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Magnus Gottfried Lichtwer: Fabeln - Kapitel 61
Quellenangabe
typefable
booktitleLichtwer's Fabeln
authorMagnus Gottfried Lichtwer
year1842
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und Amsterdam
titleFabeln
pages188
created20110426
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Fuchs und der Adler.

            Es lebt' aus Reineckens Geschlechte
Ein jung' und eitler Abkömmling,
Der oft, mit größerm Glück, als Rechte,
Der schnellen Hunde Spur entging.

    Da lag er nun vor seinem Loche,
Und lachte bei sich der Gefahr,
Der er noch in vergangner Woche
Durch einen Sprung entronnen war.

    Sagt, rief er, Höfe, Wiesen, Ställe,
Ihr Zeugen meiner Tapferkeit!
Wer stiehlt, wie ich? wer sieht so helle?
Wer läuft so schnell? wer riecht so weit?

    Vertieft in solchen Wunderdingen
Bemerkt er eines Adlers Flug,
Wie ihn mit ausgestreckten Schwingen
Das stille Meer der Lüfte trug.

    O, könnt' ich fliegen, wie die Vögel!
Den Neid, erseufzt er, macht' ich stumm,
Euch aber kahl, ihr Bauerflegel;
Mit Lust gäb' ich ein Ohr darum.

    Jetzt legt ein Schuß den Adler nieder,
Der Fuchs nimmt es mit Schrecken wahr,
Zu fliegen wünscht er nimmer wieder.

* * *

Je höh'rer Stand, je mehr Gefahr.

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