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Magnus Gottfried Lichtwer: Fabeln - Kapitel 86
Quellenangabe
typefable
booktitleLichtwer's Fabeln
authorMagnus Gottfried Lichtwer
year1842
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und Amsterdam
titleFabeln
pages188
created20110426
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Hamster.

        Es zog der schnöde Geiz bei einem Hamster ein,
    Nie mag ein Thier so karg, wie er, gewesen seyn.
Er schwatzte stets von Korn, und träumte nur von Garben;
Sein Abgott war Gewinnst, sein Zweck, sich reich zu darben.
    Der Bissen that ihm weh, den er des Tages aß,
    Die Früchte schmeckten ihm, die er nicht selbst besaß,
Und endlich ließ der Filz sein Weib vor Hunger sterben;
Er that es, o des Schimpfs! um mehr von ihr zu erben.
    Er ward im Hamsterrath auch peinlich angeklagt,
    Die Mordthat im Verhör von Zeugen ausgesagt,
Und von dem Thäter selbst in den verjährten Banden,
Vielleicht aus Ueberdruß, freiwillig eingestanden.
    Man ließ, was fehlte mehr? den Rechten ihren Lauf,
    Und Viele knüpften ihn schon in Gedanken auf,
So sicher schien sein Tod. Allein das Urtheil wollte,
Daß er sofort der Haft entlassen werden sollte,
    Und weil, so schloß es sich, Beklagter selbst bekannt,
    Daß seine Frau den Tod durch seine Kargheit fand,
So werden ihm von uns, sich besser zu verpflegen,
Zwei Scheffel Korn geschenkt, und das von Rechtes wegen.

        Die ganze Hamsterwelt ward auf die Richter toll;
    Wer ist des Todes werth, wenn Dieser leben soll?
Macht man den Frauenmord zu einem Mitteldinge,
Beschenkt man einen Schelm, der noch zu gnädig hinge?
    So sagte Jedermann; der Geizhals läßt sie schrein,
    Er scharret das Geschenk in seine Speicher ein,
Er ißt vor Geiz nicht mehr, die Furcht wehrt seinem Schlafe,
Er starb bei seinem Schatz, und das war seine Strafe.

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