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Magnus Gottfried Lichtwer: Fabeln - Kapitel 11
Quellenangabe
typefable
booktitleLichtwer's Fabeln
authorMagnus Gottfried Lichtwer
year1842
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und Amsterdam
titleFabeln
pages188
created20110426
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Boreas und die Erde.

        Matt vom Blasen und vom Heulen
Warf der wilde Boreas
Sich bei Herkul's alten Säulen
An dem Ufer in das Gras.

    Kaum sieht ihn die Erde schlafen,
Als sie bei sich selber spricht:
Eile, deinen Feind zu strafen,
Beß're Muße hast du nicht.

    Er ist's, der in deinen Locken
Oefters wie ein Wüthrich schwärmt,
Und oft Häuser, Thürme, Glocken,
An den Hals dir wirft, und lärmt.

    Tellus war entzündet worden,
Es entbrennt der alte Haß,
Sie zerreißt von Süd' in Norden,
Und verschlingt den Boreas.

    Boreas erwacht mit Schrecken,
Aufzusteh'n ist er bemüht,
Als er sich mit Sand bedecken
Und in Abgrund stürzen sieht.

    Er ergrimmt vor Zorn und Rasen,
Bläst sich auf, pfeift, saust und brüllt,
Bis das Schnauben seiner Nasen
Die verschloss'nen Grüfte füllt.

    Also mag der Aetna brüllen,
Wenn er, nach des Himmels Schluß,
Erd' und Luft mit Gluth erfüllen
Und die Welt erschrecken muß.

    Selbst die Erde seufzt und zittert,
Bis der Nordwind stärker drängt,
Einen halben Wald zersplittert,
Und das Herz der Erde sprengt.

    Boreas fuhr ohne Schonen
Ueber Berge, Wald und Stadt,
Nach dem Lande der Ciconen,
Wo er seine Wohnung hat.

    D'rauf bekam die Erd' ein Zucken
Und erbebte dann und wann. –
Niemand wolle mehr verschlucken,
Als was er verdauen kann.

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