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Fabeln aus Asien

: Fabeln aus Asien - Kapitel 26
Quellenangabe
titleFabeln aus Asien
authorVerschiedene Autoren
modified20170815
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Die allzu klugen Fische

Aus Indien

In einem Teiche wohnten zwei Fische, Satabuddhi, »Hundertklug«, und Sahasabuddhi, »Tausendklug«. Diese beiden hatten den Frosch Ekabuddhi, »Einmalklug«, zum Freunde. So genossen sie alle drei eine Zeitlang am Ufer des Teiches das Vergnügen geselliger Unterhaltung und kehrten dann ins tiefe Wasser zurück.

Als sie nun einmal zur Unterhaltung zusammengekommen waren, schritten um die Zeit des Sonnenunterganges mit Netzen in der Hand Fischer heran, die auf dem Kopf viele getötete Fische trugen. Als diese den Teich sahen, sprachen sie zueinander: »Ah! Dieser Teich scheint viele Fische zu enthalten und hat sehr wenig Wasser. Darum wollen wir morgen früh hierhergehen!« Nach diesen Worten gingen sie nach Hause.

Nachdem jene aber diese einem Donnerschlage gleiche Rede gehört hatten, hielten sie miteinander Rat. Da sagte der Frosch: »Ach lieber Hundertklug und Tausendklug, was ist hier angemessen: Sollen wir fliehen oder bleiben?« Darauf lachte Tausendklug und meinte: »Ach Freund, laß dich nicht durch das bloße Hören einer Rede in Furcht setzen! Es ist nicht wahrscheinlich, daß sie kommen; gesetzt aber, sie kämen, dann werde ich durch die Macht meines Verstandes sowohl dich als auch mich zu schützen wissen, denn ich kenne viele Wege des Wassers.« Nachdem Hundertklug das gehört hatte, sagte er: »Ah! Was Tausendklug sagt, ist richtig. Man soll daher auf das bloße Hören einer Rede hin nicht den von den Ahnen her von Geschlecht zu Geschlecht vererbten Geburtsort verlassen. Auch keinen Schritt weit dürfen wir uns entfernen! Ich werde dich durch die Macht meines Verstandes beschützen.« Der Frosch erwiderte: »Ich habe nur einen Witz, aber der rät mir zu fliehen. Ich gehe noch heutigen Tages samt meiner Frau zu einem anderen Teiche.« – Am folgenden Tage aber kamen in der Frühe die Fischer, ähnlich den Dienern des Todesgottes, herbei, bedeckten den Teich mit Netzen, und alle anderen Wassertiere wurden im Netze gefangen. Auch jene beiden, Hundertklug und Tausendklug, waren dabei, obgleich sie flohen und sich lange Zeit durch ihre Kenntnis verschiedener Wege, durch Hin- und Herschwimmen schützten. Doch schließlich fielen sie samt ihren Frauen ins Netz und wurden getötet. Hundertklug wurde wegen seiner Schwere auf dem Kopfe getragen. Den Tausendklug hatte ein anderer an einen Strick gebunden und schleppte ihn so dahin. Da sagte der Frosch Einmalklug, der auf den Rand seines neu bewohnten Teiches gestiegen war, zu seiner Frau: »Sieh! Sieh, Liebe! Herr Hundertklug liegt auf dem Kopf, Herr Tausendklug hängt an dem Strick, Herr Einmalklug jedoch spielt munter in der klaren Flut.«

 


 

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