlich für die größeste und wundervollste Weihnachtspuppen- und -kuchenbude der Welt. Sie hatten Vergnügen an eueren Süßigkeiten als solchen und waren ziemlich schlechte Rechenmeister, Buchführer und Bilanzzieher, der arme selige Lorenz sowohl wie mein ganz spezieller Freund, unser Attrappenonkel, der am liebsten selber an jedem Tage im Jahre als Weihnachtsmann mit dem Sacke umginge und eure angenehmen Fabrikate gratis an das Geschlecht Adams und Evas austeilte. Schade, daß der Mann nicht Buchhändler geworden ist! Der würde die schöne deutsche Literatur endlich auf den Strumpf gebracht haben.«

»Und sich in die Konkursliste und an den Bettelstab. Ich bitte dich, Baumsteiger, ärgere du mich nicht auch jetzt noch mit dem Narren, dem Fabian! Dies Übel bin ich gewohnt, wie der Mensch ja auch ein hölzern Bein allgemach gewohnt wird, und es ist mir wenigstens gelungen, diese Imbezillität so unschädlich als möglich zu machen. Bleiben wir bei dem Lorenz oder vielmehr seiner Hinterlassenschaft. Bei allem, was sich –«

»Unter Debet und Kredit eintragen läßt, was soll ich mit dieser Hinterlassenschaft anfangen? Nicht wahr, so heißt die Klemme, in der wir festzusitzen glauben?« fragte Hofmedikus Baumsteiger mit einem höchst eigentümlichen und jedenfalls sehr klugen und vielsagenden Blick auf seinen Gast. »Hm, der Attrappenonkel – «

»Eine Deutsch-Holländerin!« rief Herr Sebastian Pelzmann, auf nichts achtend ringsumher, nur mit sich selber und mit dem Anfang seiner Buße an diesem Abend des Tages Fabian und Sebastian, wo – der Saft wieder in die Bäume geht, beschäftigt.

»Gar nicht tot zu kriegen!« sagte Baumsteiger. »Fünfzehn wundervolle tropische, exotische Mädchenfrühlinge alt, alter Kenner!«

»Jawohl! Auf der Insel Sumatra geboren und wahrscheinlich annähernd so alt, wie du angibst. Jawohl, nette tropische Zustände wird die exotische Pflanze im Hause zur Blüte bringen!«

»Solltest du wirklich nicht dem Onkel Fabian, der sie sich, wie du sagst, heimtückischerweise von seinem Hinterhause aus hinter deinem Rücken verschrieben hat, einfach die Verantwortlichkeit für alles überlassen können?«

Der Onkel Sebastian wehrte mit beiden Händen die Möglichkeit hiervon in einer so energischen Weise ab, daß er fast das Gleichgewicht auf seinem Stuhle verlor.

»Was würde aus dem Hause Pelzmann und Kompanie werden, wenn ich dem nur für acht Tage die Verantwortlichkeit für etwas anderes als die Modellkammer allein überließe? Aus einem Narrenhause ein Tollhaus! O liebster Freund, wer verteilt diese Nerven in dieser nichtsnutzigen Welt? Du bist mein Schulgenosse, mein Hausarzt, und ich rede gegenwärtig zu dir wie zu einem Beichtvater, und es scheint dir in deiner philosophischen Gelassenheit nur ein Nachtischbehagen mehr zu sein, mir gleichfalls noch auf die Nerven zu fallen. So seid ihr aber allesamt, ihr gemütlichen Herren, die ihr es in eurem stoischen Behagen nie zugeben könnt, daß ihr euch wohl in eurer Haut fühlt auf diesem widerwärtigen, langweiligen, abstehenden Erdenball.«

Ein Diener trat in diesem Augenblick herein und brachte ein Billett des Inhalts:

»Bester Medizinalrat, wir bitten dringendst!!!

Ihre
Fredegunde Gräfin zum Stuhle,
geb. Freiin von Raschlauffen.«

Von philosophischer Gelassenheit war nach Einsichtnahme der zierlichen Schrift an dem Medizinalrat, Hofmedikus und Leibarzt Ihrer Hoheit der Prinzeß Gabriele Angelika, Dr. med. Baumsteiger, nicht das mindeste mehr zu bemerken. Er wartete es kaum ab, daß sich die Tür wieder hinter seinem Diener geschlossen hatte, um in höchst unstoischer Weise loszubrechen.

»Da!« ächzte er, den erlauchten Hülferuf dem Gastfreunde mehr hinschleudernd als zureichend. »Der Satan hole die alten Weiber! Na, nicht wahr, wir saßen hier ja wohl ganz behaglich? – Wohl in meiner Haut? Du lieber Himmel! – Jawohl, kriege du das mal tot! Den Magen verdirbt das sich und zwar ganz speziell an euren nichtsnutzigen Geschäftskünsten und Präparaten alle Augenblicke. Leibarzt bin ich da zu aller sonstigen Plage und frage dich, mon cher, ob es da noch viel zärtlicher Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen bedarf, um mich tagtäglich dahin zu kriegen, mich und mein Dasein auf deinem ›abstehenden‹ Erdball zu allen Teufeln zu wünschen.«

Er zog die Glocke:

»Anspannen, Georg! – Dich, Pelzmann, werde ich vor deiner Haustür absetzen. Schade darum! Du gerietest mir in der Tat allgemach in eine psychologisch und physiologisch ungemein interessante Stimmung. Ich hätte gern noch ein paar ruhige Minuten länger deinen Reueanwandlungen gegenüber sowohl als dein Mitmensch wie dein Hausarzt den innigen Anteil nehmenden Beichtiger agiert.«

»Reueanwandlungen?« murrte Herr Sebastian. »Dummes Zeug! – Körperlich verstimmt fühle ich mich, und somit seit einiger Zeit in der Laune, in verlorenen Momenten für allerlei Lebenserfahrnisse auch einmal nach eurer philosophischen Methode nach dem Wie, dem Warum und dem Wozu zu fragen. Diese Störung eben kommt mir übrigens ganz recht, den Platz in deinem Wagen nehme ich an, und – wenn es dir gefällig ist, reden wir unterwegs von anderen Dingen.«

Hofmedikus Baumsteiger warf noch einmal einen verstohlenen Blick auf seinen Gast, und dieser Blick tut uns wiederum zur Evidenz dar, daß der Mann kein geringer Seelenkundiger, kein unfeines Menschenkind und – seit langer Zeit nicht nur der Hausarzt, sondern auch der Hausfreund bei Pelzmann und Kompanie und letzteres nicht nur im Vorderhause, sondern auch im Hinterhause war.

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