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Edward Bulwer-Lytton: Eugen Aram - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Lytton Bulwer
titleEugen Aram
publisherHalle a. d. S. Druck und Verlag von Otto Hendel
translatorFriedrich Notter
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectide45e0e22
created20070313
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An Sir Walter Scott,

Baronet.

Verehrter Herr!

Ich habe mich lange mit der mir von meinem Ehrgeiz eingegebenen Hoffnung getragen, den reichen und zahllosen Gaben, die auf den Altar Ihres Genius niedergelegt wurden, meinen schwachen Tribut beizufügen. So oft ich der Welt ein neues Buch darbot, weilte ich eine Zeitlang bei der Betrachtung, ob dasselbe würdig sei, mit Ihrem großen Namen geschmückt zu werden, und jedesmal schob ich die Sache hinaus, in Aussicht auf jenen Tag besser begründeten Verdienstes, der nie kam. Nun ich aber bei einem Werke angekommen bin, das die Reihe schließt, welche ich von Anfang an im Auge hatte, ist dies vielleicht die einzige mir noch offenstehende Gelegenheit, Ihnen jene hohe, gerechte, warme Bewunderung auszudrücken, die Sie mir, wie allen meinen Zeitgenossen, eingeflößt haben, und welche ein französischer Schriftsteller so anmutig »die glücklichste Prärogative des Genies« genannt hat. So ergreife ich denn diese Veranlassung, nicht als die beste, sondern um die letzte nicht zu verlieren. Ihr Ruhm als Dichter und als Erzähler hat jene Höhe erreicht, auf welcher das Lob überflüssig wird; aber hier eben scheint mir im Charakter des Schriftstellers em noch höherer Grund zur Verehrung zu liegen, als in dem seiner Schriften. Wer kann das Beispiel zu erreichen hoffen, das Ihr Genius uns giebt? – Wer das Beispiel vergessen, das Ihre Mäßigung uns hinterläßt? Es ist eine große Lehre für alle, die selbstthätig auf die Litteratur einwirken, einen vor sich zu haben, der bei der Gewinnung seines Ruhms den Neid endlich besiegt hat, und wie ohnegleichen so auch ohne Verkleinerer dasteht.

Sie haben uns auf einige Zeit verlassen; aber welches Herz wird Ihnen nicht, eben wegen dieser Abwesenheit und der Gründe, welche man für dieselbe angiebt, mit Empfindungen, die das Andenken fast ebensosehr zur Pflicht als zur Lust machen, nach südlicheren Gestaden folgen? Welcher Schotte kann je vergessen, daß Sie sein Vaterland unsterblich gemacht, oder welcher Engländer, daß Sie seiner Sprache eine gleiche Gabe verliehen haben? Was auch die Ehren sein mögen, die Ihrer im Ausland warten, Sie haben die Dankbarkeit, die Verehrung, Sie haben die Herzen zweier Nationen zurückgelassen, um in der Heimat über Ihren Ruhm zu wachen.

Sie werden es, hoffe ich, nicht für Anmaßung nehmen, wenn einer, der sich nach jenem hellen, nie sterbenden Licht, das jetzt von Schottlands grauen Hügeln herabströmt, – gleichsam als letzter Lichtkreis, womit Sie den litterarischen Ruhm des Landes gekrönt haben – von erster Kindheit an mit tiefer, nie erkaltender Andacht hinwandte; – Sie werden es, hoffe ich, nicht für Anmaßung nehmen, wenn ein solcher Ihren glorreichen Namen einem vergänglichen Buche vorsetzt, einem Buche, das, wie wertlos an sich selbst es sei, in seinen Augen einigen Wert gewinnt, sobald es auf diese Art zu einer Opfergabe seiner Ehrfurcht für Sie wird. London, den 22, Dezember 1881.

Der Verfasser des »Eugen Aram«.

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