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Magnus Gottfried Lichtwer: Fabeln - Kapitel 108
Quellenangabe
typefable
booktitleLichtwer's Fabeln
authorMagnus Gottfried Lichtwer
year1842
firstpub1748
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und Amsterdam
titleFabeln
pages188
created20110426
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Springer.

            Dem Angesicht der muntern Britten
Stellt sich mit kühn' und schnellen Schritten
Ein unbekannter Springer dar,
Es überrascht, o, wie verwegen!
Sein Umschwung über bloße Degen
Die vor Verwund'rung stumme Schaar.

    Gewiß! der Sprung ist wohl gerathen,
Schrie'n Edle, Bürger und Prälaten,
Der Mensch springt in der That recht gut,
Es scheint, als ob er Flügel hätte;
Hört, rief ein Lord, was gilt die Wette,
Daß er noch bess're Sprünge thut?

    Jetzt wirft er sich schnell in die Höhe,
Hilf, Gott! mir schwindelt, wenn ich sehe,
Wie kühn er durch die Lüfte fährt.
Jetzt senkt er sich mit leichten Gliedern,
Der Sprung ist, hieß es, unter Brüdern
Zwei hundert Pfund und d'rüber werth.

    Er überschlug in einem Kreise
Sich sechsmal wunderbarer Weise,
Und übersprang gar oft das Ziel.
Das Volk, nicht müd', ihn hoch zu schätzen,
Folgt taumelnd den verweg'nen Sätzen,
Und jauchzend, weil er niemals fiel.

    Hart an der Bühne Vordertheile
Erhob durch Kraft der Zimmerbeile
Ein stolzer Bau sich in die Luft.
Der Springer steigt auf das Gerüste,
Man wünscht, als ob er springen müßte,
Ihm Glück zu der gewissen Gruft.

    Jetzt zeigt der Jüngling sich von oben,
Man hört nicht auf, die That zu loben,
Durch die er sich verew'gen wird.
Doch, horcht! er hat was vorzubringen,
Ich, ruft er, soll herunter springen,
Das denkt Ihr, Britten, doch Ihr irrt.

    Nicht wahr, dann thät' ich Euch Genüge,
Wenn ich mir Arm und Bein zerschlüge?
Doch dies soll heute nicht geschehn;
Ich bin auf diesen Ort gestiegen,
Um hier allein und mit Vergnügen
Der andern Kämpfer Kunst zu sehn.

    Mit Murren hört man seine Rede,
Dem schien er klug, und Jenem blöde,
Das ist der Welt bekannter Lauf.
Singt schön, singt feurig, munt're Dichter!
Erzwingt das Lob der strengsten Richter,
Doch hört auch, wenn es Zeit ist, auf.

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