Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Magnus Gottfried Lichtwer: Fabeln - Kapitel 2
Quellenangabe
typefable
booktitleLichtwer's Fabeln
authorMagnus Gottfried Lichtwer
year1842
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und Amsterdam
titleFabeln
pages188
created20110426
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Biographie des Dichters.

Magnus Gottfried Lichtwer.

Geboren 30. Januar 1719.   Gestorben 7. Juli 1783.

Lichtwer, der berühmte Fabeldichter, ward am 30. Januar 1719 zu Wurzen geboren. Sein Vater, kursächsischer Beamter, ein vermögender, angesehener Mann, gab dem Knaben die sorgfältigste Erziehung; aber der Tod ereilte ihn zu frühe, sie zu vollenden. Lichtwer studirte in Leipzig die Rechte. Daneben trieb er fleißig neuere Sprachen und widmete einen bedeutenden Theil seiner Zeit der Lektüre der römischen und griechischen Dichter. Sorgfältig bewarb er sich schon damals um den Ruf eines gebildeten Weltmanns. Er versäumte nicht, Alles zu lernen, was dazu dienen konnte, sich bemerklich und bei der feinen Welt beliebt zu machen. Sein Umgang beschränkte sich fast ganz auf den mit vornehmen Familien; er war ein trefflicher Tänzer, Reiter und Fechter, und erschien nie anders, als im gewähltesten Kleide. Schon damals prägten sich die Hauptzüge seines Charakters vollkommen aus. – 1741 verließ Lichtwer die Universität und bewarb sich in Dresden um eine Anstellung. – Der Versuch mißglückte. Er wandte sich nach Wittenberg und setzte seine juristischen Studien eifrig fort. Er erwarb hier der Rechte und Philosophie Doktorwürde. Von Wittenberg riefen ihn Erbschaftsangelegenheiten nach Quedlinburg; er wurde bei dem Ordnen derselben in Prozesse verflochten, welche seine Anwesenheit an diesem Orte und in Halberstadt für mehre Jahre nothwendig machten. In diese Periode fällt die Dichtung seiner Fabeln. Sie wurden zuerst 1748 in Leipzig gedruckt; anfänglich ohne Lichtwer's Namen. Lichtwer bewarb sich von Neuem um einen Staatsdienst; aber eben so vergeblich in Berlin wie in Dresden. Nach vielen mißlungenen Versuchen kaufte er sich ein Kanonikat im Halberstädter Capitel, verheirathete sich (1749) bald darauf, und verlebte einige Jahre glücklichen Schlaraffenlebens. Doch ward er dessen bald genug müde. Er begann seine Bewerbungen wegen einer Anstellung von Neuem, und endlich gelang es ihm, durch die Verwendung einiger Freunde, als Referent der preußischen Regierung zu Halberstadt, anfangs ohne Gehalt, beigegeben zu werden. Später ward er zum Rath befördert. –

1757 gab Lichtwer seine Fabeln, die, auf Gottsched's Empfehlung, nachdem sie anfänglich ganz unbeachtet geblieben, sehr viele Leser fanden, in verbesserter Form in Berlin heraus. Jetzt erst nannte er sich als den Verfasser. Mendelssohn's scharfe Kritik derselben half nur, sie im großen Publikum, das sie mit dem größten Beifall aufnahm, noch mehr zu verbreiten, und Ramler's ungeschickte und unberufene Wiederherausgabe dieser Fabeln, in einer sie entstellenden Bearbeitung, wies das deutsche Volk mit Indignation zurück, und fachte Lichtwer's höchsten Zorn an, der sich in den derbsten Ausfällen gegen Ramler äußerte. Lessing suchte den Letztern, seinen Freund, zu entschuldigen – und daraus entspann sich eine Fehde, welche zur Celebrität Lichtwer's und seiner poetischen Produkte ungemein viel beitrug. 1760 machte Lichtwer mit seiner Familie (seine Gattin gebar ihm mehre Kinder) eine Reise nach Braunschweig und Wolfenbüttel; vermied aber geflissentlich eine Bekanntschaft mit Zachariä, Ebert, Gärtner, Schmidt und andern damaligen Stimmführern im Felde der Dichtkunst, wozu jene Reise so schöne Gelegenheit bot. – Ueberhaupt blieb er dem Umgang und Verkehr mit Geistesverwandten immer fremd. Sogar den trefflichen Gleim mied er in Halberstadt auf eine höchst sonderbare Weise. Von Charakter argwöhnisch, eifersüchtig und dünkelhaft, fand er sich am wohlsten in Umgebungen, die ihn als ein Wesen höherer Art betrachteten, und seiner bis zum Lächerlichen gehenden Eitelkeit, die Herkunft, Reichthum, Titel und äußere Ehre zu überschätzen stets bereit war, gefällig oder gutmüthig fröhnten. Zudem war Lichtwer gar ein trefflicher Hauswirth – und die Mehrung seines Vermögens war stets ein Hauptgegenstand seiner Sorgen und Mühen. Auch in dieser Beziehung sagte ihm Geselligkeit, die so manches Opfer von der Geldliebe fordert, nicht zu; – seine Berufsgeschäfte als Beamter wurden der gewöhnliche Vorwand, Besuche, die er scheute, von sich abzuweisen.

Die Dichterlaufbahn verließ Lichtwer mehr und mehr – und endlich für immer. Er gab sich ganz dem Geschäftsleben hin, in dem sein ohnehin förmlicher Geist sich am meisten behagte. – Seinen Beruf als Richter erfüllte er mit der ängstlichsten Gewissenhaftigkeit, und gerieth darüber nur zu oft in unerträgliche Breite. Er saß ganze Nächte hindurch eingedämmt in Akten und arbeitete bis zur Erschöpfung. – Seine Gesundheit erlag diesen Anstrengungen, und ein unglücklicher Zufall – ein Verweis von einem Obern, dem Großkanzler Carmer, in Gegenwart des ganzen Kollegiums und der Subalternen Lichtwer's – den er sich durch eine auch die größte Geduld ermüdende Breite und Weitschweifigkeit zuzog, wurde ihm, dem Tiefgekränkten, der Nagel zum Sarge. Lichtwer starb in seinem Hause zu Halberstadt in der Nacht vom 6. zum 7. Juli 1783. Die Gruft unter der Moritzkirche ist seine Grabstätte. Eine Marmortafel bezeichnet die Stelle.

Lichtwer's Charakter war, bei allen Schwächen, immer der eines Ehrenmannes, eines rechtschaffenen Christen, eines trefflichen Vaters und Gatten. Er war von mittler Statur, klein, von gutem Aussehen, immer sehr zierlich gekleidet. Sehr viel hielt er auf äußern Anstand und auf Bewahrung äußerer Würde. Darum erschien er Andern steif, stolz, kalt und abgeschlossen. – In spätern Jahren galt ihm der Geschäftsmann, der Beamte über Alles; und er wies jede nicht mit demselben in Beziehung tretende Annäherung gemeiniglich unsanft und schroff zurück. Sein einmal gegebenes Wort war ihm heilig; aber um so vorsichtiger war er auch mit seinen Versprechungen. Gegen seine Subalternen war er, ohne seiner Würde etwas zu vergeben, leutselig; kurz: unter der steifen Hülle verbarg er einen recht achtungswerthen, einen vortrefflichen Menschen.

 


 

 << Kapitel 1  Kapitel 3 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.