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Etwas über Shakespeares Schauspiele

Ulrich Bräker: Etwas über Shakespeares Schauspiele - Kapitel 7
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authorUlrich Bräker
titleEtwas über Shakespeares Schauspiele
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1. Viel Lärmens um nichts. 2. Ende gut, alles gut. 3. Macbeth, ein Trauerspiel.

Viel Lärmens um nichts

Freilich um nichts – und doch ging's ums Freien, ums Heiraten. – Wenn das nichts ist! – Claudio, ein florentinischer Edelmann, ist in eine Hero, Leonatos, des Statthalters von Messina, Tochter, verliebt. Don Pedro, Prinz von Aragonien, wirbt um sie für Claudio und erhält sie für ihn. Don Juan, ein unehlicher, melancholischer Bruder Pedros und ein boshafter Borachio machen Schelmenstreiche in diese Verlobung, die freilich großen Lärm, aber doch, glücklich entdeckt, ein lustiges Ende nehmen, daß die Leute lachen. Ein junger Edelmann aus Padua, Benedikt, ein lustiger Pursch, der s'Heiraten verschwört, und Beatrice, gleichfalls ein lustiges Jüngferchen, die auch nur übers Heiraten spottet und die Mannsbilder auslachet, sonderlich den Benedikt gar nicht leiden kann, das sind zwei recht artige Geschöpfe, und doch wäre mir gar nicht bang, viel gleichartige zu finden. Diese Beatrice gefällt mir besser als Hero. Die allerpossierlichsten sind die zwei Gerichtsdiener Holzapfel und Schnewein: wie die albernen Kerls daherschwätzen! Meiner Treu, ich kannte Richter und Beamte, die eben so dumm daher räsonnierten und doch angesehne Leute sein wollten und waren. Und das ist gewiß auch wohlgetroffen: oft werden Schelmstreiche durch die einfältigsten Buben entdeckt. Der Prinz und Claudio dünken mich zudem, daß sie so angesehene gesetzte und weise Männer sein wollen, ein bißchen bubenmäßig, sonst ist es ein recht angenehmes und lustiges Spiel.

Ende gut, alles gut

Das wird niemand in Abred sein, einmal ich nicht. Aber dergleichen zeitliche Sachen so zu lenken, daß sie ein solches Ende nehmen, da braucht's ein guter Fuhrmann. Helena, o Helena, du bist der Ball des Schicksals, um deinetwillen muß alles sein, was es ist, um deinetwillen muß der junge Graf Bertram so schön, so reizend geschaffen werden, dir zulieb mußte dein Vatter sterben und dir ein geheimnisreiches Rezept hinterlassen und der Gräfin Roussillon Herz sich an dich fesseln. Um deinetwillen mußte ein König von Frankreich krank werden, um dein Rezept zu bewähren, dir zulieb mußte eine alte Witwe in Florenz und ihr Haus parat stehen und ihre Tochter Diana deinem widerspenstigen Bertram so reizend in die Augen schimmern, daß du deine Künste brauchen, deine Weiberlist probieren und ein albernes Mannsgeschöpf übertölpeln und einen Mann fangen könnest. Aber unsere Weiber würden dich wacker ausschelten, dich ein närrisches Ding heißen und sagen, ein Mannsbild, das sie verachte, sei nicht solcher Mühe wert. Aber du wirst wissen, wie stark und erfinderisch die Liebe ist. Genug, um deinetwillen mußte sich der florentinische Krieg in Frieden verwandeln, dein gefangener Vogel nach Frankreich fliegen, daß du dein Kind und Ring an Mann bringen könnest. Dir zu Gefallen mußte ein nichtswürdiger Parolles zu Schanden gemacht werden, daß er dir aus dem Wege komme und deinen Vogel nicht mehr verlocke. Aber der Hallunk mußte eine harte Tortur ausstehen. Es muß etwas heißen für einen Schurken, in solcher Todesangst stehen, mit verbundenen Augen alleweil das Todesurteil anhören. Doch für Parolles war's noch eine gelinde Strafe so viel die andern von ihm sagen, war er ein Erzverführer. Aber ich dachte, du, schöne Helena, du hättest gerade zugehen dürfen, nachdem du den Vogel im Schlag hattest; und nicht soweit ausschweifen – aber nein, du mußtest deinen Bertram in die Enge treiben, mürbe machen, daß er zuletzt deiner froh werde. Nein, wenn ich Helena wär, ich möchte Bertram um alle Welt nicht haben, lieber den Rüpel, und doch ist er in diesem Spiel nur ein gemeiner Rüpel, ein Alltagskerl. Es gibt doch in alle Welt so kuriose Weibsbilder von so wunderlichem Geschmack und dazu so standhaft in ihrer Liebe, daß sie Einen vom Galgen herabschneiden würden. Gewiß, der Dichter hat das größte Recht, man mag auch darwider sagen, was man will, ein Frauenzimmer liebt heftiger und standhafter als die verliebteste Mannsperson, und das hat er an manchen Orten sehr schön dargestellt. Dies ganze Stück habe ich mit Vergnügen gelesen. Es dunkt mich belustigend und doch viele Wahrheiten gesagt, aber hervorstechende Charakter hab ich nicht viel bemerkt. Parolles und Rüpel hat's allerwegen. Die Gräfinnen von Rousillon und Lafeu dünken mir die schönsten.

Macbeth, ein Trauerspiel

Jawohl, ein Trauerspiel, ein greuliches, daß einem alle Haare gen Berg stehen. Macbeth, du Mördergrube, du Schandfleck des menschlichen Geschlechts, eingefleischtes Ehepaar vom Teufel und seiner Großmutter, du Ausdünstung aus der Hölle! Ist es eine wahre Geschichte? Wie konntest du, großer William, das all ohne Schauder hersetzen, all das gräßliche Zeug, was die Hölle nur Ungeheures hat, auf dem Erdboden zusammenbringen, und die Muttererde so scheußlich beflecken und ihre Söhne schänden! Sollte man nicht diese ungeheuren Schandflecken aus den Chroniken und Jahrbüchern auskratzen? Doch nein, es kann der Welt zur Warnung dienen, den Menschen Entsetzen und Abscheu einjagen vor dem Laster. Hätte vielleicht Macbeth ein solches Trauerspiel gelesen, wär er zurückgebebt vor solchen Greueltaten. Aber jener Mann Gottes sagt, wer fromm ist, sei immerhin fromm, und wer böse ist, sei immerhin böse. Ich förchte schier, der Erdboden trage heutzutag noch solche Menschen, die, wenn sie Macbeths Reizungen und seine Gewalt in Händen hätten, eben auch Macbeths Taten begingen, sie möchten dieses Stück gelesen haben oder nicht. Aber es ist doch entsetzlich, einen so sanften, huldreichen König, wie er angegeben wird, auf eine solche Art zu ermorden. Und das tut keiner, dem er übel begegnet, der ihm deswegen feind ist, nein, einer, der sein bester Freund dem Schein nach ist, Macbeth, sein General, den der edle Dunkan bis an den Himmel erhebt. Schier stund ich in Gefahr, die weise Vorsicht zu beschuldigen, daß sie eine so gute Seele in die Hand eines solchen Verräters übergeben. Aber Gott bewahre! seine Absichten sind weise. Ich ging in die älteste Geschichte zurück und fand von Anfang an solche Zulassungen.

Welche Überwindung kostete es dem edlen Macbeth, bis der Teufel sein Herz und seine Hand hatte; wie bebte er vor dem Dolch zurück! Hingegen welcher Mut und schwarz Entschlossenheit in seiner Lady. Ei, wenn die listige Schlange erst die Eva hat, weh dir dann Adam!

Die Ermordung Banquos ist mir nicht so nahe gegangen. Dieser mag auch mit Unglück schwanger gangen sein, und Spitzbubenfreundschaft endigt sich leicht so. Aber wer kann ohne Schaudern Macduffs Schloß überrumpeln sehen, den edlen Jungen, seine Mutter, die schöne Lady Macduff und alles niedermetzeln sehen ohne Entsetzen. Und die Söhne des Königs, Malcolm und Donalbain, so schuldlos entfliehn, in der Irre herumwandeln und einen Vatermord auf sich haben: das heißt auch was. Aber die sind glücklich, das Traurige fällt auf die Verbrecher. Du elender Macbeth, wie lang magst du schon in der langen Nacht vor dem Dolche gezittert und vor Banquos Geist geflohen und vor Birnams Wald gebebet haben, und du unglückliche Lady Macbeth, wie lang wirst du schon eine ängstliche Nachtwandlerin sein, deine Finger wüschen und immer wüschen und doch nicht abwüschen, du magst deine Flecke verfluchen, wie du willst. O du elendes Weib, um ein elendes Titelchen sich solche Angst auf den Hals laden. Teufel, du bist ein Schelm! Mußte der Mörder Macbeth am Ende noch den jungen Siward in der Schlacht ermorden. O, ich hätte in dieser Schlacht greulich um mich gehauen, auf der Seite Malcolms. Zwei edle Männer, Malcolm und Macduff – an ihrer Seite hätte ich gefochten wie ein Löw. Aber das Greulichste hab ich auf die Letz erspart. Da will ich dich noch zu Rede setzen, William, warum bringst du da in drei Hexen die halbe Hölle auf die Welt, das Scheußlichste, das ich in meinem Leben gehört habe? Ist's dein Ernst, warst du nach der damaligen Moden auch so ein Hexenmacher? Nein, ich kann's nicht glauben, so ein Geist wie der deinige hat sich weit über diese Sphären erhoben, so ein Mann, der die große und kleine Welt uß- und inwendig kennt, bindet sich nicht an die allgemeinen Moden. Aber du wolltest den schrecklichen Aberglauben in einer ungeheuren Gestalt zeigen, der Nachwelt hinterlassen, welch gräßliche Phantaseien die damaligen Köpfe beherrschten. Aber darfst du da die grausigsten Sachen, die die Erde samt ihren Abgründen hat, auf die Bühne bringen? Es werden ja auch saubere Damen Zuschauer sein, darfst du dann vor ihrem edlen Aug die unsaubern Hexen all das garstige Zeug kochen lassen: Schlangen, Kröten, Froschzehn, Fledermaushaar, Hundszähne, Eidechspfoten, Drachenschuppen, Hexenmumien, Judenleber, Türkennasen etc. Pfui, fort mit den Hexen und ihrem schmutzigen Geköch. Wegen der Geistererscheinungen will ich ein ander Mal mit dir reden. Dein Genie ist in diesem Stück sehr groß, aber die Hexen sind nicht dein Geschöpf.

Sechster Band

Drei historische Schauspiele

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