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Magnus Gottfried Lichtwer: Fabeln - Kapitel 35
Quellenangabe
typefable
booktitleLichtwer's Fabeln
authorMagnus Gottfried Lichtwer
year1842
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und Amsterdam
titleFabeln
pages188
created20110426
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Hänfling.

            Ein Hänfling, den der erste Flug
Aus seiner Aeltern Neste trug,
Hob an, die Wälder zu beschauen,
Und zeigte Lust, sich anzubauen;
Ein edler Trieb, denn eigner Herd
Ist, sagt das Sprichwort, Goldes werth.

    Die stolze Gluth der jungen Brust
Macht ihm zu einem Eichbaum Lust.
Hier wohn' ich, sprach er, wie ein König,
Dergleichen Nester gibt es wenig.
Kaum stand das Nest, so ward's verheert,
Und durch den Donnerstrahl verzehrt.

    Es war ein Glück bei der Gefahr,
Daß unser Hänfling auswärts war,
Er kam, nachdem es ausgewittert,
Und fand die Eiche halb zersplittert.
Da sah er mit Bestürzung ein,
Er könne hier nicht sicher seyn.

    Mit umgekehrtem Eigensinn
Begab er sich zur Erde hin,
Und baut' in niedriges Gesträuche,
So scheu macht ihn der Fall der Eiche.
Doch Staub und Würmer zwangen ihn,
Zum andern Mal davon zu ziehn.

    Da baut' er sich das dritte Haus,
Und las ein dunkles Büschchen aus,
Wo er den Wolken nicht so nahe,
Auch nicht die Erde vor sich sahe,
Ein Ort, der in der Ruhe liegt;
Da lebt er noch, und lebt vergnügt.

* * *

            Vergnügte Tage findet man,
Woferne man sie finden kann,
Nicht auf dem Thron und nicht in Hütten;
Kannst du vom Himmel es erbitten,
So sey dein eigner Herr und Knecht,
Dies bleibt des Mittelstandes Recht.
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