Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ulrich Bräker >

Etwas über Shakespeares Schauspiele

Ulrich Bräker: Etwas über Shakespeares Schauspiele - Kapitel 9
Quellenangabe
typetractate
authorUlrich Bräker
titleEtwas über Shakespeares Schauspiele
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070703
projectid7733255d
Schließen

Navigation:

1. Zweiter Teil Heinrichs des Vierten 2. Leben Heinrichs des Fünften 3. Erster Teil Heinrichs des Sechsten

Zweiter Teil Heinrichs des Vierten

Bolingbroke hat das Feld gewonnen – ich gönn ihm's nicht. Dem Prinz von Wallis wurde ein edler Charakter beigelegt, aber ich fürchte, es ist nur geschmeichelt, traue ihm nur halb. Den edlen Hotspur hab ich gesehen fallen, ihm eine Träne geweint und Glück auf den Weg gewünscht. Dem tapfern Blunt und allen denen, die in Königskleidern starben, wünsch ich Fried und Heil. Der Held Douglas allein hatte das Glück, davonzukommen. Worcester und Vernon hatten ein schmachvolles Schicksal, in die Hände eines ergrimmten Königs zu fallen. O ihr mordsüchtigen Fürsten! Auf, alter braver Northumberland, auf zur Rache, sie haben deinen Hotspur erschlagen. Aber du heiliger Vatter York, ich weiß nicht, wenn du mit deiner Religion drein kommst, so wird's hapern. Nein, die Religion ist nicht blutdürstig, besser du bliebest davon; aber das tust du nicht – ja meinetwegen. Ha, du hattest noch mehr zutrauliche Ehrlichkeit, als ich einem Pfaffen zugetraut hätte. Du hast Westmorelands und Lancasters Herz ebensoviel getraut – hättest du nur Mowbray Gehör gegeben. Nein, du wolltest die kleinen Welten besser kennen, aber es kostete dich dein Kopf – ja, was macht das, einmal mußt es doch sein – nein, ich weiß doch, daß du ihn lieber länger in dieser Welt getragen hättest, daß du nicht recht gewiß warest, ob du in jener Welt auch wieder diesen Rang oder er dich bekleiden werde – ah, fahre nur frisch, man wird schon wissen, wer du bist. Fort mit den blutigen Szenen, mit den ernsthaften kriegerischen Auftritten – Bolingbroke ist tod. Komme du noch ein Weilchen, wichtiger Falstaff, nun erscheinst du das letzte Mal auf der Bühne; o sie wird nur halb so gut bestellt sein, du munterer Geist. Wann ich Protheus wäre, wollt ich's doch probieren, ob ich mir nicht selber so ein possierlicher Ritter machen könnte. Ich kenne so ein halbdutzend Leute, von denen nahm ich von jedem die tauglichsten Eigenschaften: von einem Doktor N. die Windmühle, von einem Schneider N. die Blähungen, von einem Balthis N. den guten Magen, von einem Lumpenhändler die Figur, von einem Packträger die lustigen Schwanke, von einem Advokaten N. den Witz und die Tapferkeit samt der Geschicklichkeit zu borgen, das täte alles zusammen in einen Brenntopf hinein und ein bißchen eigenen Pfeffer dran und ließ es gären; würde mich doch wunder nehmen, wenn nicht auch etwas Falstaffisches herauskäme. Nein, William, ich gesteh's, ich glaube nicht, daß ich just so ein Geschöpf zur Welt brächte. Dir allein gebührt das Lob; vor dir und nach dir wird keiner so eine wohlgemästete Figur bilden, so ein dickes Gehäus, ausgestopft mit lauter Witz und Laster vermengt, – das alle Welt blenden – niemand den Spitzbuben hassen kann. Falstaff, dein königlicher Hal tut dir unrecht, daß er dich nun nicht mehr kennen will, aber es ist auf dein Bestes abgesehen, wenn seine Eigenschaften so gut sind, wie's ihm der Dichter andichtet. Freilich dünkt's mich auch kurios, daß Leute einander so geschwind nicht mehr kennen, wenn der eine sich nur in einen andern Kittel steckt. Fahre wohl, Falstaff, ich wünsche dir in der andern Welt keine so brutalen Könige.

Leben Heinrichs des Fünften

Diesem Stück hab ich keinen Willen: Meinetwegen möcht's alle Welt bis in den Himmel erheben. Und warum? O fordert doch nicht Rechenschaft, ich kann sie nicht geben, und was ich angebe, möchte grundlos sein. Meinetwegen, ich hab ihm keinen Willen – sonst kein Grund – und der kann mir niemand geben. Großer Dichter, ich habe dich bei meiner Widrigkeit schuldlos gemacht, sie fiel auf deine Personen, nicht auf dich. Ich habe mich überredt, du habest die Geschichte treu kopiert, und wann du irgendwo Parteilichkeit und Schmeichlerart gezeigt, so sagt ich doch, du warst es nicht, der Geschichtschreiber war's – und wann du's warst, so wär's doch ein anderer Schriftsteller auf deinem Posten hundert Mal mehr gewesen. Ich kann mir vorstellen, was es auf sich hätte, Monarchen ihren Vorfahren etwas von ihrem schlimmen Charakter public zu machen. Ich wollte, um alle Welt nicht in die Welt hinein schreiben, was die Voreltern oft gemeiner Privatleute für Leute waren, und wann ich's so gewiß wüßte als Tag und Nacht; aber zu ihrem Lobe könnt ich doch auch nicht schreiben. Genug, lieber William, verzieh mir's, einmal war ich wider deinen Heinrich eingenommen von Anfang her, so sehr er gehoben und so auffallend sein Charakter ist. Der Grund ist, ich mag ihn nicht, ich glaub ihm kein Wort, ich trau ihm kein Haar, weil er mir nur als ein Gemäld vorkommt, das kein Original hat. Erst in Gesellschaft der liederlichsten Buben die Tage vertrillern und nur so windige Gründe angeben; hernach plötzlich so majestätisch tun, ein Weltweiser, ein Moralist, ein so feiner gehorsamer Sohn und bei allem so ein Held. Es gibt so ehrsüchtige Buben in der Welt, die, wann sie nicht können zu oberst sitzen, sich gar zu der untersten Klasse hinsetzen, eh sie vor lauter Unwillen in der Mitte sitzen würden. So was hab ich von deinem Heinrich schon im vorigen Stück bemerkt, als er seinem Vater die Krone von dem Bett wegnahm, aber du legtest ihm gar eine feine Entschuldigung in den Mund, daß man den Fuchs nicht spürte. Lieber William, du scheinst mir gar verliebt in deinen Harry zu sein, aber bei seiner Freiwerberei, da weiß ich gar nicht, wie du's meinst. Meinst du nicht gar, dein Heinrich da in seinen verliebten Anwandlungen, bei seinem Käthchen – und der vorige beim Antritt seiner Regierung, auf den Schlachtfeldern, bei allen seinen Entschlüssen, Aufforderungen u.s.f. seien zwei ungleiche Heinriche. Gut, aber ich habe noch nichts von den anderen Personen gesagt: Erst kommen da ein paar Erzbischöfe auf die Bühne, welche die guten Eigenschaften des Königs auf eine übertriebene Art herausstreichen, hernach denselben zum Krieg mit Frankreich anfeuern; Canterbury und Ely hießen sie – sie mögen so policiert daherschwätzen, als sie wollen, man merkt doch, wes Geists Kinder sie sind. Hernach entdeckt der König eine Bande Verschworner wider ihn; Cambridge, Scroop und Grey waren die Rädelsführer, denen es die Köpfe kostete. Nym, Bardolph, Pistol kommen auch wieder auf die Bühne und man wünschte, Falstaff käme auch mit. Aber William laßt nur eine Quickly und ihre Kameraden auftreten, die so von seinem Ende reden, daß es Heinrichs Verfahren rechtfertiget. Heinrich muß für ein und allemal ein verdienstvoller König sein; so muß er reden, so muß er handeln bis ans Ende – schade, daß er bei seinem Weiben so unköniglich tut. Ich wollte mich in die Seele schämen, wann's ich nicht verstünde, solche Käthen zu fangen. Aber, William, noch eins: waren die Franzosen wirklich solche prahlerische Großsprecher, oder mußtest du nur deiner Nation zu Gefallen sie so tun lassen? Ich will deiner Nation die Tapferkeit nicht absprechen, nur mag ich deinem Harry all diese großen Siege nicht gönnen. Aber das ist von Anfang an so gewesen: der prahlende Teil hat verspielt. Und dein Heinrich hat auch erstaunlich hoch herabgesprochen. Es kann sein, ich weiß die Geschichte nicht, die Schlacht bei Azincourt mochte ein Wunder sein, und wenn dein König dem Himmel allein die Ehre gegeben hat, so tu ich ihm unrecht und bitte ab. Meinetwegen, was geht's mich an; doch hab ich auch ein Willen so gut als einer, und Falstaff hätt ich's nicht so gemacht.

Erster Teil Heinrichs des Sechsten

Hier kommt erst ein schwarzes Trauergeheul aufs Theater, das den Himmel schilt, daß er in des Königs Tod gewilliget, dem König, dessen Lob mir erst so verdächtig schien. Nun muß ich's glauben, weil erst nach seinem Tode gesagt wird, seine Taten seien unaussprechlich. Das ist mehr als viel – getrost, großer Friedrich Preußens, wie wird's wohl nach deinem Tode heißen – vielleicht noch mehr. Hier war der junge Heinrich, Sohn des vorigen, noch unmündig: da mag das engelische Heldenblut schon mit dem französischen vermischt sein – in diesem Teil tut er noch keine großen Taten. Seine Vettern und die geistlichen Väter kommen einander in die Haare. Die Kerl haben doch immer der weltlichen Herrschaft Sprünge gemacht. Das gedemütigte Frankreich hebt sein Haupt wieder empor und macht engelischen Helden viel zu schaffen. Sonderlich wird man gar aufmerksam auf einen Held Talbot und folgt seinem Schicksal Fuß für Fuß. Ein Held Salisbury und Gargrave werden in Orleans auf einem Turm erschossen, die man herzlich bedauert. Talbot hält ihnen eine heldenmäßige Rede, mußte aber zuletzt selbst als Held sterben, über den man weinen muß. Es gibt mehr blutige als lustige Auftritte. Auf der französischen Seite hat's wieder viel Prahlhansen; vor allen aus aber macht ein Bauernmädchen Johanna d'Arc, eine Schäferstochter, viel Aufsehens. Sie erscheint oft in Kriegsrüstung und erhält den Sieg. Von den Franzosen wird sie als eine Göttin verehrt und von den Engelischen für eine Hexe gehalten. Zuletzt wird sie doch gefangen und ich glaube gar unschuldig verbrannt. Sie mag, als eine Amazonin von Genie, sich den damaligen Aberglauben zu Nutz gemacht haben.

In London entstund unter den Lords ein närrisches Gezänk wegen der roten und weißen Rosen, als Zeichen der Häuser York und Lankaster, das in der Folge elende Zweitracht stiftete. Mortimer aus einer langen Gefangenschaft – da sitzt der Knoten meines Unwillens gegen die Heinrichen. O, wie viel Anteil nahm mein Herz an dem Schicksal des alten Greisen. In diesem Spiel wird der junge Heinrich gekrönt. Da kommt auch ein Falstaff aufs Tabet, aber das ist kein Falstaff, ein Ritter, ein verzagtes Hasenherz. Heinrichs Vettern gaben ihm eines Grafen Tochter, der Knab laßt mit sich machen, was man will. Aber ein Suffolk machte in Frankreich eine Gefangene, Margaretha, König von Neapels Tochter, und wirbt um sie für den König – ja, der kann's anders als der vorige Heinrich – und dieser Knabe nimmt Margaretha und gibt der andern Abschied.

Achter Band

Drei historische Schauspiele

 << Kapitel 8  Kapitel 10 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.