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Fabeln aus Asien

: Fabeln aus Asien - Kapitel 4
Quellenangabe
titleFabeln aus Asien
authorVerschiedene Autoren
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Der Hutmacher und die Affen

Aus Indien

Ein Hutmacher hatte viele Wochen fleißig gearbeitet und Kappen aus roter Wolle hergestellt, die aussahen wie ein abgeschnittener Kegel. Oben auf dem flachen Deckel hatte er blaue oder schwarze oder goldene Troddeln befestigt, die lustig herunterbaumelten.

Der Hutmacher wählte sich selbst den schönsten Fes aus – so nennt man im Orient diese Kappen – und setzte ihn auf den Kopf, dann packte er die anderen in eine große Tasche und machte sich auf den Weg in die nächste Stadt. Dort wollte er seine Fes verkaufen.

Die Sonne schien heiß, und als der Händler schon ein gutes Stück gelaufen war, gönnte er sich eine kleine Pause. Er setzte sich unter einen hohen Bananenbaum und streckte seine Beine faul von sich. Ein leichter Wind wehte und machte die Mittagshitze erträglich. Bald fiel der Reisende in einen angenehmen Schlaf.

Oben im Baum hockten viele Affen. Diese glotzten den Hutmacher neugierig an. Da entdeckte einer der Affen die dicke Tasche, die nur halb verschlossen war und aus der einige Troddeln heraushingen.

Vorsichtig kletterte der Affe den Baum hinunter, öffnete umständlich die Tasche und zog behutsam eine rote Kappe hervor. Er untersuchte sie von allen Seiten, blickte dann zu dem Händler hinüber, als wollte er ihn fragen, wozu dieses Ding gut sei. Schließlich setzte er sich den Fes auf den Kopf, wie er es bei dem Schlafenden sah.

Die anderen Affen, die ihn beobachteten, mußten natürlich auch eine Kappe haben. In wenigen Augenblicken war die Tasche leer, jeder Affe hatte einen Fes auf dem Kopf und sprang vergnügt von Ast zu Ast.

Von dem Lärm wurde der Hutmacher wach. Er stand auf, um seine Reise fortzusetzen. Als er nach der Tasche griff, sah er mit Entsetzen, daß diese leer war. »Was soll das?« fragte er laut. »Wo zum Kuckuck sind meine Fes?« Er blickte in alle Richtungen. »Wer kann mir in dieser einsamen Gegend meine Hüte gestohlen haben?«

Jetzt erst nahm er das Geschrei über sich wahr. Er schaute hinauf und mußte mitansehen, wie eine Schar Affen mit seiner Hände Werk im Baum umhertollte. Die einen rissen den anderen ihre Beute vom Kopf, und alle jagten ausgelassen hintereinander her.

»Diebische Bande!« schrie der Händler und fuchtelte wild mit den Armen in der Luft. »Gebt mir sofort meine Fes zurück!«

Den Affen schien der tobende Mann Spaß zu machen. Sie kreischten und schnitten drollige Grimassen.

Das erheiterte den Mann gar nicht, sondern er wurde noch grimmiger.

»Boshaftes Pack! Wollt ihr euch über mich lustig machen? Laßt diese albernen Possen und werft mir meine Hüte herunter, oder ich ... ich ...« In seiner grenzenlosen Wut fiel ihm nichts ein, und er schleuderte seine Tasche in den Baum.

Ein Affe hielt das für ein Spiel, angelte mit seinen langen Armen nach der Tasche und warf sie mit gleicher Wucht zurück, dem verzweifelten Hutmacher an den Kopf.

Was der Händler auch versuchte, ob er schimpfte, drohte oder bettelte, er bekam nicht einen einzigen Fes zurück. Zuletzt war er am Ende seiner Kraft. Ohnmächtig vor Zorn griff er nach seinem Fes auf dem Kopf. »Wenn alle meine Hüte fort sind«, rief er, »so brauche ich den auch nicht mehr!« Und er schmiß hitzig seinen Fes auf die Erde.

Da faßten auch die Affen nach ihren Hüten und machten es dem Händler nach. Im Nu kollerten alle Fes auf den Boden. Flink sammelte der Händler sie ein, verstaute sie gut in der Tasche und verschloß diese fest.

 


 

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