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Fabeln und Parabeln

Abraham a Sancta Clara: Fabeln und Parabeln - Kapitel 13
Quellenangabe
typefable
titleFabeln und Parabeln
authorAbraham a Sancta Clara
year1954
publisherAlbert Langen / Georg Müller Verlag
addressMünchen
sendergerd.bouillon
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Ein wunderlicher Hasenpfeffer

Thales von Milet, ein vortrefflicher Weltweiser, ging einst bei kühler Abendzeit spazieren, und im währenden Gehen beschnarchte er mit ginnendem, offnem Maul den Himmel, sagte auch bei sich selbst also: »Schau, da ist der mittlere Himmelszirkel, wodurch die Sonn stets mit feurigen Pferden durchpostiert. Dort ist das Zeichen der Waag; wer darunter geboren wird, der schickt sich zu einem Advokaten, so ein Liebhaber der Gerechtigkeit sein soll. Siehe, dort ist der Stern, Venus genannt; wer solches Gestirn in seiner Geburt hat, der schickt sich zur Keuschheit wie eine Sichel in ein Messergesteck. An demselben Ort ist der Planet Mercurius: wer dort auf die Welt kommt, aus dem kann man hauptsächlich einen Kaufmann schnitzlen; denn er wird dem Teufel ein Ohr abschwören: dies sei ein engelländisches Tüchl, wenn's schon zu Lyon in Frankreich zuhaus ist. Alldorten ist das Gestirn, so insgemein Ursa minor, der kleinere Bär, benamst wird; unter diesem Zeichen ist besser Nägel abschneiden als Ohren; denn diese nit mehr nachwachsen wie die Krebsscheren.« Indem er nun mit gen Himmel erhebten Augen stets in dieser Betrachtung fortgegangen, ist er von ungefähr gestolpert und in eine tiefe Kotlacke hineingefallen, daß die Brüh über ihm zusammengeschlagen. Das war ein seltsamer Has im Pfeffer! Nachdem er den Kopf aus dem wüsten Saubad in die Höh gehebt, hört er noch zu seinem Spott ein altes Weibl, dem die Nase behängt war mit einem wilden und häßlichen Kristall wie zur Winterszeit die Strohdächer mit Eiszapfen. Mit ihrem ohnbewaffneten Mundstuck hat sie ihn dergestalt ausgehöhnt, daß, wofern sie schon vorher keinen hohen Rucken hätte gehabt, sie sich leicht bucklet gelacht hätte. – »O Narr«, hat's da geheißen, »was willst du dich viel in die obern Ding vergaffen, siehst du doch nit mal, was vor dir.«

Du nasenwitziger Bruder Curios, du übermütige Schwester Vorwitza, du verdienst fast gleiches Prädikat und schlechten Preisnamen, wenn du so frech die obern, göttlichen Geheimnisse und Gottes unermeßliche Werke dich unterstehst durchzugrübeln. Ei, du spitzfindiger Erdschrollen, weißt du doch dasjenige nit, was vor dir ist, und mußt in vielen natürlichen Dingen dein eselsüchtiges Nescio und Ignoramus (= Das weiß ich nicht) hören lassen!

 


 

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