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Magnus Gottfried Lichtwer: Fabeln - Kapitel 60
Quellenangabe
typefable
booktitleLichtwer's Fabeln
authorMagnus Gottfried Lichtwer
year1842
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und Amsterdam
titleFabeln
pages188
created20110426
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Das Diebsgeschlecht.

                          Ein Mitglied von der finstern Bande,
            Die grober Pöbel Diebe nennt,
Erzählte seiner Braut von seinem hohen Stande;
Denn, sprach er, es ist Zeit, daß Ihr die Freundschaft kennt.

Mein Vater, hob er an, ein Meister im Vergiften,
            Schwang sich durch seine Kunst auf's Rad;
Mein theurer Großpapa, der lauter Wunder that,
            Herrscht, seit ich jung ward, in den Lüften;
Und meiner Mutter Ruhm ist aller Welt bekannt.
            Man hat an ihrem Todestage
            Auf zwanzig Klafter Holz verbrannt.

Erlaubt mir, sprach die Braut, daß ich Euch gleichfalls sage,
            Wer meine lieben Aeltern sind,
            Ich bin nur eines Kaufmanns Kind,
Er reichte freilich nicht an Eures Hauses Helden;
            Zwar hat er, ohne Ruhm zu melden,
Auf zwölf Familien zum Bettelvolk gemacht,
            Und noch den Ruhm in's Grab gebracht,
            Daß er ein halbes Land betrogen.
            Sein Vater war ein Advokat,
            Die Pest und Geißel seiner Stadt,
            Der ganze Dörfer ausgesogen,
            Und seine Frau hielt wirthlich Haus,
            Und lieh auf Zins und Pfänder aus,
Und ließ vom Thaler sich in ihrem ganzen Leben
            Die Woche nur neun Pfennig' geben;
            Doch dieses muß ich Euch gestehn,
Daß diese Leute nicht an jene Väter reichen,
            Die Eures Stammbaums Glanz erhöh'n,
            Nein! an Geburt muß ich Euch weichen.

                Vergebt mir, sprach der Bräutigam,
            Was fehlet Eurer Aeltern Stamm?
Ihr müsset das Verdienst nicht mit dem Lohn vermengen:
            Sie waren alle werth zu hängen.

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