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Fabeln aus Asien

: Fabeln aus Asien - Kapitel 29
Quellenangabe
titleFabeln aus Asien
authorVerschiedene Autoren
modified20170815
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Der zerbrochene Topf

Aus Indien

In einem gewissen Orte wohnte ein Brahmane namens Svabhavakripanal. Dieser hatte mit dem erbettelten Reisbrei, der ihm nach dem Essen übrigblieb, einen Topf angefüllt; diesen Topf hatte er an einen Nagel an der Wand gehängt, darunter seine Bettstelle gestellt und schaute ihn nun in der Nacht, ohne einen Blick davon zu verwenden, an und dachte dabei:

»Dieser Topf ist doch über und über voll von Reisbrei. Wenn nun eine Hungersnot entsteht, dann wird er hundert Silberstücke einbringen. Dafür werde ich alsdann ein paar Ziegen kaufen; da diese alle sechs Monat Zicklein werfen, so wird draus eine Herde Ziegen entstehn. Dann für die Ziegen Rinder! Sobald die Kühe gekalbt haben, verkaufe ich die Kälber. Dann für die Rinder Büffel! Für die Büffel Stuten! Sobald die Stuten geworfen haben, werde ich viele Pferde besitzen. Aus dem Verkauf von diesen löse ich viel Gold. Für das Gold bekomme ich ein Haus mit vier Gebäuden in einem Viereck. Dann kommt ein Brahmane in mein Haus und gibt mir ein sehr schönes Mädchen mit großer Mitgift zur Frau. Die wird einen Sohn gebären. Dem werd' ich den Namen Somasarman geben. Wenn dieser dann alt genug ist, um sich auf meinen Knien zu schaukeln, dann werde ich ein Buch nehmen, mich hinten in den Pferdestall setzen und studieren. Mittlerweile sieht mich Somasarman, und begierig, auf meinen Knien zu schaukeln, klettert er von seiner Mutter Schoß und kommt zu mir didit an die Hufe der Pferde. Dann werde ich, von Zorn erfüllt, der Brahmanin zurufen: »Nimm das Kind! Nimm das Kind!« Sie aber, mit Hausarbeit beschäftigt, hört meinen Ruf nicht. Dann spring' ich auf und gebe ihr einen Fußtritt.« Indem er so in diese Gedanken versenkt war, stieß er mit dem Fuße so aus, daß der Topf zerbrochen und er selbst von dem Reisbrei, welcher sich im Topf befand, weiß gefärbt ward. Daher sage ich:

»Wer unvernünftige Projekte über die Zukunft spinnet aus, dem geht's wie Somasarmans Vater: Er liegt von Reisbrei weiß gefärbt.«

 


 

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