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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Fabeln - Kapitel 43
Quellenangabe
titleFabeln
authorJohann Wilhelm Ludwig Gleim
modified20170815
typefable
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Der Rabe. Die Pfauen

        Auf eines Fürsten Hoff gieng eine Menge Pfauen
Ein Aufzug, welchen anzuschauen
Kein Auge müde ward. Denn, jeder trug sein Rad
Voll Farben, wie sie nur der Regenbogen hat,
Gebreitet hinter sich, und that recht stolz darauf.
Zwar fielen manchen schöne Federn
Aus den empor getragnen Rädern
Doch nicht umsonst. Ein Rabe laß sie auf,
Bestach sich um und um damit,
Spazierete mit abgemeßnem Schritt
In die Versammlung rechter Pfauen
Und brüstete sich auch, und ließ sich auch beschauen.
Wie aber gieng es ihm? Man unterschied ihn bald,
Nahm unbarmherzig ihm den fremden Zierath ab,
Biß ihn, und schalt ihn Dieb, und gab
Dem armen Schelm die vorige Gestalt.
So leicht gestraft gieng er mit Freuden wieder
In die Gesellschaft seiner Brüder,
Allein da kam er übler an.
Denn sein Vergehn war ihnen kund gethan.
Sie lachten alle laut, und spotteten, und schrien:
Herr Pfau! Herr Pfau! und fielen über ihn
Und rauften mit Gewalt,
Ihm alle Federn aus,
Doch rettet' er sich noch in eines Dichters Hauß,
In kläglicher erbärmlicher Gestalt.

 


 

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