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Fabeln aus Asien

: Fabeln aus Asien - Kapitel 12
Quellenangabe
titleFabeln aus Asien
authorVerschiedene Autoren
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Der Kantjil, das Wildschwein, der Tiger, der Elefant und der Riese

Aus Java

Einmal ging der Kantjil ohne Gefährten in den Wald hinein, dem Süden zu. Er begegnete dem Wildschwein, das ihn freundlich anredete: »Ei, wohin gehst du, Kantjil, und so eilig, wie ich sehe?«

Der Kantjil erwiderte: »Ich gehe hin, um Wasser auszuschöpfen und Fische zu fangen, dort in jener Schlucht im Süden.«

Da sprach das Schwein wieder voll Freundlichkeit: »Ich möchte gerne mitgehen, um Fische zu fangen.«

Der Kantjil aber erwiderte grimmig: »Du hast eine Schnauze wie ein Brecheisen, deine Lippen sind ungeheuer dick und gekräuselt, und auch deine Augen sind nichts weniger als schön; geh nicht mit, denn du würdest mir die Fische scheu machen.«

Das Wildschwein antwortete ihm: »Bist du denn so schön, du kleiner bösartiger Knirps? Nimmer willst du nachgeben und immer den Meister spielen! Du bittest immer, gibst aber selbst niemals! Wenn du noch einmal so unverschämt sprichst, will ich dich mit meinen Hauern bearbeiten, und dann ist's um dich geschehen, du freches und eigennütziges Tier! Ist der Fluß vielleicht dein besonderes Besitztum, daß du so karg damit wartest? Wenn man ausgeht, Fische zu fangen, geschieht es doch immer mit mehreren, und das ist auch ganz recht, denn die Fische gehören allen zu; du aber willst mir dieses Recht abstreiten!«

Da antwortete der Kantjil ruhig: »Nun, sei nur nicht so böse, Ferkelchen; nimm geschwind diesen Korb auf und geh hinter mir her, so werden wir das Wasser ausschöpfen.«

Eilig liefen sie nun weiter, das Wildschwein hinterher.

Nicht lange darauf begegneten sie dem Tiger, der freundlich fragte; »Ei, wohin gehst du, Kantjil? Und das Wildschwein mit einem Korb?«

Der Kantjil antwortete mürrisch: »Wir wollen Fische fangen im Fluß, südlich von der Raweine.«

Da rief der Königstiger: »Ich gehe mit, Kantjil«, wurde aber vom Kantjil grob abgewiesen: »Gehe nicht mit, dein Aussehen flößt Schrecken ein; du, mit deinen Streifen in den Haaren, mit deinen abscheulichen Augen und deinem erschrecklichen Maul. Du darfst nicht mitgehen, o Tiger, denn die Fische würden erschreckt werden, du würdest sie alle verscheuchen.«

Der Königstiger antwortete empört: »Der Kantjil könnte einen in Zorn versetzen. Wenn man freundlich angeredet wird, so ist es auch Sitte, daß man höflich antwortet. Bedenke doch, wenn ich dich in meinen Mund nähme, wärest du noch nicht soviel, als was mir unter dem Essen zwischen den Zähnen stecken bleibt.«

Eingeschüchtert sprach der Kantjil: »Nun, Tiger, so gehe denn mit, trage den Eimer und diesen zweiten Korb; verscheuche aber die Fische nicht, und tue genau, was ich dir befehle.«

Also schloß auch der Tiger sich an und lief ganz ruhig mit schnellen Schritten nach. So gingen die drei Tiere, indem das Wildschwein und der Tiger den Kantjil gleichsam in feierlichem Zuge begleiteten.

Es dauerte nicht lange, da begegneten sie dem Elefanten. Dieser sprach langsam: »Ei, wohin geht ihr so eilig, Königstiger, Wildschwein und Kantjil?«

Der Kantjil antwortete schnippisch: »Wir wollen Fische fangen im Fluß dort im Süden.«

Und als der Elefant erklärte: »Da will ich mitgehen«, fuhr ihn der Kantjil grob an: »Du sollst nicht mitgehen, du bist so groß, daß du uns verdrängst und allen Platz wegnimmst; auch ist deine Ansicht durchaus keine schöne, deine Größe ist wirklich unpassend; du mit deinem Rüssel und deinen Pfoten wie Bambusköcher; deine Ohren ähneln Reiskühltellern, deine Augen aber gleichen wohl Ameisenaugen und blinzeln unaufhörlich. Bleib nur hier, du würdest mir die Fische verscheuchen.«

Doch der Elefant schrie ihn an: »Nimm nur dein Maul nicht zu voll, denn, ob es dir gefällt oder nicht, du kannst doch nichts gegen mich ausrichten. Und wenn du auf deinem Widerstand beharrst, so werde ich dir den Kopf zertreten.«

Da erwiderte der Kantjil langsam: »Nun, meinetwegen, so kannst auch du mitgehen, falls du nur alle meine Anweisungen befolgst. Wenn du mitgehst, Elefant, so werde ich auch dir eine bestimmte Arbeit zuteilen. Du mußt einen Damm aufwerfen; da du der Stärkste bist, sollst du das Material herbeiholen. Das Wildschwein und der Tiger sollen zusammen Wasser schöpfen, ich werde der Aufseher sein und ein wachsames Auge auf alles haben. Daß aber keiner gegen meine Anweisungen handle!«

Das Wildschwein, der Elefant und der Tiger, alle drei gehorchten dem Kantjil, keiner von ihnen war widerspenstig.

Nachdem dies also fest abgemacht war, begab sich der Kantjil wieder auf den Weg, und alle drei gingen hinter ihm her, das Wildschwein, Elefant und Tiger. Nichts ist zu erwähnen von der Zeit, während sie unterwegs waren. An den Fluß gekommen, teilte der Kantjil sofort seine Befehle aus. Den Elefanten beauftragte er, den Fluß abzudämmen. Mit Lust und Eifer machte dieser sich an die Arbeit, große Äste riß er ab, Bäume entwurzelte er, Steine wühlte er auf, große Stücke steiniger Erde schleppte er herbei; von allem diesem fertigte er einen gewaltigen Damm an, der den Strom abschloß.

Nun spornte der Kantjil auch den Tiger und das Schwein an, sie sollten das Wasser ausschöpfen; er selbst hielt Aufsicht und lief hin und her, um überall gegenwärtig zu sein.

Als alles trocken war, wurden die Fische heraufgezogen und in zwei Haufen zusammengelegt.

Da sprach der Kantjil: »Wildschwein, Elefant und Tiger! Wohlan, noch einmal! Laßt uns noch einmal Wasser ausschöpfen. Jetzt sind erst zwei Haufen, zu wenig für uns, wenn sie geteilt würden. Wir wollen weiter stromabwärts gehen, wir, der Elefant, der Tiger und ich; der Elefant soll wieder abdämmen; das Wildschwein aber soll hier bleiben, um die Fische zu bewachen. Entferne dich also ja nicht von hier, Wildschwein, sondern bewache die Fische! Wenn wir dann noch zwei Haufen bekommen haben, so geht die Teilung leicht vonstatten«. Nach dieser Verabredung gingen sie davon; nur das Wildschwein blieb, um Wache zu halten.

Als sie an Ort und Stelle gekommen waren, fing der Elefant sogleich wieder an abzudämmen und bald hatte der Tiger das Wasser ausgeschöpft.

Schweigen wir jetzt von denjenigen, die im Tale beschäftigt waren, um zu erzählen, daß es einen Riesen gab, einen Walddämon. Schon lange hatte dieser zugesehen und jetzt eilte er schreiend und gellend zu dem Schweine und fragte wutschnaubend: »Sag mal, Schwein, wem gehören diese Fische?«

Auf die Antwort des Wildschweins: »Ich bin der Eigentümer«, fuhr ihn der Riese grob an: »Wie wagst du es, meine Fische wegzunehmen? Dies alles gehört mir!«

Das Wildschwein erwiderte: »Ich bin nur verpflichtet, dieselben zu bewachen; in Wirklichkeit gehören diese Fische dem Kantjil.«

Da schrie der Riese: »Was weißt du davon! Wer auch immer behauptet, es seien die seinigen, in Wahrheit gehören sie mir, und wenn der Kantjil sich nicht damit zufrieden gibt, so ist mir dies gleichgültig, ich nehme sie dennoch an mich.« Und sogleich verschluckte er all die Fische, so daß keiner übrigblieb.

Nachdem der Riese also die zwei Haufen ganz und gar verzehrt hatte, machte sich das Wildschwein geschwind aus dem Staube, bebend vor Angst, der Riese wäre noch nicht satt und wolle es als Zutat fressen. Keuchend kam es an die Stelle, wo der Kantjil mit Wasserschöpfen beschäftigt war, und sprach, nach Atem schnappend: »Die Fische sind alle, es ist durchaus nichts mehr übrig von den zwei Haufen; ein Riese hat sie aufgefressen.«

Der Kantjil sah es streng an und tadelte: »Hast du es ihm nicht verwehren können?«

Das Wildschwein antwortete: »Soviel mir möglich war, habe ich versucht, ihn davon abzuhalten, der Riese aber bestand darauf, ja er wollte mich auch mit aufschnappen; wenn ich mich nicht eilig davongemacht hätte, so wäre ich gewiß desgleichen von ihm verschluckt worden und wäre jetzt in seinem Bauche angelangt.«

Während der Kantjil dem Wildschwein einen verächtlichen Blick zuwarf, sprach er: »Das Wildschwein bringt uns nur Mißgeschick; du siehst auch gar so eklig aus! Ich hatte wohl recht, als ich mich vorhin weigerte, dich mitzunehmen. Dein Benehmen ist nicht passend; du, mit deinen Kaninchenaugen, kannst wohl schwatzen, aber einem Riesen Widerstand leisten kannst du nicht! jetzt mußt du wieder Wasser schöpfen, der Tiger soll dann die Fische bewachen.«

Die Fische, welche hier nach dem Wasserschöpfen heraufgezogen wurden, teilten sie abermals in zwei Haufen. Da sprach der Kantjil wieder: »Elefant, laß uns noch weiter gehen; dort soll das Wildschwein zur Strafe wieder Wasser schöpfen; der Tiger wird diese Fische bewachen.«

Dann gingen sie, Kantjil, Schwein und Elefant, weiter stromabwärts. Nachdem ein Damm gelegt worden war, fing das Wildschwein wieder zu schöpfen an. Der Tiger aber war zurückgeblieben, um bei den Fischen Wache zu halten.

Vom Riesen ist jetzt wieder die Rede; schreiend kam er herbeigelaufen und verschluckte abermals die Fische, ohne sich um den Tiger zu kümmern; dieser jedoch ergriff sofort die Flucht und kehrte zum Kantjil zurück. Er erzählte ihm alles, was geschehen war und daß wiederum die Fische vom Riesen verzehrt worden seien.

Da sprach der Kantjil empört: »Tiger, es gebührte dir, daß dein Kopf im Reisblock gestampft würde. Kannst du nicht einmal Fische bewachen? Du schaust so entsetzlich aus, daß du einem Riesen doch gewachsen sein solltest. Wenn er auch große Zähne hat, so hast du doch auch solche. Auf diese Weise sind deine scharfen Zähne unnütz und sollten dir ausgezogen werden. Wozu ein solches Tier, wie du bist, dient, das weiß ich nicht. Wohlan, fange nur wieder an, diese Flußstrecke auszuleeren, der Elefant wird dann die Fische bewachen.«

Der Tiger und das Wildschwein fingen an, zu platschen und zu schöpfen; nachdem die Fische ans Land gebracht waren, wurden sie unter Aufsicht des Kantjil in zwei Haufen aufgestapelt.

Der Elefant wurde nun zurückgelassen mit dem Auftrag, die Fische zu bewachen; der Kantjil un das Wildschwein aber gingen noch weiter stromabwärts mit dem Tiger.

Als sie an eine geeignete Stelle gekommen waren, legten der Tiger und das Wildschwein einen Damm; dann mußten sie das Wasser ausschöpfen; der Kantjil beaufsichtigte die Arbeit.

Es wird jetzt erzählt von dem, der zurückgeblieben war, vom Elefanten, der die Fische bewachte. Auch er unterlag dem Riesen, ja wagte es gar nicht, ihm Widerstand zu leisten, sondern machte sich in wilder Flucht davon. Beim Kantjil angekommen, erzählte er ihm, daß die Fische, die er bewachen sollte, verschwunden waren, aufs neue vom Riesen gefressen.

Der Kantjil fuhr ihn an: »So groß und hoch du bist, hast du doch keine Bedachtsamkeit! Wie lange soll ich es noch ertragen, daß die Fische immerfort dem Riesen zu fressen gegeben werden? Wohlan, fangt nur wieder an auszuschöpfen, ich will jetzt selbst Wache halten; keiner von euch soll bei mir bleiben, ich allein werde es mit dem Riesen, dem Kehricht der Welt, einmal versuchen; ihr werdet sehen, daß ich ihn binde, und wenn er gebunden ist, dann prügelt ihr ihn tüchtig durch! Solch ein tollkühner Riese, der uns immer alles vor der Nase wegfrißt! Gewiß, es muß ein Waldriese sein, denn so sind ihre Manieren, ganz abweichend von jenen der Stadtriesen. Er beträgt sich wie ein großer Herr; es geziemt sich doch, wenn einer Lust hat, Fische zu essen, daß er sich auch die Mühe gebe, selbst das Wasser auszuschöpfen; er aber zieht die Faulheit der Ermüdung vor und verschluckt in Bequemlichkeit allc unsere Beute. Wohlan, macht ihr euch jetzt schleunigst auf den Weg und fürchtet euch nicht; bleibt ruhig beim Ausschöpfen und fangt die Fische, damit wir bald heimwärts gehen können.«

Die drei, der Elefant, der Tiger und das Schwein, zogen rasch stromabwärts. Dort angekommen, begann der Elefant den Fluß abzudämmen, der Tiger und das Wildschwein denselben trockenzuschöpfen.

Inzwischen hatte sich der Kantjil auf schlammiges, morastiges Land gesetzt und fing an, Binsen auszuziehen; diese spaltete er, fügte sie aneinander, band sie sich um Lenden und Bauch und befestigte die Spitzen an dünnen Halmen von Schlingpflanzen. Fortwährend behielt er aber die Fische genau im Auge.

Unter gewaltigem Schreien kam bald wieder der Riese und blieb vor dem Kantjil stehen. Dieser aber stellte sich, als ob er nichts bemerkte. Ruhig fuhr er fort, Binsen zu zerreißen und aneinanderzufügen; er schien ganz in diese Arbeit versunken, immerfort flocht er Seile und band sich dieselben um den Bauch, bis er links und rechts festgebunden war.

Als dies der Riese sah, fragte er ihn freundlich: »Ei, Kantjil, was ist denn das? Hast du dir den Bauch festgebunden? Und du sitzest immer nur da und zerreißt etwas? Was ist es doch, was du da spaltest?«

Der Kantjil antwortete mürrisch: »O Riese, mit Recht bist du Waldriese genannt! Bist du denn stocktaub, daß du nichts davon gehört hast? Auf Befehl des Propheten Salomon, des Fürsten der Fürsten, der Geister und Menschen, der Riesen und aller möglichen Tiere, die ihn als Fürsten anerkennen, wird an diesem Tage eine gewaltige Sintflut sein; das Wasser wird vom Himmel hinabströmen, so daß sogar die Riesen, die fliegen können, gewiß mitgerissen werden, denn das Wasser wird von oben kommen; guck, dort am Himmel droht es schon!«

Der Riese fragte nun: »Sag mal, Kantjil, was soll ich denn da tun?«

Da antwortete ihm der Kantjil mürrisch: »Dein Antlitz möge zerrissen werden, Riese; was mischst du dich in meine Sachen? Du sprichst wie ein Dorfriese, weder deine Augen noch deine Ohren gebrauchst du und beobachtest nicht genau, was du zu tun hast. Siehst du denn nicht, was ich getan habe? Und dennoch weißt du nicht, wie du es anzustellen hast!« Als der Riese versuchte, ihn mit freundlichen Worten zu überreden: »Ach, Kantjil, gib mir doch nicht solche ungenügende Anweisungen; alles, was du mir ratest, will ich ausführen«, machte ihm der Kantjil harte Vorwürfe und sprach schließlich: »Es wäre ja unnütz, wenn ich dir helfe.«

Doch der Riese versuchte abermals, ihn zur Güte zu stimmen, indem er sagte: »Sprich doch nicht also, Kantjil, und glaube meinen Worten. Wie sollte ich der Gefahr entrinnen, wenn ich nicht alles befolgte, was du mir befiehlst? Gut oder schlecht, ich werde es tun; erkläre mir nur, was du meinst.«

Nun sprach der Kantjil wieder: »Wenn du denn wirklich aufrichtig bist, so mach es gerade so wie ich. Sieh mich einmal an!«

Sogleich fuhr der Kantjil auf, als ob er sich mit Macht losreißen wolle; er wälzte sich um und um, sprang und trappelte im Sumpf, kurz er stellte sich, als ob er in der Tat seine äußersten Kräfte anstrengte, um loszukommen. Die Binsen aber blieben unbeschadet, wie auch der Kantjil hin und her sprang.

Als der Riese dies sah, fragte er: »Muß ich also gleich wie du mir den Bauch mit Binsen an einen Baum festbinden?«

Mit funkelnden Augen sprach der Kantjil: »Oh, weißt du noch nicht, was ich meine? So wenig überlegst du, daß du den Unterschied zwischen groß und klein nicht bedenkst! Vergleiche mich einmal mit dir, du dummer Riese, der du mit sehenden Augen blind zu sein scheinst. Ich, so klein und niedrig, werde wohl nicht die Binsen zerreißen können; du aber, so groß und hoch, mit übernatürlicher Kraft begabt, so daß niemand dir gleichkommt, mußt etwas anderes versuchen. Wähle also starke, zähe Stengel von Rotang, die lang und fest sind, und binde damit geschwind deinen Körper, deine Füße und Hände, bis zu deinem Kopfe; befestige sie dann an dem Waringbaum dort. Nimm nur recht viele, damit du dem Unglück entgehst, und denke an die große Flut! Nimm dich in acht, daß die Bande nicht zerreißen! Wenn du dann festgebunden bist, so versuche zunächst, ob du deine Bande noch loswerden kannst; wenn dies nicht der Fall ist, so kannst du ruhig sein, wenn auch die Flut gegen dich schlägt.«

Wirklich tat der Riese alles, was ihm der Kantjil befohlen. Er holte sich große, lange Rotangs herbei und stapelte alles auf einem Hügel unter den Bäumen auf. Nachdem er schon viel zusammengeholt hatte, sprach der Kantjil: »Fange jetzt gleich an und befestige deinen Kopf an jenem Ast. Klettere auf den Gabelast und binde an jede Seite ein Ende der Leine. Wenn das befestigt ist, so steige auf die Erde herab und binde dir den Hals und die beiden Füße; die Spitzen der Taue befestigst du an jenem Bulubaum. Und den Bauch bindest du dir fest an jenen Waringin. Wenn dies alles vor sich gegangen ist, so umstricke deine Hände, so daß sie nicht frei werden können.«

Und seht, der Riese befolgte alles genau; nachdem er die Seile sich um den Kopf gelegt hatte, kletterte er nach oben; als er unten angekommen war, band er sich den ganzen Körper, Füße, Hals und Hände. Sobald alles stark befestigt war, sprach der Kantjil zu ihm: »Versuche jetzt aus aller Macht, deiner Bande loszuwerden, nicht nur so zum Scherz, sondern gehe zu Werke, als ob du in einem wütenden Gefechte wärest.«

Rasend und mit aller Anstrengung fing jetzt der Riese an, sich zu wälzen und zu springen, so daß der Waringin schwankte, als ob er umstürzen wollte. Die Bande aber zerrissen nicht, ja er zog dieselben dadurch noch mehr an, und diejenigen, welche zuvor etwa lose waren, schnürten ihm jetzt den Hals zu. Der Riese schnappte nach Atem, die Augen traten ihm aus dem Kopf, die Zunge hing ihm aus dem Munde, seine Kraft verschwand, und erschöpft fiel er auf den Boden, wo er zusammengerollt liegenblieb.

Der Kantjil, der bei allem zugesehen hatte, eilte davon, um die Wasserschöpfer herbeizurufen, den Elefanten, das Wildschwein und den Tiger: »Ei, kommt rasch herbei, ich habe den Riesen gebunden; prügelt ihn, bis er mausetot ist. Diese Hefe der Gesellschaft verdient es, daß ihr der Kopf zerschmettert werde.«

Schnell kamen sie freudeerfüllt herbei. Der Tiger schlug ihm die Krallen ins Gesicht und kratzte ihm die Lippen auf, der Elefant zerschmetterte ihm den Kopf mit zwei großen Steinen, und auch das Schwein tat das seinige.

Von den drei Tieren so angegriffen, starb er bald; sein Leichnam blieb unbeerdigt in der Wildnis liegen. Das Wildschwein, der Elefant und der Tiger gingen mit dem Kantjil, und ohne Zank wurden nun die Fische geteilt. Darauf kehrten die vier heim; hier angelangt, trafen sie ihre Frauen, die sehr erfreut waren, als sie die von ihren Gatten erworbene Beute sahen.

 


 

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