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Edward Bulwer-Lytton: Eugen Aram - Kapitel 27
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Lytton Bulwer
titleEugen Aram
publisherHalle a. d. S. Druck und Verlag von Otto Hendel
translatorFriedrich Notter
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectide45e0e22
created20070313
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Fünftes Kapitel.

Nie Schwestern allein. – Liebesgeschwätz. – Ein Schreck – und ein Ereignis.

Julia. Zu solcher Höh' wuchs meiner Liebe Schatz,
Daß ich die Hälfte nicht vermag zu zählen.
Romeo und Julie.

Eros. Ha, ein Mann in Waffen;
Ja, mit gezognem Schwert!
Die Falsche.

Die beiden Schwestern hatten die Gewohnheit, in ihrem Schlafzimmer noch zu einem Gespräch beisammen zu sitzen, das oft wohl stundenlang dauerte, ehe sie zu Bett gingen. Wirklich war dies die Zeit, wo sie sich ihre kleinen Geständnisse machten, über ihre gegenseitigen Hoffnungen, ihre Pläne für die Zukunft sich verbreiteten, wie denn diese immer den Hauptteil in den Gedanken und Unterredungen der Jugend ausmachen. Ich weiß nichts Lieblicheres in der Welt, als solche Mitteilungen zwischen zwei Wesen, die einander keine andere Heimlichkeit zu offenbaren haben, als was frisch aus der Quelle einer schuldlosen Seele entspringt – die reinen, schönen Geheimnisse einer unbefleckten Natur, die zu belauschen dem Herzen so wohl thut. Im Gefühl, wie dürr uns selbst die Welt gemacht hat, dünkt es uns dann wie ein Wunder, daß so viel vom tauigen Schimmer des Lebens in den Winkeln und Thälern zurückgeblieben ist, welche vor der Berührung der Sonne und der Menschheit sich bis jetzt noch jungfräulich bewahrt haben.

Die Schwestern waren diesen Abend noch außergewöhnlich munter. Madeline saß am kleinen helllodernden Kamin in ihrem Nachtgewand, und Ellinor, die stolzer auf die Schönheit der Schwester als auf die eigene war, knüpfte die glänzenden Haare auf, die in üppiger Fülle über Madelines Nacken und Schultern fielen.

»Gewiß gab es nie ein so schönes Haar!« sagte Ellinor bewundernd: »und laß sehen – ja – von Donnerstag über vierzehn Tage ordne ich's dir vielleicht zum letztenmal; – he da?«

»Schmeichle dir nicht, so nahe am Ende deines beschwerlichen Amtes zu sein,« erwiderte Madeline mit ihrem lieblichen Lächeln, das in neuerer Zeit viel holder und häufiger geworden als zuvor, und Lester zu der Bemerkung veranlaßt hatte, Madeline scheine jetzt wirklich die leichtlebigere, frohere von den beiden.

»Du wirst oft zu uns kommen und wochenlang bei uns bleiben, wenigstens bis – bis du ein doppeltes Recht hast, hier die Hausfrau zu machen. O! o! mein armes Haar – reiß mich doch nicht so!«

»So sei ruhig!,« sagte Ellinor, halb lachend und ganz errötend.

»Glaube mir, ich habe nicht selbst geliebt, ohne die Zeichen der Liebe kennen zu lernen, und ich wage die Prophezeiung, daß du innerhalb eines halben Jahres zu mir kommen wirst, um mich zu Rat zu ziehen, ob du dich entschließen sollst – denn es läßt sich freilich gar manches dafür und dawider sagen – ob du dich entschließen sollst, deine eigene Neigung, zum Opfer zu bringen und Walter Lester zu heiraten; – ach Gnade, Gnade! reiß nicht so, Lorchen – «

»Wenn du still sein willst.« »Ich will, ich will, aber du hast angefangen.«

Als Ellinor nunmehr ihre Arbeit beendet hatte, küßte sie die Stirn der Schwester, und seufzte tief.

»Glücklicher Walter!« sagte Madeline.

»Nicht um Walter seufzte ich, sondern um deinetwillen.«

»Um meinetwillen? Unmöglich! Ich kann mir nichts in meinem künftigen Leben denken, das dich einen Seufzer kosten sollte. Ach daß ich dieser Seligkeit nur mehr wert wäre.«

»Nun denn,« sagte Ellinor, »so hab' ich für mich selbst geseufzt; – ich seufzte, daß wir uns so bald trennen werden, und daß die Fortdauer unseres Umgangs dann nicht mehr von deiner Liebe, sondern von dem Willen eines andern abhängen wird.«

»Was, Ellinor, und kannst du glauben, Eugen – mein Eugen, werde dich nicht eben so warm willkommen heißen, als mich selbst? Ach, du verkennst ihn; du hast freilich noch nicht erfahren, welch ein zärtliches Herz unter all diesem Trübsinn, dieser Zurückhaltung verborgen liegt.«

»Ich fühle wohl,« sagte Ellinor warm, »daß ein Mensch, den du liebst, unmöglich anders als höchst gut und edel sein kann; doch wenn diese Zurückhaltung mit den Jahren zunehmen sollte, wie das wenigstens möglich ist: – wenn unsere Gesellschaft ihm wieder unangenehm werden sollte, wie sie es schon einmal war, könnte ich dich da nicht verlieren?«

»Kann doch seine Zurückhaltung nicht zunehmen! Bemerkst du nicht, wie sehr sie sich schon jetzt vermindert hat? Nein, sei versichert, daß ich sie wegzaubern will.«

»Aber was ist Ursache des Trübsinns, der selbst jetzt noch von Zeit zu Zeit augenscheinlich auf ihm lastet? Hat er sie dir nie aufgedeckt?«

»Lediglich die frühzeitige, nun schon so lange bei ihm dauernde Gewöhnung an Einsamkeit und wissenschaftliche Beschäftigung,« erwiderte Madeline. »Und soll ich dir's gestehen, ich wünsche diesen Zug kaum aus ihm weg; seine Zärtlichkeit selbst scheint mit seiner Schwermut verwachsen zu sein. Ist sie doch wie eine traurige, aber sanfte Musik, welche Thränen in die Augen lockt, Thränen!, die wir um die Welt gegen keine fröhlichere Weise vertauschen möchten.«

»Ja, ich muß gestehen,« sagte Ellinor mit einigem Zögern, »daß ich mich über deine Bezauberung nicht mehr wundere; ich kann dich jetzt nicht mehr wie ehedem schelten; es ist wirklich etwas in seiner Stimme, seinem Blick, das unwiderstehlich ins Herz dringt, und es giebt Zeiten, wo mir sein Gesicht, wenigstens was Auge und Stirn anbelangt, schöner, ausdrucksvoller erscheint, als irgend eines, das ich sah. Für dich mag es zudem besser sein, daß dein Geliebter nicht mehr in der ersten Jugendblüte steht. Für deine Natur scheint ebensosehr die Verehrung als die Liebe Bedürfnis zu sein; ich habe beim Gebet oft bemerkt, daß du besonders von solchen Stellen hingerissen und über dich selbst hinausgetragen zu werden schienest, die vor andern zur Erhebung zu Gott, zum Gefühl eines höheren Wesens rufen.«

»Ja, meine' Liebe,« rief Madeline mit Wärme aus, »ich gestehe, das Eugen von allen Menschen, die mir nicht nur im Leben vorgekommen, sondern von welchen meine Träume, meine Phantasie je ein Bild entwarfen, derjenige ist, den ich am meisten zu lieben und hochzuschätzen fähig bin. Sein Schatz von Wissen, aber mehr noch als dieser die erhabene Stimmung seines Gemüts bringt mir das Höchste und Beste in meiner eigenen Natur zum Bewußtsein. Ich fühle mich erhoben, wenn ich auf ihn höre; – und doch, wie sanft ist er bei diesem Adel seiner Seele! Ach daß er sich herablassen kann, mich zu lieben und mich so zu lieben! Es ist, als trete ein Stern aus seinem Kreise!«

»Horch, ein Uhr,« rief Ellinor, als der tiefe Ton der Glocke die erste Morgenstunde verkündete. »Himmel, wie der Sturm immer lauter wird und was für schwere Tropfen er ans Fenster jagt! Unsere armen Wächter draußen! aber sei versichert, daß der Vater recht hat und jetzt alle geborgen zu Haus sind. Auch zweifle ich wirklich, ob selbst Räuber bei solchem Wetter draußen herumstreifen!«

»Ich habe gehört,« sagte Madeline, »Räuber wählten in der Regel gerade solche dunklen, stürmischen Nächte zu ihren Unternehmungen, aber ich gestehe, daß ich keine sonderliche Angst fühle und er ist ja im Hause. Rück' näher ans Feuer, Ellinor; ist es nicht eine Lust, auf seine heitere Flamme zu sehen, während draußen der Sturm heult! Sie ist wie meines Eugens Seele, leuchtend und einsam in dem Lärm und der Finsternis dieser ruhelosen Welt!«

»Da sprach er selbst,« entgegnete Ellinor lächelnd, indem ihr hier zum erstenmal auffiel, wie liebende Frauen stets den Ton des Geliebten nachahmen. Madeline fühlte es ebenfalls und auch sie lächelte.

»Bst!« flüsterte plötzlich Ellinor, »hörst du nicht unten ein leises Geräusch, als ob etwas kratzte? Hui, jetzt läßt dir der Wind den Laut nicht zukommen; aber horch, horch! – der Sturm läßt etwas nach – da ist es schon wieder!«

»Ja, ich hör' es,« sagte Madeline erblassend, »es scheint im kleinen Wohnzimmer; immerfort ein scharfes, aber ganz leises Geräusch. Gerechter Gott! es scheint am Fenster unten.«

»Es ist wie eine Feile,« raunte ihr Ellinor zu, »vielleicht –«

»Du hast recht,« sagte Madeline und sprang auf, »es ist eine Feile an den Eisenstäben, die der Vater gestern vor dem Fenster angebracht hat. Komm mit, wir wollen Lärm machen.«

»Nein, nein, um Gottes willen, sei nicht so verwegen.« rief Ellinor, alle Geistesgegenwart verlierend, »horch, der Ton hört auf, es ist ein lauteres Geräusch unten – und Fußtritte! Wir wollen die Thür verschließen.«

Aber Madeline war von jener schönen, hohen Gemütsart, die sich beim Herannahen der Gefahr starker fühlt. Sie suchte die Schwester so gut sie konnte zu beruhigen, bis sie fand, daß ihre Bemühungen gänzlich umsonst waren; gleichwohl ergriff sie das Licht mit fester Hand, öffnete die Thür und eilte, von Ellinor, die sich fest an sie klammerte, gefolgt, über den obern Flur nach ihres Vaters Zimmer, das auf der entgegengesetzten Seite der Treppe lag. Arams Gemach war am äußersten Ende des Hauses. Bevor sie jedoch Lesters Thür noch erreichte, wurde der Lärm unten laut und deutlich – Handgemenge – Stimmen – Flüche – und jetzt der Knall einer Pistole! – Im nächsten Augenblick war das ganze Haus auf den Beinen. Lester in seinem Schlafrock, einen Degen in der Hand, die langen grauen Haare nach hinten flatternd, war der erste, der zum Vorschein kam; die Dienerschaft, alt und jung, männlichen und weiblichen Geschlechts, drängte sich zugleich von allen Seiten herbei; und in gesammeltem Zuge, Lester einige Schritte voran, seine Töchter zunächst nach ihm, stürzten sie nach dem Zimmer, woher der Lärm gekommen, und wo es jetzt plötzlich wieder still geworden.

Das Fenster war, augenscheinlich, mit Gewalt, geöffnet, ein Werkzeug nach Art eines Keils, das in dem Schreibtisch stak, worin sich Lesters Geld befand, schien dort gelassen worden zu sein, als hätte man den, welcher es gebrauchen wollte, noch vor Ausführung seiner Absicht verscheucht; der einzige lebendige Zeuge, Aram, stand völlig angekleidet, mitten in der Stube, eine Pistole in der linken, einen Degen in der rechten Hand; ein entzweigehauener Knüttel lag zu seinen Füßen und wenige Schritte von ihm, gegen das Fenster zu, deuteten noch warme Blutstropfen an, daß die Pistole nicht vergebens abgeschossen worden.

»Sind Sie es, edler Freund, dem ich unsere Rettung zu danken habe?« rief Lester mit großer Bewegung.

»Du, Eugen?« wiederholte Madeline und sank an seine Brust.

»Aber den Dank nachher« fuhr Lester fort, »laßt uns ihnen nach – der Schurke ist vielleicht von Ihrer Kugel geblieben?«

»Ha!« flüsterte Aram, der bisher für alles, was um ihn her vorging, bewußtlos gewesen zu sein schien, so starr war sein Auge, so blaß seine Wange, so regungslos seine Stellung – »ha! meinen Sie? – Denken Sie. ich hätte ihn getötet? – Nein, es kann nicht sein – die Kugel tötete nicht; ich sah ihn taumeln, aber er raffte sich wieder auf – nicht wie einer, der eine tötliche Wunde erhält! – Ha! ha! – Da ist Blut, sagen Sie, das ist wahr; aber was mehr? – Nicht gleich die erste Wunde tötet; man muß noch einmal treffen. – Pah! pah! was ist ein wenig Blut!«

Während er so leise vor sich hin sprach, waren Lester und die rüstigeren von der Dienerschaft schon durchs Fenster gesprungen; aber die Nacht war so ausnehmend dunkel, daß sie keinen Schritt weit vor sich sahen. Lester, der deshalb nach wenigen Minuten zurückkehrte, bemerkte, wie Arams dunkles Auge mit einem unbeschreiblichen Ausdruck von Angst ihm entgegenstarrte.

»Sie haben keinen gefunden?« fragte er, »keinen Sterbenden? – Ha! gut – gut – gut! Beide müssen entkommen sein die Nacht muß sie wohl retten!«

»Glauben Sie, der Schurke sei gefährlich verwundet?«

»Nein – ich hoffe nicht; er schien im stande zu – aber halt – o Gott! – halt! – Ihr Fuß tritt in Blut – Blut durch mich vergossen – weg, weg!«

Lester trat mit einem plötzlichen Schauder auf die Seite, als er wahrnahm, daß seine Füße den alten geglätteten Eichenboden wirklich mit Blut beschmierten. Indem er vorwärts schritt, strauchelte er gegen eine Blendlaterne, worin das Licht noch immer brannte. Die Räuber hatten sie bei ihrer Flucht zurückgelassen.

»Ja,« sagte Aram, indem sein Blick auf dieselbe fiel, »bei diesem – ihrem eigenen Licht sah ich sie – sah ihre Gesichter – und – und –« (in ein lautes, wildes Gelächter ausbrechend) beide waren Fremde.«

»Ja, das dacht' ich mir wohl,« erwiderte Lester, indem er das Instrument aus dem Schreibtisch losrüttelte; »ich wußte wohl, daß es keine Leute aus Grünthal sein konnten. Wer glauben Sie wohl, daß sie gewesen? Aber – guter Gott! Madeline – was giebt's? zu Hilfe! – Aram, sie ist vor Ihnen ohnmächtig niedergesunken.«

Wirklich war es merkwürdig, daß Aram, so ganz in sich selbst verloren dagestanden, daß ihm nicht nur Madelines Hereinkommen entging, sondern er sogar nicht bemerkt hatte, wie sie sich an seine Brust warf. Überwältigt von ihren Empfindungen war sie von dieser ersten Ruhestätte auf den Boden gesunken und lag ohnmächtig da, was in der allgemeinen Verwirrung Lester jetzt zuerst bemerkte.

Bei diesem Ruf, beim Schall von Madelines Namen, strömte das Blut von Arams Herzen, wo es sich kalt und fast gerinnend gesammelt hatte, wieder zurück und, mit einem Mal wieder gänzlich zu sich selbst gekommen, kniete er nieder, schlang seine Arme um sie, legte ihren Kopf an seine Brust und rief sie mit den zärtlichsten, rührendsten Ausdrücken. Sobald ein schwaches Rot ihre Wangen wieder färbte und ihre Lippen sich bewegten, drückte er einen langen Kuß auf diese Wangen, diese Lippen, und räumte sofort seinen Platz Ellinor ein. Errötend zog diese das Kleid über den schönen Busen der Schwester, von welchem es sich etwas verschoben hatte, und bat sofort jedermann außer den weiblichen Hausgenossen, sich zu entfernen, bis Madeline wieder zu sich gekommen sei.

Begierig, den nähern Bericht seines Gastes anzuhören, nahm daher Lester den Gelehrten mit in sein eigenes Zimmer, wo dieser ihm die einzelnen Umstände erzählte.

In dem Argwohn – der denn auch der Hauptgrund gewesen, womit er sich bei sich selbst über seine Nachgiebigkeit gegen Madelines Bitten entschuldigt hatte – in dem Argwohn, daß die Leute, welche Lester und ihm auf dem Abendspaziergang begegnet waren, denn doch etwas Anderes, als was sie schienen, sein dürften, und in der Besorgnis, sie möchten Lesters Mitteilung an ihn, hinsichtlich der Geldsumme in seinem Hause und des Ortes, wo dieselbe lag, gehört haben, war er angekleidet geblieben und hatte die Zimmerthür offen gelassen, um sogleich auf jedes Geräusch aufmerksam zu werden. Sein feiner Gehörsinn, dessen wir schon oben gedacht, hätte ihm auch wirklich das Geräusch der Feile in den Eisenstangen, trotz der weiten Entfernung seines Gemachs von jener Stelle, noch früher bemerkbar gemacht, als selbst Ellinor, und mit dem Degen in der Hand, den man in seinem Zimmer gelassen (die Pistole gehörte ihm selbst), war er in den untern Raum hinabgestiegen.

»Wie,« rief Lester, »ohne Licht?«

»Ich bin an die Dunkelheit gewöhnt,« sagte Aram; »am Rande eines Abgrunds könnte ich in der finstersten Nacht ohne einen Fehltritt hingehen, wenn ich nur ein einziges Mal des Weges gekommen wäre. Indessen gelangte ich doch erst in das Zimmer, als das Fenster bereits erbrochen, und beim Licht der Blendlaterne, die einer von ihnen trug, erblickte ich zwei Männer am Schreibtisch – das übrige können Sie sich vorstellen. Mein Sieg war leicht, denn von einem Streich Ihres guten Pallasch flog der Knüttel, den der eine nach mir schwangt entzwei, und meine Pistole befreite mich von dem andern – damit endet meine Geschichte.«

Lester überhäufte ihn mit Dank und Lobpreisungen, aber Aram, der denselben gern entgehen wollte, eilte fort, um nach Madeline zu sehen. Oben auf der Treppe traf er sie auf Ellinors Arm gelehnt; und immer noch blaß.

Sie gab ihm die Hand, die er einen Augenblick leidenschaftlich an seine Lippen drückte, aber schon im nächsten mit Entsetzen und Schauder in seinen Mienen fahren ließ. Mit der hastig hingeworfenen Bemerkung, daß er sie nicht von einer Ruhe abhalten wolle, die so sehr Bedürfnis für sie sein müsse, wandte er sich von ihr und stieg die Treppe hinab. Dort standen einige von der Dienerschaft um den Ort, wo er die Räuber angegriffen hatte, her; er trat in das Zimmer und fuhr beim Anblick des Blutes von neuem zusammen.

»Wasser her,« rief er gebieterisch, »wollt ihr das Blut gerinnen und in die Bretter hineinfaulen lassen, daß es Aug' und Herz mit seinem scheußlichen, unverwischbaren Fleck erschreckt? – Wasser! sag' ich, Wasser!«

Sie eilten ihm zu gehorchen. Als Lester ins Zimmer kam, damit die entstandene Öffnung mit Hilfe von Brettern und dergleichen wieder verschlossen würde, sah er, wie der Gelehrte sich über die Mägde, welche ihre Arbeit mit einigem Widerwillen vollzogen, herbeugte und sie mit erhobener, rauher Stimme über die Eile ausschalt, womit sie, wie er ihnen vorwarf, das Geschäft nur obenhin abmachen wollten.

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