Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Magnus Gottfried Lichtwer: Fabeln - Kapitel 75
Quellenangabe
typefable
booktitleLichtwer's Fabeln
authorMagnus Gottfried Lichtwer
year1842
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und Amsterdam
titleFabeln
pages188
created20110426
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Der unschuldige Dichter.

            Ein König stellte sich selbst die Nativität,
    Und fand, daß seine Majestät
Dereinst vom Gähnen sterben sollte;
Und weil der gute Herr nicht gerne sterben wollte,
    (Denn auch die Großen schreckt der Tod)
    So gab er ein Gesetz, das denen,
    Die um ihn waren, alles Gähnen
    Und alle Schläfrigkeit verbot.

Wie wachsam ward der Hof! Ein aufgeräumtes Wesen
    Belebt das Land, beseelt die Stadt,
Geberde, Rede, Gang war munter, niemals matt.
Nur rasche Jugend ward zum Hofdienst auserlesen.

Ein Dichter, dessen Witz des Königs Huld erwarb,
Kam an den Hof, und las, o klägliche Geschichte!
Vor seiner Majestät ein tragisches Gedichte –
    Er las, der König gähnt' und starb.

Man zieht den Dichter ein, er soll den Kopf verlieren,
    Weil er der Königsmörder sey,
    Und um ihn selbst zu überführen,
    Holt man sein Trauerspiel herbei.

Hier, um vor dem Gericht erst den Versuch zu machen,
Verliest er auf Befehl selbst das fatale Blatt,
    Wobei der Fürst gegähnet hat;
    Er liest – und alle Richter lachen.
Nein, sagten sie, das ist ein lustiges Gedicht.
    Unschuldig sprach ihn das Gericht.

 << Kapitel 74  Kapitel 76 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.