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Iwan Andrejewitsch Krylow: Fabeln - Kapitel 73
Quellenangabe
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typelegend
authorIwan Andrejewitsch Krylow
titleFabeln
publisherVerlag Philipp Reclam jun. Leipzig
seriesReclams Universal-Bibliothek
volumeBand 143
printrun5. Auflage
year1976
firstpub1874
translatorFerdinand Löwe
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100318
modified20170607
projectidb7f4ecb8
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72. Der Verschwender und die Schwalbe

Ein lustiger Kumpan
kam einst durch eine Erbschaft zu Vermögen.
Er lebte nun in Saus und Braus,
so daß der ganze Segen
in kurzem war vertan.
Nur einen dicken Pelz behielt er noch im Haus,
und zwar,
weil's grade Winter war
und der Gesell die strenge Kälte scheute.
Doch als er endlich eine Schwalbe sieht,
verkauft er auch den Pelz, da alle Leute
wohl wissen, daß die Schwalbe zu uns zieht,
wenn Frühling schon im Anzug ist.
›Den Pelz‹, denkt er, ›brauch' ich nicht mehr zu dieser Frist;
wozu die Mummerei, wenn linde Lüfte
schon wehen auf der Flur,
der Frost gescheucht ist in des Nordens Schlüfte?‹
Hier war von Logik eine Spur –
hätt' er nur auch das Sprichwort noch bedacht,
daß eine Schwalbe keinen Sommer macht.
Und wirklich kommen wieder Fröste
als ungebetne Gäste.
Es knirschen auf dem festen Schnee die Fuhren,
in Säulen steigt der Rauch, die Fensterscheiben
bedecken sich mit schönen Eisfiguren,
der Winter lasset sich noch nicht vertreiben.
Den Freund quält sehr der Frost, er kann der Zähren
sich nicht erwehren.
Die Schwalbe aber, diesen Frühlingsboten,
sieht er im Schnee erfroren.
Da spricht er zähneklappernd zu der Toten:
»Unselige, dich hast du aufgerieben,
und ich, der dein Prophetentum beschworen,
bin sehr zur Unzeit ohne Pelz geblieben.«

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