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Magnus Gottfried Lichtwer: Fabeln - Kapitel 17
Quellenangabe
typefable
booktitleLichtwer's Fabeln
authorMagnus Gottfried Lichtwer
year1842
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und Amsterdam
titleFabeln
pages188
created20110426
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Das aus der Erde wachsende Lamm.

                Als die Natur einst Pflanz' und Thieren
Das Daseyn gab, fiel es ihr ein,
Von Zwitterart eins aufzuführen,
Halb sollt' es Thier, halb Pflanze seyn.

    Um dieses Unding auszubrüten,
Wuchs aus der Erd' ein kurzer Stamm,
Der Frühling gab ihm Laub und Blüthen,
Der Herbst anstatt der Frucht ein Lamm.

    Nichts war an ihm vom Kopf zum Schwanze,
Das nicht dem Wollenviehe glich,
Von unten blieb es eine Pflanze,
Doch Haupt und Hals bewegten sich.

    Es zeigte sich die Lust zur Weide,
Zwei Feldgewächse standen da,
Das Schaf ergriff und fraß sie beide,
Daß man auch ihre Spur nicht sah.

    Vernimm, daß es dich reuen werde,
Rief ihm das nächste Kohlhaupt zu,
Sind wir nicht Kinder einer Erde,
Und wurzeln, wachsen, blühn wie du?

    Genieße mäßig uns'rer Blätter,
Nur friß uns nicht mit Stumpf und Stiel.
Das Schaf war taub, es fraß den Vetter,
Den Vetter, der ihm auch gefiel.

    Was um ihn stand, ward rings verheeret,
Die Strafe folgt auf seinen Schmaus,
Als es das Land um sich verheeret,
So dorrt' es selbst vor Hunger aus.

* * *

    Man sollte ja beinahe schwören,
Daß die Tyrannen Lämmer wären.
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