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Fabeln aus Europa außerhalb Deutschlands

: Fabeln aus Europa außerhalb Deutschlands - Kapitel 67
Quellenangabe
titleFabeln aus Europa außerhalb Deutschlands
authorVerschiedene Autoren
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Bär, Fuchs und Wolf und ihre Abenteuer auf der Imola-Feldmark

Aus Finnland

16. Abenteuer

Der Bauer war inzwischen beschäftigt im Walde Holz zu fahren, aber sein Pferd war störrisch und faul und wollte nicht recht vorwärtsgehen; in seinem Ärger spornte es der Bauer fortwährend an und schrie: »Hüh, du Bärenfraß!« – Das hörte unser Bär und ließ sich nicht lange bitten: Plötzlich stand er vor dem Bauer und sagte: »Bärenfraß nennst du dein Pferd? Schönen Dank, ich will es sogleich fressen!« –»Friß nicht das Pferd, ich bringe dir lieber eine Kuh!« bat der Bauer, denn er dachte: ein Pferd ist doch kostbarer als eine Kuh. – »Das ließe ich mir schon gefallen«, schmunzelte der Bär; »bringst du mir eine Kuh, so fresse ich dein Pferd nicht. Aber kann ich mich auf dein Wort verlassen?« –»Ganz gewiß bringe ich dir die Kuh!« versicherte der Bauer. »Warte nur noch einige Tage!« – Der Bär gab sich zufrieden, und der Mann fuhr fort sein Holz zu hauen. Als er den ganzen Schlitten damit vollgeladen hatte, machte er sich auf den Heimweg; aber unterwegs schaute er noch einmal nach den Fallen, die er wieder aufgestellt hatte. Hier fand er richtig den Fuchs, der sich gefangen hatte, und wollte ihn töten; aber Michel bat mit rührenden Worten um sein Leben: »Ach tu es nicht, Bruderherz, töte mich nicht! Ich will dir noch einmal Gutes dafür erweisen!« – »So laufe denn, wohin es dir gefällt«, antwortete der Bauer, welchen der Vorfall mit dem Bären mitleidig gestimmt hatte, und ließ den Fuchs laufen.

Zu Hause erzählte er seinem Hausgesinde die Geschichte und sagte: »Es war ein Fuchs in die Falle geraten, aber ich ließ den armen Schelm los, weil er es mir gut zu lohnen versprach.« Darüber fingen die Weiber herzlich an zu lachen und spotteten seiner: »Ach, du Dummkopf! Warum hast du den Fuchs laufen lassen? Was kann er dir nützen?«

Der Bauer war so eingeschüchtert durch das Gespöttt der Weiber, daß er nichts von seinem Versprechen dem Bären gegenüber sagen mochte. Aber am andem Tage mußte er doch in den sauern Apfel beißen und seiner Frau gestehen, daß er, um sein Pferd zu retten, eine Kuh hingeben müsse. – »Lieber opfern wir eine Kuh als ein Pferd!« sagte das vernünftige Weib; sie holten eine Kuh aus dem Stalle, banden sie an den Schlitten, und mit traurigem Herzen fuhr der Bauer in den Wald hinein. Plötzlich stand der Fuchs vor ihm, näherte sich geschmeidig und fragte: »Wohin führst du die Kuh?« – Der Bauer erzählte ihm betrübt, daß er sie dem Bären versprochen habe. – »Bist du denn närrisch, daß du dem Bären deine schöne Kuh zuführst!« eiferte der Fuchs. »Wart, ich will dein Pferd auf andre Weise retten. Binde mir fünf Spindeln um den Schwanz und fünf um den Hals, und wenn du mit deinem Pferde in die Nähe des Bären kommst, will ich die Spindeln aneinander schlagen und einen solchen Mordsspektakel machen, daß dich der Bär fragen wird: Was ist denn da los? – Darauf mußt du antworten: Es ist mein Sohn, der Jäger, welcher den Wald durchstreift und mit seinen Waffen klappert.«

Der Bauer dankte für den guten Rat, holte die Spindeln, mit denen er den Fuchs ausrüstete, und fuhr dann tiefer in den Wald hinein, doch diesmal ohne die Kuh mitzunehmen. Der Bär erwartete ihn bereits und fragte sogleich: »Hast du mir die versprochene Kuh gebracht?« – »Nein«, antwortete der Bauer, »mein Weib verbot es mir« – »So, du hast sie nicht gebracht!« schrie der Bär, und schaute den Bauer ingrimmig an; aber in demselben Augenblick ging nebenan ein Heidenlärm los. Der Bär stutzte und fragte besorgt: »Was geht denn dort im Walde vor? Weißt du es?« – »Ach, das ist nur mein Sohn, der Jäger, der ein wenig mit seinen Waffen klappert!« sagte der Mann. – »Hat er auch ein Schießgewehr?« fragte der Bär. – »Ja, ein vortreffliches!« versicherte der Bauer. – »Glaubst du, daß er mich töten würde?« fragte wiederum der Bär. – »Gewiß, wenn er dich zu Gesichte bekäme!« sagte der Bauer. Das Zwiegespräch der beiden wurde plötzlich durch den Fuchs unterbrochen; welcher aus dem Waldesdickicht hervorbrach und grimmig fragte: »Was ist denn das Schwarze dort unter der Tanne? Wahrhaftig, es ist ein Bär!« – »Nicht doch! Es ist nur ein Baumstumpf« sagte der Bauer; und der Bär lag unbeweglich auf dem Rücken und streckte die Tatzen in die Höhe, daß es den Anschein habe, als seien es Baumäste. Der Fuchs sprach weiter: »Dieser alte faule Stumpf liegt dir ja im Wege, wenn du heimfährst. Zerspalte ihn doch!« – Der Bauer nahm seine Axt und hieb ein wenig an den Tatzen des Bären herum. Das wurde dem Bären sehr unbehaglich und er flüsterte eindringlich: »Hau nur zu, aber bitte, etwas zarter; mir tun die Tatzen schon weh!« – »Das Holz läßt sich vielleicht recht gut zur Feuerung gebrauchen«, bemerkte der Fuchs, »tu es auf deinen Schlitten und nimm es mit nach Hause.« Der Bauer gehorchte und wälzte den Bären in den Schlitten hinein; da lag der dicke Geselle so still und starr wie ein Klotz. »Nimm dich in acht, daß es dir nicht aus dem Schlitten fällt«, warnte der Fuchs; »binde lieber einen tüchtigen Strick um das Holz.«

Wieder flüsterte der Bär dem Bauer im geheimen zu: »Binde mich; aber nicht zu fest, Brüderchen, hörst du?« – Der Bauer fragte ebenso leise, nachdem er den Strick festgeknüpft: »Versuch's mal, Gevatter, ist es so recht? Kommst du aus dem Schlitten heraus?«

Der Bär bewegte sich, schüttelte sich – aber er kam nicht von der Stelle. Da sagte der Fuchs abseits zum Bauer: »Wenn man das Holz nach Hause fährt, schlägt man doch stets die Axt in einen Klotz hinein!« Der Bauer verstand sogleich, worauf der Fuchs mit diesen Worten zielte, und hieb mit seinem Beil so kräftig auf den Kopf des Bären ein, daß dieser den Geist aufgab. Aber das Fleisch erhielt der Fuchs zum Lohn für seinen guten Rat.

 


 

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