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Magnus Gottfried Lichtwer: Fabeln - Kapitel 14
Quellenangabe
typefable
booktitleLichtwer's Fabeln
authorMagnus Gottfried Lichtwer
year1842
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und Amsterdam
titleFabeln
pages188
created20110426
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Strauß und die Vögel.

        Die Völker der Lüfte, das leichte Geschlechte,
Die Vögel, verglichen die streitigen Rechte,
    Und setzten, als sie sich in Sicherheit sahn,
    Zum Reichstag den ersten des Maimonats an.

Kaum wichen die Schatten dem steigenden Lichte,
Kaum zeigte sich Phöbus mit heitrem Gesichte,
    Als tausend Geschlechter vom bergigen Hain
    Erschienen, um bei der Versammlung zu seyn.

Die Adler, die Fürsten der fliegenden Schaaren,
Die mächtigen Condors erschienen bei Paaren,
    Der Phönix kam, den Heliopolis kennt;
    Der Vogel, der vom Paradiese sich nennt.

Dann ließen sich Uhu's, mit Kranich und Pfauen,
Dann ließen sich Geier und Habichte schauen,
    D'rauf kamen die Reiger, der reinliche Schwan,
    Die Kropfgans, der Falke, der indische Hahn,

Die Sperber, die Raben, der Kuckuck, die Störche,
Und endlich die Kleinen, darunter die Lerche,
    Der Gimpel, die Wachtel, der schwätzige Staar,
    Der Finke, der Grünitz, die Nachtigall war.

Wer möchte die mancherlei Tausende kennen?
Wer könnte die mancherlei Tausende nennen?
    Das Heer des Geflügels, so selbigen Tag
    Zum Reichsrath zusammen gekommen seyn mag?

Es ward auch bei solcher unzähligen Menge
Beinahe der Raum der Versammlung zu enge;
    Indessen erhob sich ein plötzlich Geschrei,
    Daß außer den Schranken ein Reisender sey,

Der zwar seinen Stand nicht bescheinigen könne,
Und sich einen Straußen aus Afrika nenne.
    Gleich machten sich einige Vögel hinaus,
    Und fragten den Reisenden eigentlich aus.

Was? ließ sich der Fremde mit Unwillen hören,
Will man einem Reichsstand den Zutritt verwehren?
    Verlangt man von Straußen unnöth'gen Beweis?
    Bin ich nicht ein Vogel? beseht mich mit Fleiß.

Mein Ursprung berechtigt mich, Federn zu tragen,
Was brauch' ich von Schnabel und Klauen zu sagen?
    Ich habe ja Flügel, dies schützt mich genug.
    Verwarf man den Vogel, der Fittiche trug?

Die Vögel versetzten nach kurzem Bedenken,
Du gleichst einem Vogel, das will man dir schenken
    Doch kann auch dein Einlaß nicht eher geschehn,
    Bis wir zu den Wolken dich fliegen gesehn;

Denn das ist kein Vogel, den muntere Schwingen
Empor von der Erd' in die Lüfte nicht bringen.
    So sagten die Vögel dem trotzigen Strauß.
    Doch dieser schlug ihre Bedingungen aus,

Und ging von den Vögeln zum Reiche der Thiere.
Was helfen dem Edelmann Helm und Paniere,
    Was nützen ihm Feder, und Wappen und Geld,
    Wenn ihn seine Trägheit zum Pöbel gesellt?

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