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Fabeln aus Deutschland

: Fabeln aus Deutschland - Kapitel 63
Quellenangabe
titleFabeln aus Deutschland
authorVerschiedene Autoren
modified20170815
typefable
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Es sind einmal zwei Mäusel zusammengekommen, ein Stadtmäusel nämlich und ein Feldmäusel. Wie sie nun gar freundlich einander gegrüßt, so redeten sie von unterschiedlichen Sachen, unter anderm auch von täglicher Unterhaltung.

"Meine Schwester", sagte das Stadtmäusel zu dem Feldmäusel, "wie erhältst dich denn?"

"Ich komm' halt just aus", antwortete das andere, "eß gemeiniglich Wurzeln, Treidkörnl' kleine Käferl, und gestern hat mein Bruder Hochzeit g'halten, da haben wir ein dürres Brot gehabt, das ich schon längst auf dem Weg gefunden, und da hat's ein Bettelmann hinweggelegt, denn die Bettelleut' nehmen jetzt nicht mehr gern Brot, sondern Geld – also haben wir reichlich gelebt."

"0 du dalkete Närrin", sagte das Stadtmäusel, "bist wohl hundertmal nicht recht gescheit, tust dich so armselig im Feld erhalten! Komm zu mir in die Stadt hinein, da hab' ich wohl bessere Bissen. Ich bin in einem Haus, da ist gar ein faules und nachlässiges Mensch, die verdeckt mir kein Schmalz, keinen Speck, kein Fleisch, da leb' ich wie eine Gräfin. Komm nur morgen zu mir, so wirst du es erfahren."

Eben denselben Tag kommt die Frau über das Speisgewölb' und sieht, daß schier alles von Mäusen angebissen, wischt mit einem Kochlöffel über das Mensch her und mißt ihr den Buckel wacker damit ab.

War aber die Frau zornig über das Mensch, so ist das Mensch noch zorniger gewesen und gedachte sich an den Mäusen zu rächen. Die Nacht ruckt herzu; das Feldmäusel kommt zu dem Stadtmäusel, sie gehen miteinander ins Speisgewölb' und wischen geschwind über eine geselchte Zung', fressen, zwicken und stumpfen daran. "Ist's gut, Schwester?" "Freilich, über die Maßen!"

Indessen hat das Mensch mit dem Kochlöffel aufgepaßt, und wie sie die Mäus' über der Zung' ertappt, hat sie mit aller Stärke daraufgeschlagen. "Hä, du Mausköpfin, ertapp' ich dich da!« – jagte sodann die beiden Mäus' in der Kammer herum; das fremde Feldmäusel wußte die Gelegenheit nicht recht, darum konnte es eine Weil' das Loch nicht finden, und das Mensch hat dieses g'näscherische Närrl so nahe getroffen, daß es ihm das Schweifel abgeschlagen

"Nein", sagte das Feldmäusel, "behüt' mich der und der, mein Lebtag komm' ich nicht mehr daher, denn ich will lieber mit wenig vorliebnehmen und sicher sein, als einen guten Tag haben und stets in der Gefahr leben. Nein, so teuer bezahl' ich die Lust und Freude nicht!"

 


 

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