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Iwan Andrejewitsch Krylow: Fabeln - Kapitel 40
Quellenangabe
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typelegend
authorIwan Andrejewitsch Krylow
titleFabeln
publisherVerlag Philipp Reclam jun. Leipzig
seriesReclams Universal-Bibliothek
volumeBand 143
printrun5. Auflage
year1976
firstpub1874
translatorFerdinand Löwe
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100318
modified20170607
projectidb7f4ecb8
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39. Die Fliege und die Reisenden

Es war um Mittag in den Julitagen,
wo man vor Hitze schier verschmachtet,
da sah man einen alten Reisewagen,
mit vielerlei Gepäck befrachtet
und auch mit 'ner Familie von Stand,
sich mühsam schleppen durch den tiefen Sand.
Wohl war mit vieren er bespannt,
allein es ging bergauf,
und fruchtlos quälen sich die armen Gäule.
Vergebens hieb der Kutscher drauf,
das Fuhrwerk stand nach einer Weile.
Der Kutscher springt vom Bock,
winkt dem Lakai, und nun zu zwein
haun sie mit Peitsche und mit Stock
von beiden Seiten auf die Tiere ein.
Umsonst. Man sagt sich jetzt, daß die Karosse
frei werden muß vom Menschentrosse.
Der Junker drum, der wohlbeleibte Vater,
steigt aus, dann Frau und Tochter, dann der Sohn,
zuletzt der Informator.
Zwar rührt sich nun der Wagen schon,
allein er war noch immer überpackt.
Die Pferde keuchen –
wie wird die Höhe man erreichen?
Von ungefähr nimmt eine Fliege wahr,
wie man sich plackt,
und ihr ist auf der Stelle klar,
daß hier geholfen werden müsse.
sie summt und brummt, so laut sie kann,
trotz Wespe und Hornisse;
umschwirret das Gespann, als ob sie rase,
und sticht den Pferden wacker in die Nase.
Bald sitzt sie auf dem Kutscherbock,
dann wieder auf des Junkers Rock,
und ist so rührig
wie nur ein flinker Käufer auf der Messe.
Nur wundert sie's, daß man vergesse,
ihr beizuspringen, da das Werk doch schwierig.
Die Diener schlendern sorglos, schwatzen, schrein,
den Lehrer hört man mit der Dame flüstern,
der Junker aber, welcher ganz vergißt,
wie wichtig er zum Schutz der Ordnung ist,
schlüpft mit der Dienstmagd in den Wald hinein –
weshalb? Er war nach Pilzen lüstern
fürs Abendessen.
Indessen
klagt ihnen allen summend unsere Fliege,
daß alles nur auf ihren Schultern liege.
Inzwischen hatten doch die Rößlein sacht
die Kutsche auf den glatten Weg gebracht.
»Na«, ruft die Fliege, »Gott sei Dank,
setzt euch nur wieder ein, fahrt zu,
mir aber gönnet jetzt auch Ruh;
ich bin ganz krank,
und meine Flügel wollen kaum mich tragen.«

Es gibt auch solche Menschen viel:
Sie mengen eifrig sich in andrer Spiel
und sollten doch, ob man sie braucht, erst fragen.

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