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Iwan Andrejewitsch Krylow: Fabeln - Kapitel 78
Quellenangabe
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typelegend
authorIwan Andrejewitsch Krylow
titleFabeln
publisherVerlag Philipp Reclam jun. Leipzig
seriesReclams Universal-Bibliothek
volumeBand 143
printrun5. Auflage
year1976
firstpub1874
translatorFerdinand Löwe
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100318
modified20170607
projectidb7f4ecb8
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77. Der Wolf und das Mäuslein

Aus einer Herde schleppte Isegrim
ein Lamm fort in sein Waldversteck.
Nun – Gastlichkeit war nicht sein Zweck;
es ging dem armen Lamme schlimm,
der Wolf zerriß es
und fraß es auf mit heißer Gier –
die Knochen krachten schier,
zermalmt vom Druck des Wolfsgebisses.
Jedoch, wie sehr er immer mochte schlingen,
er konnte alles nicht bezwingen;
so ließ er dies und jenes Stück
sich für sein Vesperbrot zurück.
Dann streckt er sich behaglich aus,
sich zu erholen von dem fetten Schmaus.
Nun hatte in der Näh' ein Mäuslein
sein Häuslein.
Das Mäuslein riecht das Fleisch und kommt herausgehüpft,
schleicht sacht durch Moos und Busch,
packt einen Lappen Fleisch, und husch
ist es damit zurückgeschlüpft.
Der Wolf gewahrt den Raub mit Grimme
und heulet durch den Wald
mit heisrer Stimme:
»Zu Hilfe kommt, ihr Leute!
Ein Dieb! Halt, halt,
fangt ihn, entreißt ihm seine Beute!
Man plündert mich verwegen,
man raubt mir mein Vermögen!«

So was passiert nicht bloß in Waldgehegen.
Dem Richter Klimytsch nahm einmal
ein Dieb die Uhr – da hört man jenen wüten:
»Setzt nach, packt mir den Schurken, der sie stahl,
er mag sich hüten!«

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