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Fabeln und Parabeln

Abraham a Sancta Clara: Fabeln und Parabeln - Kapitel 40
Quellenangabe
typefable
titleFabeln und Parabeln
authorAbraham a Sancta Clara
year1954
publisherAlbert Langen / Georg Müller Verlag
addressMünchen
sendergerd.bouillon
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Student und Feuer im Kamin

Ein junger Studiosus, so nur wohlerfahren in Celarent und Frisisimorum (Logik-Syllogismen), hat seinen Eltern sehr viel, umsonst, verzehrt, auch den Juvenal, diesen Satirendichter, lieber gelesen als den Philosophen Seneca und zugleich mit Prassen die Zeit anworden und verschwendet. Er wurde destwegen ermahnt, er solle nit immerfort sich mit Kapaunen und Rebhühnderln traktieren lassen, sondern mit geringern Speisen fürliebnehmen. »Mir«, sagte er dagegen, »hat mein Vatter befohlen, ich soll wohlfeile Speisen essen; und darum laß ich mir solche Vögel vorsetzen: diese sind nit so teuer wie ein Ochs.« Als dieser einstmals beim Kamin gesessen und immerfort Holz zum Feuer gelegt, da hat er endlich dasselbe sehr scharpf ausgefilzt: »Du Spottelement, du wilder Immerfraß, du angebrennter Lümmel, bist so grob und undankbar und verzehrst das Holz, so dich doch ernährt!« – »Ey, du Bacchant und Süffel!« sagt das Feuer; »du mußt wissen, daß dies meine Natur; entgegen ist's bei dir die Boßheit, daß du deinen lieben Eltern, so dich bishero ernährt haben, mit deinem Luderleben gleichsam das Leben abzehrst und sie beizeiten ins Grab bringst.«

Sehr viel Menschen sind also beschaffen, daß sie einen Splitter in des Nächsten Augen wahrnehmen, entgegen in ihren eignen Augen gar einen Balken nit merken.

 


 

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