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Magnus Gottfried Lichtwer: Fabeln - Kapitel 111
Quellenangabe
typefable
booktitleLichtwer's Fabeln
authorMagnus Gottfried Lichtwer
year1842
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und Amsterdam
titleFabeln
pages188
created20110426
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Herr von Krehn.

                  Ein armer Edelmann, mit Namen: Herr von Krehn,
Ererbte mit der Zeit ein Lehn,
Ein Rittergut mit öden Feldern;
Die Krähen herrschten in den Wäldern;
Der Rittersitz war groß und alt,
Der Mäus' und Eulen Aufenthalt,
Mit runden Thürmen, finstern Sälen,
Und Allem, was man Gothisch heißt.
Dies Alles erbt von Krehn, der aufgeklärte Geist,
Hier soll er seinen Wohnplatz wählen.
Er kömmt auf's Schloß, besieht's und spricht:
Nein, unter Eulen wohn' ich nicht,
Er fordert Künstler her. Das Schloß wird umgerissen,
Mit allen seinen Finsternissen,
Die Eulen flogen heulend fort,
Und suchten einen sichern Ort.
Ein neues Schloß mit hellen Zimmern,
Darin Geschmack und Reichthum schimmern,
Steigt aus dem düstern Schutt empor.
Indessen nimmt von Krehn die öden Felder vor,
Die seit der Aelterväter Tagen,
Es hab' es Faulheit oder Wahn,
Denn dieses weiß ich nicht, gethan,
Meist ungebaut und wüste lagen.
Die Sträucher werden ausgehau'n,
Anbauer werden hier verschrieben,
Die mit dem Pflug zu Felde trieben.
Bald wirst du, o von Krehn! davon die Früchte schau'n.
Doch auch der Wald ward hier nicht übersehen,
Man säubert ihn von allen Krähen,
Es ward der grüne Hain, den Krehn vor andern schätzt,
Mit Sängern edler Art besetzt,
Man hört das Lied der Nachtigallen
Von allen Gipfeln froh erschallen,
O du gesegneter von Krehn!
Sieh' deiner Felder Pracht, dein Schloß, wie hell und schön!
O, leb' auf ewig, Mann der Männer,
So riefen alle wahren Kenner.
Vergebner Wunsch! von Krehn, mein Held,
Der echter Weisheit Schätze kannte,
Er stirbt, sein schönes Landgut fällt
Auf weit entfernte Lehnsverwandte;
Und seht, man stößt die Künstler aus,
Das neue Schloß wird umgeschmissen,
Ein gothisches, nach alten Rissen,
Wird wieder hergestellt, das öde, finst're Haus.
Der Colonist muß fort, er klagt, wer will ihn hören?
Man nimmt ihm trotzig seinen Pflug,
Das Feld, das jetzt schon Früchte trug,
Soll in sein Nichts zurücke kehren.
Auch euch, ihr angenehmen Sänger,
Gehört nunmehr der Wald nicht länger,
Man räumt ihn wiederum den alten Krähen ein.
So sah man wieder Wüstenei'n,
Wo man vor Kurzem noch ein Paradies erblickte.

* * *

    Daß Barbarei die Völker drückte,
Und daß es helle Zeiten gab,
Hing oft nur von zwei Augen ab.
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