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Iwan Andrejewitsch Krylow: Fabeln - Kapitel 89
Quellenangabe
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typelegend
authorIwan Andrejewitsch Krylow
titleFabeln
publisherVerlag Philipp Reclam jun. Leipzig
seriesReclams Universal-Bibliothek
volumeBand 143
printrun5. Auflage
year1976
firstpub1874
translatorFerdinand Löwe
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100318
modified20170607
projectidb7f4ecb8
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88. Der Esel und Zeus

Es hielt ein Bauer sich ein Eselein,
ein sanftes, stilles Tier;
der Bauer schwärmt dafür
und möchte sicher sein,
daß nicht im Wald verlaufe sich der Graue.
Drum hängt er ihm ein Glöcklein um den Nacken.
Gleich bläst mein Eslein auf die Backen
und wirft sich in die Brust – nun schaue!
Er hatte wohl so was gehört von Orden
und dünkte sich ein großer Herr geworden.
Doch ward der neue Schmuck sein schlimmster Feind –
nicht bloß für Esel lehrreich, wie mir scheint.
Ich kann es nämlich nicht verhehlen,
das Pflichtgefühl des Esels war nicht groß;
doch schadete ihm nie das bißchen Stehlen,
bevor das Glöcklein seinen Hals umschloß.
Im Küchengarten und im Korn
verzehrte er so Kraut und Dorn
und schlich sich fort, wenn er sich satt gefressen.
Jetzt fiel die Sache anders aus:
Sobald ins Feld den Fuß nur setzt der Daus,
so klingelt ohne Unterlaß
der neue Schmuck, die Glocke.
Nun, da versteht der Bauer keinen Spaß,
er greift zum Stocke
und jagt das Vieh aus Korn und Beeten;
und als der Nachbar das Gebimmel hört,
hat er ihm neue Prügel gleich beschert.
So ist der arme Esel sehr in Nöten;
er, der auf seine Würde wollte pochen,
war bis zum Herbste nur noch Haut und Knochen.

Die Fabel zu erläutern ist mir Pflicht.
Mit Leuten, die im Amt sind, geht es ähnlich:
Derweil ihr Rang noch unansehnlich,
tritt auch der Schelm nicht grell ans Licht.
Ein hoher Rang beim Schelm ist gleich der Schelle,
die weithin tönt und helle.

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