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Magnus Gottfried Lichtwer: Fabeln - Kapitel 99
Quellenangabe
typefable
booktitleLichtwer's Fabeln
authorMagnus Gottfried Lichtwer
year1842
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und Amsterdam
titleFabeln
pages188
created20110426
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Damon und Pythias.

                Wer hat den größten Schatz auf Erden,
        Und wo mag er gefunden werden?
So frug, wenn man es glauben soll,
Der Grieche Damon einst den delphischen Apoll.

Des Gottes Antwort war: Du hast ihn längst besessen,
        Und weißt es nicht, vor deiner Thür
        Wirst du ihn finden, traue mir.

Wie schnell fliegt Damon fort! Jetzt geizig, erst vermessen,
Wie? denkt er, scherzt Apoll? Nein! Göttern ziemt kein Spaß.
Jetzt sieht er schon sein Haus; da steht sein Pythias.
        Mein Theurer! ruft er ihm von Weitem,
        Ein Schatz, der größte Schatz liegt hier,
        Komm eilends, halb gehört er dir.

        Sie waffnen sich mit Grabescheiten,
Der Ort wird umgewühlt; sie graben in die Nacht,
        Kein Feierabend wird gemacht.

Kein Schatz erscheint. Doch seht! mit lächelnder Geberde
Wirft Damon unverhofft sein Werkzeug auf die Erde:
        O, rief er, bin ich nicht ein Thor?
        Freund! den die Tugend mir erkor,
        Komm, Pythias! laß dich umfangen,
Du bist der größte Schatz! kann Damon mehr verlangen?

        Ich billige des Griechen Satz:

* * *

Ein treu erfund'ner Freund, der ist der größte Schatz.

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