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Etzel Andergast

Jakob Wassermann: Etzel Andergast - Kapitel 20
Quellenangabe
typefiction
booktitleEtzel Andergast
authorJakob Wassermann
firstpub1931
year1931
publisherS. Fischer Verlag
addressBerlin
titleEtzel Andergast
pages5-661
created20060702
sendergerd.bouillon
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Zwölftes Kapitel

Er fand folgende Situation vor. Ein splitternackter Mensch rannte mit gespenstischer Lautlosigkeit der Bewegung im Zimmer auf und ab. Er war ziemlich groß, außerordentlich hager, eigentlich bloß Haut und Knochen. Das Gesicht war dermaßen verzerrt, daß man seine Bildung nicht ausnehmen konnte, zudem waren die Lippen von dünnem weißen Schaum bedeckt. Die linke Hand hatte er in die linke Brust gekrampft, im erhobenen rechten Arm schwang er einen Schürhaken. Die Schreie, die er ausstieß, verliefen jedesmal in ein unartikuliertes irres Gemurmel, das ähnlich klang wie wenn einer unverständliches Zeug aus dem Schlaf redet. Im Zimmer sah es aus wie nach einer Plünderung. Schrank Tisch und Stühle waren umgeworfen, der zerbrochene Spiegel, einige Bilder, die zerrissenen Vorhänge, Kleider Schuhe Zigaretten Geldmünzen lagen auf dem Boden, das eiserne Feldbett war von der Wand gerückt. Und hinter dem Bett, im Mauerwinkel, stand Andergast, völlig unbeweglich, die Arme über der Brust gekreuzt. Die Ruhe seiner Haltung und seiner Züge kontrastierte merkwürdig mit der Tobsucht des nackten Menschen; man kam zunächst gar nicht auf den Gedanken, er habe sich an diesen Platz geflüchtet und bediene sich der Bettstelle als Deckung, so sehr machte er den Eindruck eines stumm interessierten Beobachters. Was selbstverständlich Täuschung war, es hätte ihm ja nichts genützt, wenn er um Hilfe gerufen oder sich mit dem Rasenden in einen Kampf eingelassen hätte, er zog es vernünftigerweise vor, sich möglichst still zu verhalten und sich dabei auf das Schlimmste gefaßt zu machen. Als er Kerkhovens ansichtig wurde, leuchteten seine Augen auf, sonst war keine Veränderung an ihm zu gewahren. In den Augen war etwa zu lesen: da kommt er also, es ist zwar wie Hexerei, aber ganz in seinem Stil, ich bin neugierig, wie er sich aus der Affäre ziehen wird. Hinter Kerkhoven war Emma Sperling eingetreten und sah abwechselnd bald auf diesen, bald auf den nackten Lorriner, bald auf Andergast. Als wäre es nur eine Nummer gewesen, um ihre mimische Kunst zu zeigen, war alle Angst aus ihrem Gesicht gewichen, statt dessen malte sich eine lächelnde Sensationslust darin wie bei jemand, den man eingeladen hat, einem Boxmatch zuzuschauen.

 

Es war keine physische Bändigung. Er brachte auch die Spritze nicht zur Anwendung. So weit kam es gar nicht. Wodurch es Kerkhoven gelang, den Tobsüchtigen gefügig zu machen, ist kaum zu erklären. Keinesfalls durch direkte Hypnose, dazu fehlte die Möglichkeit der Verbindung, sozusagen die Operationsbasis. Der Mann war ja nicht zu stellen. Es muß eine andere Form der Willensbeeinflussung angenommen werden, eine durch Zucht Erfahrung Wissen Instinkt gleichermaßen bewirkte äußerste Konzentration, wobei freilich die Frage offen bleibt, ob er diese erstaunliche Fähigkeit bewußt ausübte oder ob sie sich erst am Objekt entfaltete und sie ihn dann trug. Etzel Andergast, der den Vorgang mit brennender Aufmerksamkeit verfolgte, hatte den Eindruck als sei letzteres der Fall, als sei Kerkhoven selbst das Werkzeug einer ihn beherrschenden Gewalt. Er konnte sich später keine Rechenschaft über seine Empfindungen geben, sprach auch ungern darüber als habe sich etwas ereignet, was seine Fassungskraft überschritt, als wäre er zum Beispiel Zeuge gewesen wie jemand ein glühendes Eisen angreift, ohne Brandwunden zu erleiden.

Einen Augenblick sah die Sache gefährlich aus, als Lorriner, den neuen Ankömmling fixierend, sich mit gesteigerter Wut gegen ihn wandte und ausholte, um den Schürhaken auf seinen Kopf niedersausen zu lassen. Kerkhoven war in der Nähe der Tür geblieben, er hatte sich die Stelle gemerkt, wo der elektrische Schalter angebracht war, nun langte er hin und drehte das Licht ab. Mit dem Moment, wo es finster wurde, hörten die nervenzerreißenden Schreie auf, es war mit einemmal totenstill. Offenbar wagte sich auch der Rasende nicht mehr vom Fleck zu rühren. Alsbald drang aus der Stille und Dunkelheit Kerkhovens sonore Stimme langsam streng überdeutlich, fast skandiert: »Lorriner . . . Lorriner . . . Sie hören mich doch . . . Ich mache jetzt wieder hell . . . Sie werden sich anziehen und mit mir gehen . . . Verstehen Sie, was ich sage, Lorriner? Tun Sie den Schürhaken weg. Ich befehle Ihnen, den Schürhaken wegzutun . . . Ein Mann wie Sie weiß, was ein Befehl ist . . .« Es kam wohl auf den Sinn der Worte wenig an, sondern nur auf Tonfall und Rhythmus, auf eine Eindringlichkeit, die allerdings stärker nicht sein konnte. Nach vier Minuten etwa flammte das Licht wieder auf. Lorriner stand zusammengesunken da, stieren Blicks, mit schlaff hängenden Armen. Kerkhoven trat zu ihm und nahm ihm ruhig das Eisen aus der Hand, ohne Widerstand zu finden. Danach stellte er den Tisch und die Stühle auf die Füße, hob Lorriners Kleidungsstücke vom Boden auf, Hemd Hose Rock Strümpfe Kragen, legte alles zuerst auf das Bett und reichte ihm dann ein Stück nach dem andern. Das Hemd half er ihm über den Kopf ziehen, drückte ihn dann auf einen Stuhl nieder, kniete hin und war ihm mit der Geschicklichkeit eines geübten Krankenwärters beim Anziehen der Strümpfe, der Beinkleider, der Schuhe behilflich. Die Schuhe schnürte er zu, den Hosengürtel schnallte er fest, den Kragen knöpfte er ein. Bei all diesen Verrichtungen sprach er ununterbrochen, und zwar in einer schlichten Art wie ein Mann aus dem Volk, mit scherzhaften Wendungen und kleinen Lebensweisheiten. Dies wiederzugeben wäre zwecklos und uninteressant, da es ja, auch jetzt noch, lediglich auf die Stimme ankam, auf eine akustische Wirkung schließlich, die er bei jähem Ausbruch eines Paranoids oder einer Demenz häufig erprobt hatte. Aber es war nichts weniger als eine lehr- und erlernbare Maßregel, sie richtete sich nach dem Charakter des Patienten und sonstigen Gegebenheiten, außerdem hing das Gelingen von der Disposition Kerkhovens ab, er mußte seiner inneren Kräfte absolut sicher sein. Manchmal hatte er den Gedanken: wenn ich nebst allem andern noch Sänger wäre oder Geigenspieler, müßte ich durch ein Lied, ein schön gespieltes Adagio den Paroxismus des Kranken mühelos brechen können, es wäre die logische Steigerung und vielleicht die Vollendung dessen, was ich mit schwachen Mitteln versuche. Ein ketzerischer Gedanke ohne Zweifel, oder ein rückständiger, der das mitleidige Kopfschütteln der ernsthaften Wissenschaftler hervorrufen muß, denn da sind wir ja wirklich nicht mehr weit von anrüchiger Beschwörung und der bereits erwähnten Maultrommel des Doktor Justinus Kerner. Mit theoretischen Erwägungen hatte Kerkhovens Verfahren ohnehin wenig zu schaffen, er handelte unter dem Gebot seiner Natur, die alle menschliche Natur in sich einbezog, wobei er sich aber nicht lossagte von dem sichergestellten Forschungsgut der Zeit. Was Etzel Andergast am tiefsten berührte und ihm eine schier schwärmerische Bewunderung für den Mann einflößte, seltenes Gefühl bei ihm, war die Einfachheit und Bescheidenheit seines Gehabens, eines Wesens so frei von Pose, von professoralem Dünkel und allem damit Verwandten, daß es gerade dadurch etwas unmittelbar Zwingendes, ja Zaubergleiches bekam und es gar nicht unerwartet oder verwunderlich wirkte, als Lorriner, der bis zu dem Augenblick, wo ihm Kerkhoven die Schuhe zuschnürte, idiotisch vor sich hingebrütet hatte, plötzlich in ein Schluchzen ausbrach, das wie quälender Husten klang. Die gewöhnliche Reaktion, aber hier löste sie erschütternd eine Spannung, die lang angehalten hatte. Kerkhoven, auf Knieen, hob den Blick und schaute prüfend in das zerfurchte, von Leidenschaften zerstörte Gesicht des kaum achtundzwanzigjährigen Menschen. Die feuchte hellblonde Haarsträhne, die über der Stirn klebte, vervollständigte das Bild der Verwüstung. »Sind wir so weit?« fragte Kerkhoven aufstehend. Lorriner stand ebenfalls auf, zögernd und schwer. Kerkhoven hielt ihm den Rock hin, damit er in die Ärmel schlüpfe. Er zog den Rock an, schluckte ein paarmal, und mit einer Kopfbewegung gegen Andergast sagte er lallend und sich bemühend, das Lallen nicht merken zu lassen: »Der muß aber mit . . . der Hund, der gemeine, muß mit, der schofle Komödiant . . . mit dem hab ich noch ein Hühnchen zu rupfen . . . der muß mit . . .« Kerkhoven nickte. »Er wird bestimmt mitkommen,« erwiderte er und gab Andergast, der bei der Beschimpfung totenbleich geworden war, einen Wink mit den Augen. Als sie sich zu dritt zur Tür wandten, war Emma Sperling verschwunden. Etzel drehte das Licht aus und sperrte die Wohnung ab. Kerkhoven und er nahmen Lorriner in die Mitte.

 

Hier muß die Geschichte Lorriners ihren Platz finden. Es ist nötig zu wissen, wie und unter welchen Umständen sich Etzel Andergasts Schicksal mit dem seinen verkettet hat. Ich verzichte jedoch auf den stufenweisen Entwicklungsprozeß, sowohl was Lorriners Person als auch was das Verhältnis der beiden betrifft. Ich müßte mich sonst in einem nur seelisch und geistig vorhandenen Raum ohne alle anschaulichen Elemente mit den Bedingtheiten und schwankenden Ergebnissen psychologischer Untersuchung begnügen. Entwicklung, was ist das überhaupt; erschöpfte Form, jeder Aufriß ist wesentlicher, nichts wird Gleichnis in ihr, eine scheinbare Breite der Welt soll das Bild der Welt ersetzen, und an Stelle der lebendigen Figur, die rund ist und etwas bedeutet, tritt das lähmende Nacheinander in der Zeit. Das hört sich an wie eine Ästhetik, ist aber nur die einfache Erfahrung von der geschehenen Veränderung unserer aufnehmenden Sinne.

 

Zunächst der Vater. Er bestimmte durch sein übermächtiges Temperament die Lebensfärbung des Sohnes. Typus des radikalen Politikers der bürgerlichen Ära. Begann seine Laufbahn als Rufer zum Kampf gegen die Juden im Verein Deutscher Studenten. Wurde Journalist im Dienste der Naumannschen Ideen und erregte in dessen nationalsozialer Vereinigung als Redner Aufsehen. Nach der Auflösung dieser Partei ging er zum extremen Flügel der Sozialisten über und veröffentlichte ein Pamphlet gegen Christentum und Kaisertum, an dessen giftiger Gehässigkeit sogar seine Gesinnungsgenossen Anstoß nahmen. Danach trat der ehemalige Theologe aus der evangelischen Kirche aus, wurde freireligiöser Prediger und orthodoxer Monist. Kurz vor dem Krieg kehrte er reuig nach rechts zurück. Der grimmige Feind der Dynastie verwandelte sich in einen begeisterten Künder vaterländischer Gesinnung und Befürworter militärischer Rüstungen. Er zählte zu den stärksten Stützen des Alldeutschen Verbands. Nach dem Zusammenbruch schlug er sich erst zu den Kommunisten, hierauf zu den Völkischen und versöhnte sich mit der Kirche. Zog als Wanderredner im Land herum, gab ein kleines Hetzblatt heraus, sagte sich von seiner Familie los, wähnte sich von allen Freunden verraten, von der Welt verfolgt, geriet in Armut und Elend und starb in einem Fischerdorf an der Ostsee, wohin er gekommen war, um Haß zu predigen, wie überall. Eine maßlose Natur.

 

Die Zerrissenheit und Hemmungslosigkeit vererbten sich auf den ältesten Sohn. Der Vater brach in ihm durch, je mehr er sich dessen Geist und Art widersetzte. Die Mutter war ein Schatten. Er hatte als Kind weder Frieden noch Liebe genossen, der Begriff Heimat war ihm fremd. Seine einzige Mitgift war eine ungewöhnliche Schönheit. Lehrer und Kameraden buhlten um seine Gunst. Mit achtzehn Jahren sah er aus wie ein junger Gott aus der nordischen Sage. Es konnte nicht fehlen, daß ihn die Rassentheoretiker unter seinen Freunden als lebendiges Beweisstück dieser neuen Heilslehre betrachteten. Dabei war seine Großmutter väterlicherseits Jüdin gewesen, was er ihnen unterschlug oder was sie für nützlich fanden, der Welt zu unterschlagen. Doch empfand er ebendiese Schönheit sehr bald als Last, wenn nicht als Makel. Er machte die Erfahrung, daß sie seinem Geltungswillen im Wege stand und den Schwerpunkt seiner Existenz verschob. Da er seine Umgebung von höheren Fähigkeiten, die er sich zuschrieb, nicht überzeugen konnte, schloß er sich erbittert gegen sie ab. Eigentlich war der Zauber damit schon zu Ende, nichts verheert ein menschliches Antlitz mehr als vergeblicher Ehrgeiz, doch zum Überfluß brachte er sich eines Tages eine tiefe Schnittwunde in der Wange bei, die eine verunstaltende Narbe zurückließ. Es steckte etwas vom Geißler und Selbstgeißler in ihm. Bis zu seinem einundzwanzigsten Jahr hatte er keine Frau berührt, jedes Entgegenkommen, und daran mangelte es nicht, wirkte als Beleidigung auf ihn, und als später der Umschlag kam, war jede sinnliche Beziehung ein Akt geheimnisvoller Rache. Auch die ganze Brüchigkeit seines Verhältnisses zur Welt ging auf den Vater zurück, der als rastloser Dämon über dem Leben des Sohnes schwebte. Mit siebzehn Jahren hatte er ein Erlebnis, das ich berichten will, weil es besser als alles andere die seelische Struktur des finstern und fanatischen Menschen aufzeigt und die spätere Richtung seines Geistes verstehen läßt. Ein apokalyptisches Bild freilich, aber es ist im großen Teppich mitverwoben, und ich bin ja nicht dazu da, die Welt schön zu färben.

 

Er besuchte die Volksschule in einem mitteldeutschen Marktflecken, wo ihn eine Verwandte seiner Mutter aus Mitleid bei sich aufgenommen hatte, da sich um ihn wie um seine Geschwister niemand kümmerte. Der Lehrer an dieser Schule, ich nenne ihn Buchwald, da ich nicht weiß, ob nicht noch Personen existieren, die ein Anrecht haben, die Nennung seines wahren Namens nicht zu wünschen, der Lehrer Buchwald also machte durch seine Freundlichkeit einen unauslöschlichen Eindruck auf das verwahrloste Gemüt des Kindes. Zum ersten Mal in seinem jungen Leben trat ihm ein Mensch ohne Härte entgegen, ohne Ungeduld, ohne Zorn, ohne Vergnügen an der Züchtigung, nur mit Güte. Es war die Rettung seiner Kindheit. Ein Gefühl des Dankes, verschwiegene Vergötterung sogar trug er in seine Jünglingsjahre hinüber. Darum horchte er gewaltig auf, als im Herbst 1917, er war damals in der Sekunda und lebte in einer nahegelegenen Universitätsstadt, die Nachricht zu ihm drang, die durch alle Zeitungen ging und überall im Land Entsetzen erregte, Buchwald sei zum vielfachen Mörder geworden. Eines Nachts hatte er ohne äußeren Anlaß seine Frau und seine vier Kinder umgebracht, war von zuhause weggegangen, hatte eine Reihe von Scheunen und Ställen angezündet, auf dem Rückweg aus drei Revolvern, die er vorher in die Tasche gesteckt, in die erleuchteten Fenster der Wohnungen geschossen und, als die durch den Brandalarm und das tückische Bombardement erschreckten Bewohner auf die Dorfstraße stürzten, auf alle ihm Begegnenden gefeuert, wobei er insgesamt zwölf Personen getötet und fünfzehn verwundet hatte. Erst als er keine Munition mehr hatte, konnte er überwältigt und in Gewahrsam gebracht werden. Was war mit dem sanftmütigen Menschen geschehen, von dem jeder wußte, daß er kein Tier leiden sehen, geschweige denn töten konnte? Untersuchung und Verhöre förderten das Motiv nur allmählich zutage, da Buchwald lange Zeit überhaupt nicht zum Reden zu bewegen war, aber als einige Briefe, die er vor der Tat an Freunde und an seine vorgesetzte Stelle geschrieben hatte, zur Kenntnis des Gerichts gelangten, schien der Antrieb offenbart zu sein: aufgehäufte Qual, die zu einem mörderischen Ausbruch geführt hatte. Jahr um Jahr war das Gefühl von der Unerträglichkeit des Lebens in ihm gewachsen. Er war nicht mehr imstande gewesen, so schien es, die Fülle der Not, des Unrechts, der Verschuldung, der Leiden mitanzusehen. Die Welt durfte nicht sein, aber da man ihr den Garaus nicht machen konnte, war es notwendig, die Menschen zu vertilgen. Und das wollte er tun. Das Verbrechen war seit Jahren geplant. Was er zu Protokoll gab, war von grausiger Logik. Obwohl in den Briefen ein Ton von Überheblichkeit und angemaßtem Richtertum vorherrschte, war nach dem Gutachten der Ärzte an der vollen Verantwortlichkeit und geistigen Normalität des Mannes nicht zu zweifeln. »Es ist des Volkes viel zu viel,« schrieb er zum Beispiel, »die Hälfte sollte man von der Erde wegschaffen, weil sie schlechten Leibes sind. Von allen Erzeugnissen des Menschen ist der Mensch das schlechteste. Ich bin gesättigt mit Jammer, niemand hat so oft wie ich Beil und Dolch zu Bettgenossen gehabt. Ich glaube an keinen Gott, ich wünsche als Bundesgenossen den Teufel, wenn ihr mich vor meinem Tode martert, will ichs euch danken, ich bin an Marter gewöhnt, eure Tränen kann ich ablehnen wie der Heiland, denn ich bin erlöst . . .« Die Briefe wurden in Auszügen veröffentlicht, ihre Sprache wirkte verwirrend auf einen jungen Menschen wie Lorriner, der selber ein verstörter Geist in verstörter Zeit war, und seinesgleichen gab es soviele wie wirbelnde Blätter bei einem Sturm. Dazu kam die Kindheitserinnerung an den sanften Lehrer, der einen bei der Hand genommen, wenn man Kummer gehabt, der einen getröstet und gegen die freche Unbill der andern beschützt hatte. So bot dieser Buchwald, verzweifelter Amokläufer, das Bild eines Helden, der die Konsequenzen seines Leidens und alles Leidens gezogen, der zur Tat hatte werden lassen, was in Schwächeren als Trieb schlummerte. Man darf nicht vergessen, daß in den zutiefst Ernüchterten dieser Generation der Heldenbegriff eine verhängnisvolle Umwertung ins Herostratische erfuhr. Bis zu diesem Punkt wäre es trotz aller Ungeheuerlichkeit ein kriminelles Ereignis gewesen wie manches andere, aber der monströse Teil kam erst nach. Er blieb auf die Akten beschränkt, nur die Fachleute gelangten zu seiner Kenntnis. Ein älterer Freund Lorriners, der auf der psychiatrischen Klinik arbeitete, wußte um die einzelnen Umstände der Entdeckung und gewährte Lorriner Einblick in das Material, da er sein Interesse für den Lehrer kannte. Nie hat es einen Fall gegeben, wo sich Schein und Sein so kraß von einander schieden. Hier lag etwas wie ein Paradigma der unheimlichen Doppelseitigkeit alles Geschehens vor, der zwei Antlitze, die jede Tat hat, der Unsicherheit dessen, was man Geschichte nennt und was die Wissenschaft vom menschlichen Handeln sein soll. Für einen Charakter, der schon in der Wurzel gebrochen ist, war es schlechthin die Aufforderung, sich ins Chaos zu stürzen, denn jeder andere Zustand setzte Grenzen und jede Grenze einen Kompromiß mit der Lüge voraus. Das Geheimnis des Lehrers Buchwald entschleierte sich durch den zufälligen Fund eines Heftes mit tagebuchartigen Aufzeichnungen, das er in einer Dachkammer seines Hauses, in der Fuge zwischen zwei Balken, versteckt hatte. Es waren Geständnisse eines Psychopathen, von jener Grausamkeit der Selbstbeobachtung, wie sie allen kranken Gehirnen eigen ist. Als ganz junger Lehrer schon hatte er sich in den Ställen der Bauern an Kühen vergangen, er hatte des schrecklichen Triebes nicht Herr werden können, auch als Gatte und Vater nicht, Unzucht wider die Natur nennt es das Gesetz, aber die Natur hat oft ihren wilden Hohn mit unsern Gesetzen, vielleicht vergilt sie damit nur gleiches mit gleichem. Es war wie ein Befehl, daß er sich erniedrigen, sich mit dem Leib der Erde vermischen solle, wer wagt da hinzudenken, es ist der Bodensatz der Welt, das Ärgste die Scham, die kein Menschenauge mehr ertrug; obwohl niemand etwas ahnte, niemand ihn verdächtigte, glaubte er, alle wüßten es, alle sprächen hinter seinem Rücken darüber, aus jedem Wort seiner Mitmenschen hörte er Verachtung heraus, Gefühl der Unwürdigkeit sammelte sich in ihm, und daß er sein Weib und seine Kinder mit Schande bedeckt habe, die nie abgewaschen werden konnte, daß er sie mit in den Tod nehmen müsse, nachdem er sich an denen gerächt, die ihn immer tiefer in die Schmach getrieben statt sich erbarmend seiner anzunehmen und ihn von der Sünde zu lösen. Als sie das alles schwarz auf weiß vor sich hatten, wußten die Herren Bescheid, denn da waren alle Merkmale dieser besondern Form von Irrsinn, die Angstträume, die Affektausbrüche, die krankhaft gesteigerten Triebe, wie es im Lehrbuch stand, es war aufklärend und befreiend. Für Jürgen Lorriner lag der Fall anders. Er war, in seiner Sprache ausgedrückt, der Menschheit aufgesessen. Er hatte in einen armseligen Verrückten ein menschliches Herz hineingedichtet. Die Lichtgestalt seiner Kindheit war ein äffischer Popanz. Es gab keine Lichtgestalt, die der Prüfung vor dem Auge der Wirklichkeit standzuhalten vermochte. Es ist Schwindel. Den Schwindel so frühzeitig entdecken, daß man nicht darauf hereinfallen kann, ist die einzige Chance, die man hat. Die Welt besteht nur aus Niedertracht und Gemeinheit. Man muß sie das Fürchten lehren. Zu dem Zweck muß man trachten, obenauf zu kommen.

 

Der äußere Lebensgang ist mit ein paar Strichen skizziert. An geregeltes Studium und Berufsziel verschwendete er nicht einmal einen Gedanken. Er wollte seine Person einsetzen, eine Rolle spielen und Macht erlangen, gleichviel wie und wo, Macht um jeden Preis. Die aufgewühlte Epoche lockte zu einer Abenteurerexistenz, Gelegenheit bot sich überall. Wer nichts zu riskieren hatte als das Leben und bereit war, es in die Schanze zu schlagen, konnte bei einiger Geschmeidigkeit sein Glück machen, besonders wenn er die nötige Geringschätzung für das Leben anderer Menschen mitbrachte. An der mangelte es Lorriner nicht. Er kämpfte im Baltikum, beteiligte sich am Kapp-Putsch, war in die rheinischen Separatistenverschwörungen verwickelt, half die Münchner Räteregierung stürzen, war Mitglied einer der geheimen Organisationen, die durch blutige Akte das Land in Schrecken setzten, mit einem Mal sagte er sich von den bisherigen Freunden los oder verriet sie sogar, flüchtete außer Landes, kam über Nordamerika Japan Sibirien nach Moskau und blieb drei Jahre lang vollständig verschollen. Eines Tages tauchte er als russischer Emissär wieder auf, entfaltete eine leidenschaftliche Tätigkeit, hielt Reden, schrieb Broschüren. zettelte lokale Aufstände an, war im Besitz bedeutender Geldmittel, über die er auf den bloßen Wink verfügen konnte, lebte aber selbst als Proletarier und gab damit ein leuchtendes Beispiel, das für ihn warb. Sein Anhang wuchs enorm, sein Wort hatte eine zündende Gewalt über die Massen, wo er auftrat, stand er in einem magnetischen Wirkungsfeld, und Unschlüssige wurden zumindest betäubt. Er war in eine gute Schule gegangen. Er hatte die wesentlichen Eigenschaften des erfolgreichen Demagogen: den Mut zum äußersten Extrem, die kalte Wildheit, die aus der Phrase eine Offenbarung macht, die Stahlhärte der Behauptung, die jedes Andersmeinen ächtet, die Beweisführung der Inquisition, die die Welt durch Tod und Mord zu neuem Leben wecken will. Und wieder eines Tages verschwindet er abermals von der Bildfläche. Diesmal ist er zwar nicht sich und den Seinen untreu geworden, wenigstens weiß man davon nichts, auch hat er Deutschland nicht verlassen, nur merkwürdig still wird es plötzlich um ihn, sein Name wird kaum mehr genannt. Man munkelt etwas von einer Weibergeschichte und im Zusammenhang damit von einem Dokumentendiebstahl, der an ihm verübt worden und durch den die Regierung Kenntnis von einem großangelegten Putschplan erhalten habe. Seine Freunde leugneten dies und gaben eine Erkrankung als Grund seines Zurücktretens an. In der Tat lag er fast sieben Monate im Spital einer großen Provinzstadt, das Leiden, das eine so langwierige Behandlung nötig machte, war eine allgemeine Nervenschwäche, weiter Begriff, in dem sich vieles unterbringen läßt, was in keiner Anamnese zu stehen braucht, jedes Symptom kann zugleich Ursache und Wirkung sein, die Seele betrügt den Körper oder der Körper die Seele. Im selben Spital lag zur selben Zeit die bereits erwähnte Sonja Hefter, Freundin Etzels, im letzten Stadium der Schwindsucht. Etzel besuchte sie täglich, es war kurz vor seiner endgiltigen Übersiedlung nach Berlin, nur Sonjas tödliches Siechtum hielt ihn noch in jener Stadt. Er erfuhr von Lorriners Anwesenheit. Da er viel von ihm gehört hatte und ihn sehen wollte, schrieb er ihm ein paar Zeilen. Ein junger Assistenzarzt vermittelte die Bekanntschaft. Zwei Stunden vorher hatte Sonja Hefter ihren Geist verhaucht. So stand die erste Begegnung unter einem düstern Schatten. Noch ein anderer Eindruck neben dem Tod der Freundin spielte mit, etwas scheinbar Äußerliches, dennoch schwer zu Vergessendes. Das Spital war eine durchaus moderne Anstalt, ganz auf der Höhe der Zeit, wie man zu sagen pflegt, mit den besten Ärzten, den besten Hilfsmitteln, dem geschultesten Pflegepersonal, nur war kein Sterbezimmer vorhanden. Die Betten der Sterbenden wurden auf den Korridor geschoben und dort mit einer spanischen Wand umstellt. Der Korridor wurde zu einem wahren Todesschrecken. Wenn einem bedeutet wurde, er käme »auf den Gang,« wußte er, daß seine letzte Stunde da war. Es war kein abgeschlossener Flur, die ganze Welt des Krankenhauses bewegte sich auf ihm, Ärzte Wärter Schwestern Studenten Genesende und Hunderte von Besuchern. Es ereignete sich zum Beispiel, daß ein alter Mann, der unvorbereitet auf den Korridor gebracht wurde, das Bett verließ, die spanische Wand umwarf und hilfeschreiend in den Saal zurückwankte. Ein anderer Moribunder, der seit Monaten gelähmt war, konnte sich in der Todesangst auf einmal wieder bewegen, lief über den Korridor davon und verkroch sich in einer entlegenen Mauernische, aus der er tot hervorgezogen wurde, nachdem man stundenlang nach ihm gesucht hatte. Etzel war Zeuge gewesen, wie eine junge Frau, Sonjas Bettnachbarin, den Arzt händeringend bat: nicht auf den Gang, Herr Doktor, nicht auf den Gang. Sooft er sich in späterer Zeit daran erinnerte, schüttelte es ihn, und er war doch wahrhaftig nicht zimperlich. Lorriner, mit dem er gleich in der ersten Viertelstunde darüber sprach, zuckte die Achseln und sagte: »Was wollen Sie? Überfüllung. Es ist eben alles überfüllt. Die Berufe, die Parlamente, die Wirtshäuser, die Eisenbahnen, sogar die Kirchhöfe. Und trotzdem wehren sich die Leute mit Händen und Füßen gegen das Krepieren. Unbegreiflich.« Er stierte eine Weile vor sich hin, zuckte wieder die Achseln, eigentlich nur die rechte, wodurch die Bewegung etwas noch Verächtlicheres erhielt, und in abgehackten kurzen Sätzen, mit entfärbter hinschleifender Stimme erzählte er, daß er in Rußland in einem Haus gewesen, um einen Mann zu treffen, für den er eine wichtige Nachricht hatte. Er wußte aber nicht, in welchem Stock und in welchem Raum der Mann wohnte. Es war Abend, als er hinkam. In dem Haus waren mehr als neunhundert Personen einquartiert, provisorisch, wie es hieß, aber sie lebten drin. Auf allen Stiegen, in allen Fluren, in jedem Winkel hatten sie sich festgesetzt, auf den Fenstersimsen kauerten welche, auf Öfen und Truhen, in Fässern und Kohlenkisten, Leib an Leib, nebeneinander, übereinander, Weiber mit Säuglingen an der Brust, umschlungene Paare, Kinder zwischen den Beinen der Mütter, hie und da mal eine brennende Unschlittkerze, da und dort ein Herdfeuer und ein Topf darüber, die Luft vom Keller bis zum Dach ein einziger stickiger Brodem. Durch den schlug er sich durch, von Stube zu Stube, über Rümpfe Köpfe Schenkel, rief den Namen des Mannes, den er suchte und konnte ihn nicht finden. Nein, das hatte er nicht geträumt, er hatte es erlebt. Dazu ein Gegenstück. Sehr instruktiv. Um in einem der pazifischen Häfen das Schiff zu erreichen, das ihn aufnehmen sollte, hatte er mit mehreren Freunden durch einen Teil von Kalifornien reiten müssen. Da kamen sie zu einer Stadt, namens Baddie, die vor siebzig Jahren an hunderttausend Einwohner gehabt hatte, jetzt aber, da die Goldfelder seit langem keinen Ertrag mehr gaben, vollständig verlassen und verödet war. Der Leichnam einer Stadt, beileibe keine Ruine, ein wohlkonservierter Leichnam, den die außerordentliche Trockenheit der Luft in einem täuschenden Scheinleben erhalten hatte. Breite asphaltierte Straßen, schöne große Plätze, zahlreiche Hotels Theater Banken Kirchen Paläste Villen nebst den gewöhnlichen Wohnhäusern: alles leer. Keine Menschenseele. Die meisten Haustore Läden Geschäftslokale offen, Zuflucht von Schlangen Pumas Eidechsen Katzen Ratten und Mäusen. Phantastisch. Die Delirien der Tollhäusler sind ein schwacher Abklatsch von dem, was vor unsern Augen Tag für Tag geschieht . . . Etzel schaute die Narbe auf der Wange an, sah in die harten blauen Augen, die den Ausdruck eines Menschen hatten, der mit geducktem Kopf auf dich zugeht, weil er nicht sicher sein kann, ob du ihm nicht an die Gurgel fährst, und als ihn Lorriner unvermittelt duzte, da er wieder das Wort an ihn richtete, war er keineswegs erstaunt.

 

Daß Lorriner nach einer Woche das Spital verließ, war hauptsächlich Etzels Werk. Wie es Bluttransfusion gibt, Überleitung gesunden Überschusses in einen anämischen Körper, so auch Einflößung von Auftrieb Aufschwung, frischem Impuls in den entnervten. Es genügte, daß Etzel kam, daß er da war, daß er sprach, daß er sich gab wie er war, und der andere erwachte zu sich selbst. Aha, sagte er sich, da ist einer, der mich braucht, folglich bin ich noch wer; einer, und nicht der schlechteste wie es scheint, der was von mir erwartet und mir dienen will, hinter ihm stehn seine Leute, neue Leute, neue Jahrgänge, unverbrauchtes Material, folglich habe ich noch nicht ausgespielt und kann von vorn anfangen. Etzel war um diese Zeit an einem Punkt angelangt, wo er keinen Weg mehr sah. Er hatte die Richtung verloren. Sein Selbstvertrauen war im vollständigen Schwinden begriffen. Es ging und ging nicht vorwärts, er drehte sich im Kreis herum. Über das, was ihm fehlte, war er nicht einen Augenblick im Zweifel. Es fehlte ihm ein Mensch, an den er glauben, dem er sich beugen, zu dem er aufblicken konnte, der ihm die Last abnahm, die zu tragen er sich offenbar zu früh angemaßt. Man muß ein bestimmtes Quantum Erfahrung haben, mit dem Instinkt allein schafft mans nicht, und mit dem So-als-ob schlittert man in die Hochstapelei. In einem Fall wie diesem aber findet man den unbedingt, den man sucht, weil man nicht mehr wählt, sondern blindlings zugreift. Das Merkwürdige ist nur, daß sich der Gefundene dann als der Gesuchte fühlt und mit all seinen Kräften bestrebt ist, das ideale Bild zu sein und den Rahmen auszufüllen, der gewöhnlich zu groß für ihn ist; er reckt und streckt sich, und manchmal wächst er in der Tat über sich hinaus, bis er unter der seelischen Anstrengung zusammenbricht. In der Gläubigkeit der Jünger liegt eine gewaltige Tyrannei. Die Eigenschaften, die Lorriner von je zum Führer prädestiniert hatten, wirkten jetzt wieder in ihrer ursprünglichen Stärke: der eisern unbeugsame Wille, Schnelligkeit und Festigkeit des Entschlusses und ein untrüglicher Blick für die Brauchbarkeit von Menschen. Etzel brachte ihn im Triumph zu den Freunden, in deren Kreis er von innerer Panik gehetzt neuerdings getreten war. Es waren junge Leute, die weder rechts noch links gerichtet waren, ebensowenig konnte man sie gemäßigt heißen, sie gehörten einer internationalen Organisation an, einem sogenannten Weltbund, der in allen Ländern großen Anhang hatte, aber in politischer Beziehung wenig Einfluß besaß. In der Gruppe Etzel Andergasts hatten bisher konservative Tendenzen vorgeherrscht, man hatte sich sogar an ziemlich weit rechts stehende Bünde angeschlossen, die, vaterländisch gesinnt, kulturelle und zivilisatorische Arbeit leisteten und sich sehr ernsthaft mit den Problemen des Bodens, des Bauerntums und der sozialen Wirtschaft befaßten. Lorriner wünschte reinliche Scheidung und einen klaren Kurs. Unter leidenschaftlichem Hinweis auf die historische Größe der Stunde forderte er die Einbeziehung der kommunistischen Vereinigungen. Seine Beredsamkeit hatte die alte Wucht, was ihm als durchführbar vorschwebte, hatte er Etzel Andergast schon während ihrer gemeinsamen Fahrt nach Berlin entwickelt. Sie saßen in einem Abteil dritter Klasse allein, es war Nacht. Seltsam lässig als wäre er beglückt, ins Schlepptau einer Idee genommen, von einem Stärkeren gehalten und geführt zu werden, hörte Etzel zu. Ein Experiment, dachte er, ausgezeichnet, wagen wir ein Experiment, wenns gelingt, bon, wenn du der Kerl dazu bist, ich steh dir nicht im Weg, aber Gott gnade dir, wenn du nicht der Kerl bist, nicht der, nach dem ich mir die Augen aus dem Kopf geguckt habe . . . Und er hing an Lorriners Lippen, glühend, gläubig glühend, trotzdem bewachte er, mit angehaltenem Atem fast, jede Miene, jede Regung des Menschen, dem er sich bedingungslos ergeben hatte, und in der Folge dann jeden Schritt, jedes Gespräch, seinen Umgang, seine gesamte Korrespondenz und womöglich sogar seinen Schlaf. Warum denn nur? Bloß weil ihn seine detektivische Natur dazu zwang? Vielleicht doch nicht ganz. Es hatte eine tiefere Bewandtnis damit. Wir kennen ihn eben noch zu wenig.

 

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