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Es läuten die Glocken

Carl Ludwig Schleich: Es läuten die Glocken - Kapitel 6
Quellenangabe
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typenarrative
authorCarl Ludwig Schleich
titleEs läuten die Glocken
publisherConcordia Deutsche Verlags-Anstalt
printrun16. Auflage
year1922
firstpub1912
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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V.

Des Feurigen Spielwarenfabrik

Nun war Aldebaran schon viele, viele Tage Elses steter Begleiter gewesen. Unermüdlich hatte sie den schier Allwissenden gefragt nach Grund und Sinn unzähliger Dinge, die ihnen begegnet, und immer wieder erzählte ihr Schutzgeist lehrreiche und unterhaltsame Geschichten von Welt und Leben. Wie gern hörte sie ihm zu bei ihren Schulgängen oder wenn sie sich im Grase oder auf einem Stoß gehäufter Baumstämme niederließen; wenn sie über die abgemähten Kornfelder schritten oder am Strande über das Meer hinwegschauten. Die ganze Welt gewann für das Kind allmählich ein anderes Aussehen, auch dem Kleinsten und Winzigsten wußte ihr kundiger Lehrer die anmutigsten Beziehungen zum Ganzen abzulesen. So saßen sie wieder an einem schönen Herbstabend gemeinsam auf der Bank, neben welcher ihr zuerst Aldebaran erschienen war, und blickten in die unendliche Ferne, wo vor kurzem die goldene Sonnenkugel in ihr violettes Wolkenbett versunken war. Eben zogen die Sterne herauf, diese unabsehbar fernen Friedenswächter der Nacht. Da fiel eine Sternschnuppe über den See.

»Ist das ein Stern, der niederfällt?« fragte Elselein.

»Es sind verirrte Sternkinder, Elselein, die sich im Weltall verloren und sich ihre Lichtäugelein ausgeweint haben in der großen Einsamkeit im Äthermeer. Kommen sie nun der Erde nah, angezogen von dem matten Licht eurer sonn- und mondbeschienenen Heimat, so leuchten sie vor Freude auf, im Glauben, ihre Mutter wiederzufinden. Aber ach! Die Erde hat ein dichtes Schaumnetz um sich gezogen, das wird ihr feuriges Grab, an ihm verbrennen sie zu Staub. Aber alles Sterbende wird Saat, auch in ihnen sind Keime neuen Lebens. Es ist ein großer Säemann am Werke! Der wirft mit nimmermüder Hand von seiner Sternenwiese immer neue Saat nicht nur auf eure Erde, auch auf die vielen, vielen tausend Leuchten, die dort oben, jetzt noch Sterne, einstens Erden werden!«

»Luftpeterchen!« sagte Else, »ich möchte eine Frage tun. Du mußt mich aber nicht auslachen. Sie ist gewiß sehr dumm. Aber sag' mir: Du hast mir verboten, nach den Sternen zu fragen und hast immer: ›Später! Später!‹ gesagt. Noch gestern meintest du: ›Laß uns zuvor nur auf der Erde bleiben.‹ Sieh' mal, meine Katze, unser Schimmel, die Kühe Lise und Trud, Vater, Mutter, der große Nußbaum und alle Riesen des Waldes, die Sträucher und Blumen im Garten – die sind doch alle lebendig, nicht wahr? Du hast mir einmal gesagt: Alles hat seinen Vater und seine Mutter. Nun möchte ich gern wissen: woher stammten die ersten Eltern von allen Pflanzen, Tieren und Menschen? Ist es so, wie es in der Bibel steht?«

Aldebaran sah ernst vor sich hin. Dann sagte er: »Es ist beinahe so. Man kann es auch so aussprechen. Aber wir Geister sehen es etwas anders. Vielleicht ist auch unser Wissen nur ein Gleichnis. Laß dir eine Geschichte erzählen:

Es war einmal ein großer Weltenkönig. Der wohnte ferne, fern unter ganz anderen Sonnen als diese eben versunkene; dessen Reich umfaßte noch viel mal mehr Millionen Sterne, als wir sie da aufleuchten sehen am großen Vorhang zwischen dem Meere dieser Erde und dem Mantelblau des ewigen Himmels. Der hatte drei Söhne: den Sinnenden, den Liebenden und den Feurigen. Die waren seinem Vaterherzen gleich lieb und wert, aber sehr verschieden nach Wesen und Sinnesart. Der Liebende wollte mit seinem Himmelsherzen alles in Güte und Ausgleich umfangen, der Sinnende strebte nach ewiger Ruhe und wollte nur immer verharren in stummem Anschauen der Herrlichkeit seines Vaters und aller seiner Werke. Der Feurige aber war trotzig, stolz und zum Auflehnen gegen des Vaters Majestät geneigt. Er glaubte, alles ebenso gut und manches besser zu verstehen als sein königlicher Vater, der anfangs mit Milde und Nachsicht des Sohnes wildes, aufrührerisches Feuerherz zu leiten suchte. Vergeblich. Schon hatte den Jungen sein unruhiger Geist verleitet, Zweifel, Einspruch und Hohn an des Vaters Tun zu üben, ja, er hatte sich nicht gescheut, Anordnungen des Herrn der Heerscharen direkt zu durchkreuzen oder fürwitzig abzuändern. Da war freilich großes Unheil entstanden. Sterne waren aus ihrer Bahn gekommen, weil er ihr Umlaufswerk mutwillig anders gestellt, als es der Vater angeordnet, gewaltige Zusammenstöße waren erfolgt, Sonnen zerbarsten und verloschen, Weltenbrände entstanden und Wirbelstürme und Feuerorkane wüteten im Reich. Da, einmal, als alle Ermahnungen des guten Vaters nichts mehr fruchteten, faßte den Mächtigen ein großer Zorn, und er führte den Rebellen auf einen einsamen Stern nicht fern eurer großen Sonne, woselbst er keinen Schaden anrichten konnte.

»Du Feuerspieler!« rief er mit fürchterlicher Donnerstimme, »hier magst du dein Glutenherz austoben! In dieser öden, noch nicht gewordenen Sonnenwelt, die nur das Feuer noch kennt, bleibe einsam, tu was du willst und spiele mit Sonnenstrahlen!«

Da lag der Feurige auf glutenheißem Felsenboden und grollte sehr. Tagelang ballte er drohend die Fäuste zu seines Vaters fernem Thron und starrte in die nahe, glühende Sonne. Gefurcht war seine Stirn, heiß der Blick seiner Augen, finster die Miene, und Bitterkeit lag über seinen Lippen. Er sann und sann auf Rache. Aber kein Ausweg, keine Flucht, keine Rückkehrmöglichkeit tat sich vor ihm auf. Ins Weltall wollte er springen von einem hohen Berg aus, aber sanft schwebte er nieder in das tiefe Tal auf den Platz, wohin ihn der Vater verbannt. Rastlos durchwanderte er den Stern und fand keine Brücke, keinen Pfad zum väterlichen Sternenpalast zurück. Da lachte er auf in ohnmächtiger Wut. »Spiel mit Sonnenstrahlen!« dröhnte ihm des Vaters verächtlicher Ruf in die Ohren. Da kam ihm plötzlich ein Gedanke.

»Bin ich nicht ein Schaffender wie er? Nicht ein Gewaltiger wie meine Brüder? Vielleicht schaffender, liebender, sinnender, als sie alle zusammen? Laß sehen! Mit Sonnenstrahlen spielen? Warum nicht? Ich will's versuchen! Vielleicht! – Vielleicht!«

Gefaßter und durchleuchtet von einem reineren Trost gewollter Träume blickte er auf zur Sonne. Fast herausfordernd brannte sie ihm in die Augen mit tausend, tausend lockenden Strahlen.

»Ja, wenn man euch fangen könnte, ihr Millionen Feuerseelchen, die ihr endlos lange Fäden spinnt! Ihr Milliarden kleiner Glutenteufelchen! Ihr solltet mir schon dienen und mir gefügig sein!« – Er weinte, halb im Schmerz und halb im Zorn. Wie in spielerischem Grimm langte er greifend nach einem Strahl, und siehe! er blieb an seinem Finger hängen, ein unendlich feines, nur seinem Gottesauge sichtbares Fädchen. Schnell rollte er es zu einem winzigen Knäuel zusammen, aber es schoß hin und her, flüchtig und blitzeilig, und suchte ihm zu entfliehen. Er griff mehrmals nach dem Entschlüpfenden, schloß es endlich in seine Hand wie eine gefangene leuchtende Fliege und sah hilflos um sich nach einem Etwas, womit er es einsperren könne. Da griff er mit der Linken in den Sand. Eine Träne war in den trocknen Kieselstaub gerollt. Schnell knetete er einen kleinen Brei zusammen, tat das Sonnenknäuel hinein, drückte es eilig in die weiche Masse und schloß das kleine Gefängnis des Sonnenstrahls, indem er das feuchte Kieselklümpchen zu einer winzigen Kugel mit den flachen Händen zusammenrollte. Da war es gefangen, ein kleines Sonnenkindchen, noch matt durch die trübe Hülle hindurchleuchtend. Lachend legte er sein erstes Kunstwerk vor sich hin. »Fang' Sonnenstrahlen!« rief er triumphierend. Der Anfang war gemacht. Ein leichter Regen fiel hernieder. Der kam ihm gerade recht. »Nun brauch' ich keine Tränen mehr,« dachte er und begann in gleicher Weise noch Hunderte von Sonnenstrahlen einzufangen und sie in feuchte Kieselkügelchen einzuschließen. Das war ein lustiger Zeitvertreib. Und wie winzig das ganze Häufchen war, kaum so groß wie ein Fingernagel.

»Morgen mehr!« so dachte er und legte sich zur Ruh'. – Als er erwachte, sah er voller Erstaunen vor sich hin. Das Häufchen von Sonnenstrahlen war ein kleiner Berg geworden, und rings um ihn her lagen unzählige, ebenso geformte kleine Sonnenstrahlkäfige, genau dem Bilde derer gleich, die er mit eigener Hand geformt. Nur waren die Kügelchen mit allen nur denkbaren Farben durchleuchtet: rote, grüne, blaue, gelbe. Das war ihm wie ein Wunder. Sollte der allwissende Vater das alles vorausgesehen haben? Immerhin – es war seiner eigenen Hände Werk. Nun wollte er schon weiterspielen. Er ordnete die kleinen Kügelchen wie liebliche Bausteinchen in große gleichfarbige Gruppen, fügte sie mit Kristallspangen aneinander, übereinander, durcheinander, versuchte dies und das, formte liebliche kleine Gebilde, wie Blättchen, Rispen, Stenglein und Dolden und machte sich kleine, anfangs formlose, später graziösere Püppchen aus seinem Sonnensteinchenmaterial. Tag und Nacht sann er und webte selbst in den Träumen Pläne von zierlichstem Spielzeug, und die Luft ging ihm nicht aus, da wie durch einen Zauber sich aus den alten, urersten Sonnenstrahlkäfigen immer aufs Neue Abkömmlinge bildeten, so daß er nur selten an Regentagen aus den Augenblitzen der erstaunt zuschauenden Sonne neue Fangnetzkugeln zu bilden brauchte. Er lachte hell auf vor Lust. Er hatte gelernt, die Sonne einzufangen mit aller ihrer Zauberkraft. Eine unendliche, nie empfundene Freude kam über ihn. Eine Welt des anmutigen Formenspieles wollte er schaffen. In ihm war alles fertig. Formenschönheit, tiefster Sinn, Harmonie und unzählige Veränderung schwebte ihm vor. Für tausend, tausend Tage der Einsamkeit gab es nun genug zu tun. Er sang laut in die Sterne:

»O Einsamkeit! Du Wiege der Gedanken!
Nun laß dich preisen!
Du reiner Flammenherd zukünftiger Wonnen,
Du stiller Altar schöpferischen Betens,
Laß dich preisen!«

Nun baute er aus großen zusammengetragenen Felsstücken, die er einst in ohnmächtiger Wut gegen seines Vaters Palast in den Weltraum zu schleudern versucht hatte, ein großes Haus mit vielen, vielen Kammern, in denen er die über Tag gezimmerten Bildwerke aufbewahrte. Aus einfachsten Formen gestaltete sein schöpferischer Griff nun allerhand Wundergestalten, winzig klein und riesengroß, dunkle, schwarze, weiße, bunte. Er ersann wunderbare kleine Vorrichtungen aller Art zur Verbindung und einer erträumten Tätigkeit unendlich vieler solcher kleinen Sonnenarbeiter, die er eingefangen und eingereiht hatte zu unausdenkbar mannigfaltigen geheimen Leistungen und Aufgaben, die ihm alle deutlich vorschwebten wie eine ferne, schöne und berauschend herrliche Möglichkeit. So schuf er ungezählte Formen einer gedachten Selbstbewegung seiner Geschöpfe, im Meer, in der Luft, im Glutensande, in Schnee und Eis. Er träumte Organe zu ihrer Erhaltung und Wiedergeburt – alles das allein aus vollendetstem Gebrauch seiner unzähligen kleinen Bausteine. So entstanden aus hellen, silbern glänzenden Plättchen kleine und große alabasterne Flügel zum Leben in der Luft, gefiederte Schwingen, Krallen, Greiffüße, Schwimmflossen, Rüssel und Stacheln und alle denkbaren Formen von Schutzvorrichtungen, Waffen, Hüllen und Panzern. Die größte Sorgfalt verwandte er auf die Vollendung der Welt im Kleinsten. Hier war gleichsam der Tummelplatz einer künstlerischen Verschwendung von Silber und Gold und allerherrlichster Färbung, sowie ein Wunderfeld schönster Formengebung und Wechselgestaltung. So entstanden Algen, Moose, Farne, Blattpflanzen, Blumen mit sammetleuchtendem Kelch, kleinste Pilze, winzige Flügelwesen, Ringelwürmer, Eidechsen, Schlangen, Riesenflügelwesen und jede Form von Bildwerken, die die Phantasie eines Königssohnes nur erdenken konnte. Modelle gleichsam von allen Formen, die heute unzählige Sterne und Erden bevölkern, wunderbarer, zahlreicher und kunstvoller, als sich Menschen träumen lassen. Und am letzten Tage seiner Arbeit ein Ebenbild seiner selbst: der Mensch, und über ihn hinaus göttergleiche Wesen! Alles stand wohl gereiht in seinem großen Hause – aber alles nur als Puppe, als Bildwerk, als Spielzeug – unbewegt und starr, leblos, nur leuchtend in allem Schmelz des Lebens, farbenfroh und feuerprächtig, glutbereit und schöpferkühn – aber tot und unbeseelt. Da ergriff ihn eine große Trauer. Spiel! Nichts als vergeblich Spiel! Ein Götterspielzeug wohl, ein Titanenzeitvertreib, Kohle, geformte Asche, Sonnengräberchen, aber kein Leben! Seine armen, im Stoff erstickten Gedanken!

Da sank er, vom Schmerz vollends überwältigt, in die Knie und betete voll großer Inbrunst und erster wahrhaftiger Reue zu seinem Vater und zu seinen Brüdern.

»Kommt, ihr Gewaltigen, ihr nun Geliebten zu mir Einsamem! Helft mir in meiner großen Not! Kommt und steht mir bei! Aus Ohnmacht flehe ich und aus großer Sehnsucht!«

Da brauste eine stolze Wolke heran: ihr entstieg der Vater mit dem Sinnenden und dem Liebenden. Sie umarmten ihn in Inbrunst und trockneten seine Tränen. Dann führte er alle in seine Spielwarenfabrik. Es war des Staunens kein Ende. Von Anfang enthüllte er ihnen seinen Plan, sein Geheimnis. Voll heiliger Ergriffenheit überblickten sie die weite Welt der Ideen, die in diesem Spiel gefesselt war. Aus dem Einfachsten in einer fortlaufenden Kette aufsteigend zu wunderbarsten, in Erfinderüberfluß schwelgenden Harmonien, unendliche Variationen eines ureinzigen, seligen Schöpferliedes – war hier durch des Feurigen Bildnerhand ein Weltenwerk geschaffen.

Sie priesen ihn laut. Er aber sprach traurig:

»Ich habe es viel herrlicher gedacht. Alles sollte leben und jauchzen im Licht. Ich habe meinen Kopf zermartert, meine Seele durchrungen, die Hände im Staube zerwühlt. Ich habe alles an mein Herz genommen, um es zu erwärmen, es angehaucht, es mit meinem Blut getränkt – es bleibt tot. O Vater! Erhabner! Kröne mein Werk!«

Der aber sprach:

»Du forderst viel, mein ungestümer Sohn! Soviel Leben, wie ich hier erwecken soll, und soviel Freuden du den Armen zugedacht, soviel Tod und soviel Leid müssen wir ihnen mitgeben! – Freilich! Freilich! Es ließe sich weiter bauen. Es könnte alles nur ein Durchgang sein, ein Tor zu noch Höherem, Befreiterem! Da müßt ihr später mithelfen, du, Sinnender, und du, Liebender! Es ist ein schwerer Entschluß, wenn ich all der Tränen gedenke, die ich mit ihrem Leben wecke! – Doch, es sei! So aber, wie du es von Herzen wünschest, mein Sohn, alles dies fertig zum Leben zu rufen, das ist unmöglich! So weh' es dir tun mag: erst muß ich alles dies wieder zerstören und in seine einzelnen kleinen Bausteine, die du so wunderbar ersonnen, wieder auflösen! Mag es sich dann einst selber wieder zusammenfinden nach deinen kühnsten Ideen, die sie in sich lebendig erhalten sollen! Dafür vermag ich zu sorgen. Aber, wenn ich alle diese köstlichen Spielzeuge deiner Phantasie fertig hinabbrächte auf irgend ein Gestirn – sie müßten fast alle zugrunde gehen und mit ihnen müßten deine Träume sterben. Sie sollen sie strebend und ringend wiederfinden!

Schaut dort auf den kleinen verloschenen Stern. Er heiße von nun ab ›die Erde‹, und auf jenen und jenen, die um jene Sonne kreisen. Dort sollen deine gefangenen Sonnenstrahlen Leben, Heimat und Erlösung finden!«

Da schlug er mit seiner gewaltigen Hand das riesige Haus mit allen Spielwerken in Stücke. Alle Kinder aus des Feurigen Hand sausten, zu feinsten Steinchenstaub zertrümmert, wie ein Blütenregen in den Himmelsraum hernieder.

Da – Elselein! fielen viele Millionen kleine und große Sonnenzellen auf die Planeten und auch auf deine Erde. Die war gerade erloschen, und die ersten Meere hatten sich gebildet. Vieles fiel in die Flut, vieles auf das Land. Von dem gewaltigen Schwung der unendlichen Fahrt durch den Äther begannen die Sonnenknäuel in ihren Käfigen sich zu drehen und zu bewegen, all die vom Feurigen vorgedachten kleinen Maschinchen und Apparate des Lebens begannen zu zucken und zu kreisen, zu hämmern und zu laufen und gewannen ihre Fähigkeit, sich Zelle um Zelle zu vermehren, in ihrer ursprünglichen Gestalt wieder. Alle wurden zerrissen, zersprengt, aneinandergepreßt und zu neuen Formen vereint; viele blieben in der Luft, unzählige im Meer, manche stiegen an das Land, und – – das Leben, das große heilige Leben begann.

Nun suchen seit unendlich langen Zeiten alle die kleinen gefangenen Sonnenknäuel sich allmählich wieder zurückzufinden und sich zu vereinigen nach den Plänen ihres großen Meisters, soweit es ihnen die Natur ihrer neuen Heimat, Kampf und Widerstand erlaubt. Immer noch sind sie dabei, sich zu Gestalten wiederzufinden, die einst der Feurige sich ausgedacht, und niemals – Elselein, wird dieses ewige Suchen, Sichfinden, Sichverlieren und Zugrundegehen, um aufs Neue hineinzuwachsen in die gotterträumten Formen, aufhören ...

Das ist das, was mir Geister vom Leben wissen. Doch kann ich dir später noch viel Schönes davon, Herrliches und Trauriges berichten.«

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