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Magnus Gottfried Lichtwer: Fabeln - Kapitel 95
Quellenangabe
typefable
booktitleLichtwer's Fabeln
authorMagnus Gottfried Lichtwer
year1842
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und Amsterdam
titleFabeln
pages188
created20110426
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die blinde Kuh.

        Thoms, Merten, Görge, Hans, vier abgefeimte Jungen,
            Des Unfugs Vorlauf, tanzten, sprungen
In einem Bauerhof. Thoms rief den Andern zu:
Kommt her, und spielet blinde Kuh.

            Man warf das Loos, das Loos traf Görgen,
Und Görge wird sogleich verbunden vorgeführt,
Und sucht die Andern auf, die sich geschwind verbergen.
Hört, rief die blinde Kuh, thut auch, was euch gebührt,
            Sobald mein Fußwerk irre gehet,
Und sich dem Pfeiler naht, der bei der Thüre stehet,
So ruft mir zu: Es brennt! Ja, riefen Alle, ja,
Und Görge taumelt fort, ruft endlich: hört ihr, Brüder,
            Und sagt: bin ich dem Pfeiler nah?
Du bist noch weit davon, erschallt die Antwort wieder.
Nun haspelt Görge sich im Traume weiter fort,
Geht rückwärts, wie ein Krebs, und nahet schon dem Ort
Daran der Pfeiler stand; er fragt: ist hier der Pfeiler?
            Noch nicht, schrie'n die verlog'nen Mäuler,
            Und Görge, der betrogne Tropf,
            Springt zu, und rennet mit dem Kopf
Derb an den Pfeiler an, daß ihm die Ohren klungen.

                Die Peitsche lohn' euch, falsche Jungen!
            Rief Görge mit gebläutem Haupt,
            Ein Narr, der euch jetzt weiter glaubt!

* * *

                        Mensch! dieser Görge bist auch du,
            Du spielst mit dir selbst blinde Kuh.
Du bist, und weißt es nicht, auf deinem Todesgange,
            Jetzt ruft der Geiz: du lebst noch lange;
Jetzt stimmt die Ehrsucht ein: du stirbst so bald noch nicht;
Noch lange, lange nicht, hörst du die Wollust singen,
            Du traust dem trügenden Bericht,
Läufst blindlings in den Tod, und oft in vollen Sprüngen.
            Wenn Wollust, Ehr' und Geiz noch ruft,
            So stürzest du schon in die Gruft.
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