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Fabeln und Parabeln

Abraham a Sancta Clara: Fabeln und Parabeln - Kapitel 44
Quellenangabe
typefable
titleFabeln und Parabeln
authorAbraham a Sancta Clara
year1954
publisherAlbert Langen / Georg Müller Verlag
addressMünchen
sendergerd.bouillon
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Faulpelz und Zauberschachtel

Einer hat sich einmal wehemütig beklagt, wie daß sein Hauswesen so ganz und gar den Krebsgang nehme: er spür von Tag zu Tag die Schwindsucht in den Mitteln; die Äcker und Felder seien ihm nit so willfährig wie andern Leuten; ja, er vermerke, daß bereits die Frau Armut, auf die der hl. Franziskus so viel gehalten, bei seiner Haustür anklopfe. Sucht demnach bei einer alten Frau, die er für eine Gabalierin gehalten, einen guten Rat, daß er möchte zu Mitteln kommen. Diese war eine ehrliche und gewissenhafte Matron, die da wohl erkannt die Ursachen, derenthalben zu Tag und Tag dieser in der Wirtschaft abnehme, gibt ihm also ein kleines hölzernes Schachtele oder Büchsle, das gar genau allerseits verpetschiert war, und befiehlt ihm, er soll dies alle Tag wenigst einmal in die Küchel, in Keller, in Stall, auf den Treidkasten, in summa: in allen ihm zugehörigen Örtern herumtragen. Sie verspricht, ja, schwört ihm, daß er in einem halben Jahr werde merklich sein Aufkommen verspüren.

Dieser folgt und tragt obbenenntes Schachterl an alle besagte Ort. Wie er in die Küchel kommt, so ertappt er die Köchin, daß sie dem Knecht ein gutes Frühstuck angerichtet. »So seh ich wohl!« sagt er; »heißt das gehaust und gespart? Erwisch ich euch noch einmal, so jag ich euch beide zum Teufel.« Er tragt das Schachterl in den Keller; da trifft er seinen Sohn an, der mit einem großen Krug Wein ihm entgegenkam, worüber der Bub so erschrocken, daß er gar nit reden konnt, sondern mit der Hand aufs Maul deutete, als wollt er sagen: »Vatter, zum Trinken!« Wie er nun mit dem Schachterl in Stall gekommen, so findet er, daß aus Unachtsamkeit der Dienstmagd eine Kuh das Kalb zertreten. Nachdem er nun alle Tag das verpetschierte Schachterl an alle Ort getragen, sind die Dienstboten so emsig und getreu in ihren Verrichtungen geworden, daß in einem halben Jahr augenscheinlich die Hauswirtschaft zugenommen. Der Gesell vermerkt, daß er ziemlich wieder aufkomme, und erkennt sich sehr verbunden dieser Frauen, wird aber beinebens durch den Vorwitz angetrieben, zu sehen, was doch in dem verpetschierten Schachterl müsse verborgen sein, kraft dessen seine Wirtschaft wieder ins Aufnehmen komme, eröffnet dahero gedachtes Büchserl, findet aber nichts darin als ein geringes Zettele, worauf diese wenigen Wort geschrieben stunden:

»Willst du dir ein Nutzen machen,
So schau gar fleißig auf deine Sachen!«

Aus diesem hat der faule Phantast wohl vermerkt, daß nit dies Schachterl eine Ursach sei seines Aufnehmens, sondern der Fleiß und Wachsamkeit, die er dies halbe Jahr gehabt; auch habe vorhero seine Wirtschaft den Krebsgang genommen, weilen er stets dem Müßiggang ergeben und als ein nachlässiger Schleicher auf das Seinige kein Acht und kein Wacht genommen.

 


 

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