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Magnus Gottfried Lichtwer: Fabeln - Kapitel 33
Quellenangabe
typefable
booktitleLichtwer's Fabeln
authorMagnus Gottfried Lichtwer
year1842
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und Amsterdam
titleFabeln
pages188
created20110426
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die zwei Weisen in Peru.

            Es sah Peru dereinst zwei Lehrer,
Der Sonne brünstige Verehrer,
Den Ausbund strenger Heiligkeit.
Ihr Ruhm war gleich im ganzen Süden,
Ihr Eifer wenig unterschieden,
Ihr Lehrgebäude himmelweit.

    Der Eine sah, trotz ihrem Lichte,
Der Gottheit kühn in's Angesichte,
Sein Auge ging ihr immer nach,
Die Thränen strömten von den Wangen,
Und das Gesichte war vergangen,
Eh' er sein Schauen unterbrach.

    Der Andre glaubt, daß Menschenaugen,
Gott auch im Werk zu schaun, nicht taugen,
Noch wie ihn die Natur verklärt,
Weil die Vernunft im Schließen wanke,
So sey der witzigste Gedanke,
Den man von Gott macht, tadelnswerth.

    Um nun die Sonne nicht zu schauen,
So ließ er eine Höhle bauen,
Wohin die Sonne niemals kam.
In dieser ward, bei langer Weile,
Der finstre Heilige, die Eule,
Der Welt, sich, und der Sonne gram.

    So wurden diese theuren Männer,
Der Sonne widrige Bekenner,
Durch Dunkelheit und Vorwitz blind,
Und lehren, daß in Glaubensdingen
So Dummheit als verwegne Schwingen,
Zwei Mittel der Verblendung sind.

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