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Fabeln und Parabeln

Abraham a Sancta Clara: Fabeln und Parabeln - Kapitel 33
Quellenangabe
typefable
titleFabeln und Parabeln
authorAbraham a Sancta Clara
year1954
publisherAlbert Langen / Georg Müller Verlag
addressMünchen
sendergerd.bouillon
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Der Feinschmecker und die Holzbirnen

Ein gewisser Bacchus- und Bauchus-Bruder strebte dergestalt nach guten Bisserln, daß er seine Wampen mehr verehrt als die Philistäer den Abgott Dagon. Wie nun dieser Gesell einst aufs Land hinaus zu einem Freund eingeladen worden, da hat er den Abend zuvor sich des Nachtessens enthalten, der Hoffnung, daß ihm den Tag nachher das Essen besser werde schmecken, weil er vorausgesehen, daß sein Freund kein Esel werde sein und ihm Ochsenfüß aufsetzen, sondern weit beßre Speisen; denn Rebhühnderl waren ihm Lebhühnderl. Als er nun unterwegs in einen Wald geraten, wo er von ungefähr sehr viele vom Wind abgeschlagne Holzbirnen unterm Baum gefunden, da hat er selbige mutwilligerweis und aus sondrer Verachtung gar mit eignem Urin besudelt. Bald aber darauf entstand ein großer Platzregen, von welchem der Bach, worüber er hätt sollen passieren, sich dergestalt ergossen, daß er wirklich ohne Todesgefahr darüber nit konnte kommen, mußt also nothalber den Weg zurück nehmen. Weil er aber von der Nacht überfallen worden, also hat er seine Nachtherberg genommen unterm Baum, dessen Frucht er zuvor mit einem schlechten Himmeltau benetzt hat. Weil aber in selbiger Gegend weder Dorf noch Haus war und folglich auch keine Nahrungsmittel, anbei aber ihn der Hunger mächtig gedruckt, also hat er fleißig die Holzbirn, die er zuvor mit eignem Wasser bebeizt, von der Erden aufgeklaubt, und es hat ihm solches vorhin verachtete Konfekt über alle Maßen geschmeckt.

Aus diesem folgt, daß der Hunger zuweilen sehr gut sei und einem manchen ganz schlechte Speisen als die besten Schleckerbisserl vorkommen. – Wenn ein Hungriger ein Habermus, ein Steiermärker einen Sterz, ein Westphälinger einen Pumpernickel, ein Bayer einen Topf Nudeln vor seiner Hand hat, so schmeckt ihm dies weit besser als einem Edelmann eine Fasanpasteten, die ihm auf die Tafel getragen wird. – Kein Gewürz tut die Speisen so Wohlgeschmack zurichten wie der Hunger: dieser ist der allerbeste Koch. Wann einige vornehme Herrn müßten durch die Arbeit ihr Brot gewinnen, so würden sie gleich andern, gemeinen und gewöhnlichen Leuten mit größerm Appetit zur Tafel sitzen.

 


 

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