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Iwan Andrejewitsch Krylow: Fabeln - Kapitel 13
Quellenangabe
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typelegend
authorIwan Andrejewitsch Krylow
titleFabeln
publisherVerlag Philipp Reclam jun. Leipzig
seriesReclams Universal-Bibliothek
volumeBand 143
printrun5. Auflage
year1976
firstpub1874
translatorFerdinand Löwe
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100318
modified20170607
projectidb7f4ecb8
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12. Der Adler und die Hennen

Der Tag war schön:
Um sich so recht daran zu laben,
schwang sich ein Adler auf zu jenen lichten Höhn,
wo Blitze ihre Heimat haben.
Drauf schwebt er aus den Wolken wieder
herab auf eine Darre, um zu ruhn.
Für einen Aar ist solch ein Sitz zwar nieder,
doch seltsam ist ja oft der Fürsten Tun.
Vielleicht will er der Darre Ehre tun damit,
vielleicht daß ringsumher kein Sitz sich beut,
der würdig wäre seiner Fürstlichkeit –
nicht Eichen und kein Urfels von Granit.
Wie dem auch sei, er saß nicht lange dort
und flog auf eine andre Darre fort.
Das wurde eine Henne jetzt gewahr,
die sagte spöttisch zu der Nachbarin:
»Warum wohl steht im Ansehn so der Aar?
Wenn mir es käme in den Sinn,
so flög' ich auch von Darre noch zu Darre.
Die Adler höher stellen als uns Hennen,
das kann doch nur ein ausgemachter Narre.
Aus welchem Grund den Vorzug ihnen gönnen?
Sie haben nicht mehr Füße, nicht mehr Augen,
und du hast selbst dich überzeugt,
daß sie auch nur zu niederm Fluge taugen.«
Zu solchem Wahngeschwätz der Adler nimmer schweigt.
»Du hast wohl recht«, sagt er, »doch nur zum Teile.
Es trifft sich wohl, daß einen Aar sein Flug
noch niedriger, als Hennen steigen, trug –
doch fliegen Hennen nie zur Felsensteile.« –
Willst du die Größe des Talents bestimmen,
so hefte ängstlich dich an seine Schwächen nicht:
Empfinde mit, was kräftig aus ihm spricht,
und suche seine Höhen zu erklimmen.

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