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Fabeln und Parabeln

Abraham a Sancta Clara: Fabeln und Parabeln - Kapitel 54
Quellenangabe
typefable
titleFabeln und Parabeln
authorAbraham a Sancta Clara
year1954
publisherAlbert Langen / Georg Müller Verlag
addressMünchen
sendergerd.bouillon
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Löwe und Wolf, Esel, Fuchs

Der Löw hatte seine gewöhnliche Retirada und Behausung in einer tiefen Höhle, allwo er sich auf eine Zeit etwas unpäßlich gestellt. Er hat den andern Tieren dies lassen andeuten; und der erste, so ihm die Visita gegeben, war der Wolf. Solchen fragt der Löw, wie's doch schmeck (rieche) in dieser seiner Höhlen. Der Wolf gab zur Antwort: »Ihro Majestät, es schmeckt hierin von lauter Ambra und Bisam.« – »Was?« sagt der Löw; »sollst du mir so unverschämt ins Gesicht lügen, um so gewissenlos zu schmeicheln?« – riß ihn derowegen alsobald nieder. Nach solchem kommt der Esel und der Fuchs zugleich; der Fuchs aber gab dem Langohr den Vorzug, meldend, es gebühr ihm billich die Praecedenz und Vorrang, weil er einstmal die Statua oder Bildnus der Göttin Diana getragen. Wie nun dieser Arkadische Gesell in die Höhle hineingetreten und die meiste Reverenz und Verbeugung mit den Ohren gemacht, hat der Fuchs unterdessen von außen fleißig zugelost (gehorcht). Als der Esel auch befragt worden, wie's in seiner löwischen Wohnung schmecke, antwortet er: »Fürwahr, Ihro Majestät, ich, Esel, muß bekennen: es stinkt wie tausend Teufel darin.« – »Ei, du kecker Lümmel«, sagt der Löw, »sollst du dich unterstehn, deines Königs Wohnung also grob zu beschimpfen!« – zieht ihm dessentwegen alsbald die Haut übern Kopf herunter. – Darnach schleicht der Fuchs auch hinein, und nach abgelegten Komplimenten wird er ebenfalls befragt, wie's in dieser seiner Höhl schmeck. »Ihro Majestät«, sagt der Fuchs, »Sie wollen's mir gnädigst verzeihen: ich hab schon 3 Tag einen so großen Katarrh, daß ich nichts riechen kann.« – »Ei, du verschlagner Gesell, wer hat dich so gescheit gemacht?« – »Der Doktor mit der roten Kappen!« sagt der Fuchs und deutet auf den Esel mit dem geschundnen Kopf.

Es wär zu wünschen, daß die Menschen auch ebenso eine Witzigung täten nehmen von andrer Leute Schaden.

 


 

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