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Fabeln aus Europa außerhalb Deutschlands

: Fabeln aus Europa außerhalb Deutschlands - Kapitel 52
Quellenangabe
titleFabeln aus Europa außerhalb Deutschlands
authorVerschiedene Autoren
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Bär, Fuchs und Wolf und ihre Abenteuer auf der Imola-Feldmark

Aus Finnland

1. Abenteuer

Es war einmal ein Mann, der lebte mit seiner Frau in einer Hütte. Die beiden hatten einen großen Kummer, denn alle Nacht besuchte ein Marder ihren Geflügelstall und schleppte ihnen die Hühner weg. Um den Störenfried zu fangen, legte der Mann ein Fangeisen an den Stall und Bretter vor die Tür und dachte, jetzt sei dem Unfug gesteuert. Aber als er nach einigen Tagen hinging, seine Falle zu besehen, da – geriet er selbst in das Eisen, fiel zwischen die Bretter und war tot! Etwas später kam der Marder an die Stelle; er fand den toten Menschen und dachte bei sich: »Das ist ein schöner Fang!« Er schaffte ihn mit großer Mühe auf seinen Schlitten, und fort ging es mit der seltenen Beute. Eine Zeitlang mochte er wohl gefahren sein, da begegnete ihm ein Eichhörnchen und sagte: »Gott zum Gruße, Gevatterlein! Was schleppst du denn so mühsam hinter dir?« Der Marder erklärte ihm die Sache und sagte: »Hast du je so Wunderbares gehört? Dieser elende Alte hatte ein Fangeisen an den Hühnerstall gestellt und Bretter davor getan, uns damit zu fangen, uns, die Waldesläufer, die Springer im Reiffrost, die Schleicher im Zwielicht, die Verderber im Finstern, die wir im tauigen Grase waten und des Wildes Farbe tragen; aber er ist selbst in das Eisen geraten und zwischen die Bretter gefallen, ist gestorben und verdorben! Da, beiß dir ein Stücklein ab und hilf mir ziehen!« Das Eichhörnchen ließ sich das nicht zweimal sagen, es biß ein Stückchen von dem Manne ab, und dann zogen sie mit vereinten Kräften den Toten weiter.

So ging es eine Weile vorwärts; da kam ein Hase des Weges daher und fragte: »Was schleppt ihr denn da, ihr Kreuzbrüder, was ist das für eine Beute?« Der Marder erzählte auch ihm seine Geschichte, bat ihn um seine Hilfe und sagte: »Beiß dir ein Stücklein ab und hilf mir ziehen.« Der Hase ging sehr gern mit, und so zogen die drei weiter, als ihnen ein Fuchs entgegenkam, welcher sich ebenfalls zu ihnen gesellte, nachdem er ein Stücklein von dem Manne abgebissen hatte. Bald darauf kam auch noch ein Wolf und ein Bär zu der Gesellschaft, und da jeder ein Stücklein abbeißen durfte, war auch der tote Mann bald rein aufgeputzt.

Nun zogen die sechs Tiere den leeren Schlitten weiter; aber den Wolf fing es an zu hungern, und er fragte die andern: »Was sollen wir denn jetzt essen, Brüder, da der Mann bis auf den Bart verzehrt ist!« – »Je nun, wir essen den Kleinsten unter uns auf«, meinte der Bär, und die Mehrzahl aus der reisenden Gesellschaft war es zufrieden. Das Eichhörnchen war wohl das Kleinste und der Marder auch, die sollten daran; aber das Eichhörnchen war zu flink, es sprang auf einen Baum, der Marder schlüpfte unter einen Stein, und die andem hatten das Nachsehen. – »Ja, aber was essen wir nun?« fragte wieder der Wolf, den der Hunger arg plagte. »Laßt uns doch das Glotzauge da fressen«, sagte der Bär; und sie machten sich daran dem Hasen das Genick zu brechen, weil er der Kleinste war; aber Häschen wartete nicht darauf: es lief so schnell es konnte in den Wald, daß man es nicht mehr sah noch hörte. – Nun war der Fuchs der kleinste in der Gesellschaft, und Wolf und Bär verkündigten ihm sein Urteil, daß sie ihn fressen müßten, da ihnen der Hase entwischt war. Michel widersprach mit keinem Worte, als er solches vernahm, er sagte nur freundlich: »Im Tale ist es langweilig zu speisen, das Mahl schmeckt immer besser auf einer Bergeshöhe!« Das leuchtete auch dem Wolfe und dem Bären ein, und sie stiegen den Berg hinan. Der Fuchs stellte sich überaus todesmutig; aber er fand doch Gelegenheit, auf dem Wege dem Wolfe zuzuflüstern: »Sag mal, Peter, was eßt ihr aber dann, wenn von mir nichts mehr übrig ist?«

Der Wolf stutzte und geriet in tiefes Nachdenken über diese Worte; er war ja kleiner als der Bär, und die Sache stand schlimm für ihn. Plötzlich sagte er zum Fuchs und Bär: »Liebe Brüder, ich denke, wir täten besser daran, wenn wir als gute Kameraden in Eintracht und Liebe miteinander lebten und jagten; was meint ihr dazu?«

Dem Fuchs kam dieser Ausspruch außerordentlich weise vor, und da die beiden dieselbe Meinung hatten, mußte sich der Bär wohl oder übel mit dem Vorschlag zufrieden geben, obgleich ein gutes Mttagsmahl mehr nach seinem Sinn gewesen wäre als die Freundschaft.

 


 

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