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Fabeln und Parabeln

Abraham a Sancta Clara: Fabeln und Parabeln - Kapitel 43
Quellenangabe
typefable
titleFabeln und Parabeln
authorAbraham a Sancta Clara
year1954
publisherAlbert Langen / Georg Müller Verlag
addressMünchen
sendergerd.bouillon
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Häslein und Igel

Ein armes Hasel hat sich bei rauher Winterszeit einmal ins Loch eines hohlen Felsens retiriert, damit es gleichwohl unter diesem steinernen Dach eine linde Ruh möcht genießen. Es stund aber nit lang an, da kam der Igel, dem ebenfalls das grobe Wetter große Ungelegenheit gemacht, und bat das Hasel gar schön und höflich um eine Herberg. »Mein Haserl«, sprach er, »es ist männiglich bekannt, daß du nit allein große Ohren, sondern auch große Lieb gegen den Nächsten trägst. Weil mich denn das harte und fast unerträgliche Wetter überfallen, so vergönn mir doch ein kleins Winkerl in deiner Wohnung; solche Gnad werd ich zeit meines Lebens nit in Vergessenheit stellen. Ja, künftigen Herbst, will's Gott, werd ich mich mit einer Bütten Äpfel dankbar einstellen und die empfangne Guttat in etwas erwidern.« Das Häsl schaut sich hin und her und vermerkt wohl, daß der Platz ziemlich eng; gleichwohl, auf so freundliches Ersuchen und Anhalten, hat's verwilligt. Der Igel macht sich alsobald und ohne Verweilung ins Hasenzimmerl; es steht aber nit lang an, da fängt er nach und nach an, seine Spitz und Stacheln von sich zu breiten. Das einfältige Haserl glaubte ernstlich, es stächen ihn die Flöh; wie der Igel aber mit völliger Gewalt alle seine Waffen ausstreckt, da hat weder Bitten noch Ermahnungen etwas geholfen, sondern es mußte das arme Häsle die völlige Herberg dem leichtfertigen Schelm überlassen, der doch zuvor nur um ein kleins Winkerl angehalten.

Wenn du willst, aber ich rat's nit, dem Teufel durch die Gedanken das kleinste Platzerl in deinem Herzen erlauben, so wirst du erfahren, daß er mit völliger Gewalt dareinplatzen tue. Wenn du willst, aber ich hoff's nit, dem Satan das geringste Winkerl vergönnen durch bloße Gedanken, so versichre ich dich, daß der Will gar kein Winkelmaß werde halten. Wenn du willst, aber ich glaub's nit, den bösen Gedanken nur eine kurze Zeit zulassen, so sei versichert, daß du an deinem Seelenheil verkürzt werdest. Erlaubst du ihm ein Bisserl, so wirst du schon von diesem höllischen Cerbero oder Höllhund einen Biß empfinden, der dir eine tödliche Wund versetzt.

 


 

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