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Fabeln und Parabeln

Abraham a Sancta Clara: Fabeln und Parabeln - Kapitel 23
Quellenangabe
typefable
titleFabeln und Parabeln
authorAbraham a Sancta Clara
year1954
publisherAlbert Langen / Georg Müller Verlag
addressMünchen
sendergerd.bouillon
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Jupiter und das Hochzeitsgeschenk der Schlange

Äsopus erzählt eine Fabel: der Gott Jupiter hab eine sehr prächtige Hochzeit gehalten, und sobald solches allen Tieren kundbar worden, etwa durch ein Ladschreiben, so haben diese wollen ihre Schuldigkeit ablegen und ein jeder aus ihnen dem großen Jupiter ein Hochzeitspräsent demütigst und untertänig überbringen: das Lämbl hat ihm einen halben Zentner der schönsten Woll gegeben, der Elefant ist mit einem Stuck Helfenbein aufgezogen, woraus der Jupiter sich könnt einen Kämpl (Kamm) und andre Sachen machen; der Pfau hat ihm seinen schönen Schweif offeriert für einen Fliegenwedel; die Kuh hat etlich Viertel Milch gebracht; die Henn hat ein Körbl frische Eier dargereicht; der weiße Schwan hat einen guten Büschen Federkiel auf den Tisch gelegt; der Fuchs hat seinen langen Epilog als Staubbesen dargegeben. Endlich die Schlang als ein sehr schlaues Tier begibt sich ganz hurtig in einen Garten, bricht daselbst eine frische purpurfarbne Rosen ab und schleicht durch alle Türen durch und durch, bis sie endlich zum Thron des Gottes Jupiter gelangt, dem sie mit allen schmeichlerischen Reverenzen und Verbeugungen die zeitige Ros offeriert. Sie war der gänzlichen Meinung, als werde sie eine große und sondre Ehr aufheben; aber der Ausgang zeigte das Widerspiel, maßen der große Jupiter den Kopf geschüttelt mit Vermelden, daß er von allen Tieren mit besonderm Wohlgefallen etwas annehme, aber von der Schlangen nit.

Laß Fabel Fabel sein: beim alleinseligmachenden Gott ist's eine Wahrheit, daß er gern, ja, mit höchstem Wohlgefallen das Gebet als ein kostbares Präsent und Geschenk von uns annehme und gar gern . . . das Gebet eines Gerechten; aber von der Schlang nimmt er nichts an: das Gebet eines Sünders macht ihm Grausen; denn es ist keine Musik, sondern ein Getös, es ist kein Weihrauch, sondern ein Gestank, es ist keine Blum, sondern ein Unkraut; es ist ein Kuß, aber von einem stinkenden Maul; es ist ein Zuckerkandl, aber vorher in Kot eingetunkt; es ist ein Legat und Gesandter, zu Gott geschickt, aber voller Krätz und Siechtum; es ist ein Edelgestein, aber in Pech und Blei eingefaßt.

 


 

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