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Iwan Andrejewitsch Krylow: Fabeln - Kapitel 8
Quellenangabe
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typelegend
authorIwan Andrejewitsch Krylow
titleFabeln
publisherVerlag Philipp Reclam jun. Leipzig
seriesReclams Universal-Bibliothek
volumeBand 143
printrun5. Auflage
year1976
firstpub1874
translatorFerdinand Löwe
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100318
modified20170607
projectidb7f4ecb8
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7. Die Meise

Zum Meere ließ hernieder sich die Meise
und prahlte abgeschmackterweise,
daß sie das Meer verbrennen werde.
Rasch flog die Kunde um die Erde.
Die Fische stutzen, schreckerfüllt,
die Vögel fliegen her in Scharen –
aus Wäldern rennt herbei das Wild,
um zu erfahren,
wie denn das Meer und ob es lodernd brennt?
Gelockt durch Famas Ruf, der windesschnellen,
erschienen, sagt man, lüsterne Gesellen
mit Löffeln als die ersten an dem Strand
beim Element!
Sie wollen gleich die Suppe durchprobieren.
Solch eine Brühe konnte wohl im Land
kein Branntweinpächter je servieren
den Herren Sekretären
zu Ehren.
Man drängt sich, alles lauscht gespannt,
lautlos, den Blick aufs Meer gewandt.
Bisweilen nur hört man ein Flüstern:
»Jetzt fängt es an,
es kocht, mich dünkt, ich hör' es knistern.«
Allein die Zeit verrann,
und da das Meer nicht kocht und auch nicht brennt,
so hat man lachend sich getrennt.
Das große Gaukelspiel war aus.
Die Meise zog beschämt nach Haus,
nachdem sie Aufsehn zwar geweckt,
jedoch kein Meer in Brand gesteckt.

Hier wird ein Wort sich noch geziemen –
Anzüglichkeiten bring' ich nicht:
Man leiste doch darauf Verzicht,
mit unvollbrachten Dingen sich zu rühmen.

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