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Iwan Andrejewitsch Krylow: Fabeln - Kapitel 27
Quellenangabe
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typelegend
authorIwan Andrejewitsch Krylow
titleFabeln
publisherVerlag Philipp Reclam jun. Leipzig
seriesReclams Universal-Bibliothek
volumeBand 143
printrun5. Auflage
year1976
firstpub1874
translatorFerdinand Löwe
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100318
modified20170607
projectidb7f4ecb8
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26. Der Wagenzug

Ein Wagenzug mit Töpferwaren
hielt einst auf einem steilen Abhang still.
Der Eigner will
den ersten Wagen sacht hinunterfahren,
derweil die andern warten auf der Höhe.
Schier auf dem Rücken trug sein wackres Pferd die Last,
damit nicht jähe
das Fuhrwerk abwärts rast.
Darüber spottet jetzt da oben
ein jugendliches Pferd gar keck:
»Wie albern, solchen Gaul zu loben,
der Wagen kommt ja nicht vom Fleck,
schiebt langsam sich, wie eine Krebsgestalt,
und wär' doch gleich an einen Stein geprallt.
Das geht ja schief und krumm! Sei doch nur dreister!
Da, abermals ein Stoß – ich hab's gewußt –,
du bist kein Meister,
du hättest ja mehr links gemußt,
du Esel! Wär's noch an des Berges Schwelle
und wär' etwa die Nacht dran schuld –
doch so, bergab, bei Tageshelle,
da reißt mir denn doch die Geduld.
Schlepp Wasser lieber, dumme Stute!
Gib acht, wie unsereins es macht:
In der Minute
hab' meine Fuhre ich zu Tal gebracht.«
Jetzt krümmt das Tier den Rücken, streckt die Brust
in mutiger Erregung,
die Nüstern schnauben heiße Lust.
Doch kaum setzt es den Wagen in Bewegung,
so drängt die Schwere wuchtig nach.
Das Pferd gedrückt, gestoßen,
fängt an sich zu erbosen,
und jach
saust es davon, als ritten es Hornissen.
An Felsenkanten und in Wasserrissen
wird nun das Tier herumgerissen –
jetzt immer weiter links gezerrt – pardauz!
Im Graben liegt der tolle Kauz
ganz kirre,
um ihn herum die Scherben vom Geschirre.

Wie viele Menschen haben diese Schwäche!
Was andre tun, dünkt ihnen niemals recht,
doch, wenn sie selbst dran gehn, wird's doppelt schlecht,
und selber zahlen sie die Zeche!

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