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Iwan Andrejewitsch Krylow: Fabeln - Kapitel 28
Quellenangabe
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typelegend
authorIwan Andrejewitsch Krylow
titleFabeln
publisherVerlag Philipp Reclam jun. Leipzig
seriesReclams Universal-Bibliothek
volumeBand 143
printrun5. Auflage
year1976
firstpub1874
translatorFerdinand Löwe
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100318
modified20170607
projectidb7f4ecb8
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27. Die junge Krähe

Ein Aar flog nieder aus der Höhe
auf eine Herde – griff ein Schaf heraus.
Der Anblick reizte eine junge Krähe,
sich auch zu holen einen Schmaus.
Sie ist von diesem Plane so begeistert,
daß sie den Adler meistert.
»Warum denn nahm ein Schaf er bloß?
Wenn man schon raubt, so tut man es nicht halb.
Was ist an einem Schafe groß?
Ja, wär' es noch ein Kalb!
Ich werde sicher nicht verfehlen,
ein königliches Stück mir auszuwählen.«
Bald schwebt auch unsre Krähe ab zur Herde
und mustert sie mit gieriger Gebärde.
Von all den Schafen, Hammeln, Böcken,
die durcheinander meckern, blöken,
ersieht nach langem Prüfen und Vergleichen
sie einen Schöps sich ohnegleichen.
Das Tier, war stämmig, feist vom Fressen
und stark genug, mit Wölfen sich zu messen.
Die Kräh' visiert, fährt dann hinunter schnell
und gräbt sich mit den Krallen in sein Fell.
Da sieht sie freilich, daß das Ding nicht fleckt,
der Schöps steht fest, und was sie mehr erschreckt,
es war sein Haar
so dicht, so wollig, so verzottelt gar,
daß unsre schwarze Freundin ihre Krallen
heraus nicht bringen kann
und endlich selber muß in Knechtschaft fallen.
Die Hirten kamen bald heran
und lösten sie, doch um am Fliegen sie zu hindern,
da stutzten sie die Flügel ihr
und überließen so das Tier
zum Spiel den Kindern.

Es kommt nicht selten auch bei Menschen vor,
daß so ein Schelme aus dem großen Haufen
den noblen Schelm zum Vorbild sich erkor.
Doch: »Kleine Diebe hängt man, große läßt man laufen.«

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