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Fabeln und Parabeln

Abraham a Sancta Clara: Fabeln und Parabeln - Kapitel 14
Quellenangabe
typefable
titleFabeln und Parabeln
authorAbraham a Sancta Clara
year1954
publisherAlbert Langen / Georg Müller Verlag
addressMünchen
sendergerd.bouillon
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Des Schusters Mäuse, Hund und Katze

Lächerlich ist, was ein Poet dichtet und phantasiert von der Katz eines Schusters. Diese Katz war schneeweiß und dem Meister Paul absonderlich angenehm, weil diese pelzerne Mausfall die Maus und das schädliche Ungeziefer aus dem Weg geräumt. Die Mäus, als verstohlne Mauser, beklagten sich dessen nit wenig, daß sie einen so tirannischen Feind hätten, und hatten mehrmal dessentwegen eine Zusammenkunft, reiflich beratschlagend, wie doch größerm Übel vorzukommen sei; sonst wären sie gezwungen, das Losament zu quittieren und endlich ihre harte Nahrung auf dem freien Feld zu suchen. Die Sach wurde letzlich so beschlossen: man solle in eine Allianz eintreten mit des Meisters Paul seinem Haushund. Zu diesem End ist ein Schreiben und Missiv verfertigt worden, worinnen gedachter Coridon zu gutem Verständnis und Einvernehmen möcht beigezogen werden; alsdann werde dieser tapfere Hauswächter ihrem Feind wohl gewachsen sein. Unterdessen, als dieses Schreiben im Werk war, so ist der Katz ein Unheil widerfahren, indem sie unvermuteterweis in ein Schaff und Gefäß gefallen, das voll war mit Schusterschwärz, wordurch der Kater ganz kohlschwarz worden. Wie nun ein paar Mäus als Gesandte dem Haushund den Brief zu überbringen wirklich unterwegs waren und wahrgenommen, daß die weiße Katz wider alle Hoffnung schwarz dahergehe, haben sie eilends in der Sach ihren Prinzipalen berichtet, unter denen dann ein ungewöhnlicher Jubel und Freudenschall entstanden. Denn alle Mäus, alle, alle waren der unfehlbaren Meinung, es sei die Katz in ein Kloster gegangen und hab eine schwarze Kutten angelegt, wessenthalben sie ohne Zweifel jetzo nit mehr werde dürfen Fleisch essen, sei also hierdurch den armen Mäusen das freie Passieren wiederum vergönnt – wie sie denn haufenweis aus ihren Löchern herausgeschlichen. Sobald aber die Katz diese freche Bursch ersehen, hat sie deren etlich erlegt; die übrigen aber haben sich bekümmerlich mit der Flucht salviert und mit größtem Schaden erfahren, daß wahr sei und wahr bleibe das gemeine Sprichwort: »Die Katz läßt das Mausen nit.«

Es ist ihre Natur: die böse Gewohnheit ist nit allein eine eiserne Pfaid (Hemd, das sich nit zerreißen läßt), sondern auch eine andre Natur, die sich nit mehr läßt verbessern.

 


 

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