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Eros' Begräbnis

Hjalmar Bergman: Eros' Begräbnis - Kapitel 5
Quellenangabe
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typefiction
authorHjalmar Bergman
titleEros' Begräbnis
publisherR. Piper u. Co.
year1934
translatorMarie Franzos
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Die Geschichte von dem unglücklichen Jüngling.

»Das Jahr, bevor ich mit der Schule fertig wurde, bekam meine Klasse einen höchst bemerkenswerten Zuwachs in Gestalt eines Jünglings aus Stockholm, der uns ganz unerwartet zugesellt wurde. Sein Taufname war Arthur, den Zunamen will ich verschweigen, da er allzu bekannt sein dürfte. Er war gleichaltrig mit uns anderen, siebzehn oder achtzehn Jahre, aber in jeder Beziehung entwickelter als wir. Wir betrachteten ihn mit einem gewissen Mißtrauen und ließen uns anfangs ungern mit ihm ein. Er besaß Kostbarkeiten, die man zu jener Zeit bei Schulknaben nicht zu finden pflegte, wie eine goldene Uhr und Kette, Perlhemdknöpfchen und dergleichen mehr. Das stieß uns ab. Schließlich entdeckten wir, daß sein Leibchen aus Seide war und daß er unmittelbar auf dem Körper eine goldene Kette mit einem ziemlich großen Medaillon aus demselben Metall trug. Das reizte unsere Neugierde, und wir fragten, ob er das Bild seiner Eltern in dem Medaillon habe. Da machte er Andeutungen, die uns noch mehr aufreizten, so daß wir ihn schließlich mit uns auf den Abtritt lockten, wo wir ihn zu Boden warfen und ihm das Medaillon abnahmen. Es enthielt ein Porträt, den Kopf einer schönen Dame; aber das Merkwürdige war, daß die Augen des Porträts durchstochen, der Mund zerschnitten und die Wangen mit Stecknadelstichen punktiert waren. Arthur entriß uns das Medaillon, er schluchzte vor Wut und drosch mit einer solchen Raserei auf uns los, daß wir ganz verlegen wurden.

Bald jedoch wurden wir mit ihm vertrauter. Er war ein guter und freigebiger Kamerad und unbegreiflich gerissen darin, alle Unannehmlichkeiten sowohl für sich selbst wie für uns wegzulügen. Er wurde unser Klassenordner, und wir bürdeten ihm alle unsere Vertrauensaufträge auf, namentlich solche, die darauf ausgingen, den Herren Lehrern eine Nase zu drehen. Abgesehen von einer gewissen Geckenhaftigkeit in der Kleidung und einem beständigen Kämmen und Pomadisieren, Waschen und Nägelputzen, fanden wir nichts an ihm auszusetzen. Und nachdem wir ein kleines Ohrlöffelchen aus Elfenbein zerbrochen hatten, das uns zuviel geworden war, kamen wir ganz gut mit ihm aus.

Aber es war mir beschieden, seine schwache Seite zu entdecken. Eines Tages sagte er zu mir:

›Ich bin gerne in dieser Stadt, wegen der vielen Weiber.‹

›Sind denn hier mehr als anderswo?‹ fragte ich in meiner Einfalt.

Und er erwiderte: ›Du verstehst nicht, was ich meine. Weiber nenne ich nur solche Frauenzimmer, auf die man Lust kriegt und die man haben kann.‹

In meiner ländlichen Unschuld wagte ich nichts anderes, als mich so zu stellen, als ob ich ihn verstünde. Ich erging mich in leichtsinnigen Reden und trug nach besten Kräften recht dick auf, um uns nicht vor einem Jüngling aus einer anderen Stadt und Lehranstalt lächerlich erscheinen zu lassen. Denn die Furcht, sich lächerlich zu machen, überwindet bei der Jugend auch die stärkste Tugend. Er wurde nun ganz vertraulich, nahm mich unter den Arm und sagte:

›Ich weiß nicht, wie das bei dir ist, aber ich meinerseits kann nicht ohne Weiber leben. Von daheim mußte ich fort, weil ich ein Verhältnis mit der Gesellschafterin meiner Mutter hatte. Übrigens hätte ich mir nichts aus ihr gemacht, wenn es nicht gewesen wäre, um die zu Hause zu ärgern.‹

Ich ließ die Kameraden wissen, was ich erfahren hatte, und sie riefen aus einem Munde:

›Glaube ihm nicht! Er schneidet auf!‹

Denn für uns war dies etwas Unerhörtes, das unsere Weltanschauung verletzte. Unser Verkehr mit dem anderen Geschlecht bestand ja nur darin, daß wir jeden Abend die Pflastersteine der Hauptstraße in Gesellschaft einer treuen Freundin abwanderten.

Der Neuankömmling hingegen hatte andere Sitten, und bald kamen die sonderbarsten Gerüchte in Umlauf. Es wurde bald dieses Dienstmädchen, bald jene Näh- oder Ladenmamsell als Opfer seiner Verführungskünste genannt. Und wie soll man seinen Erfolg bei diesen armen Mädchen erklären? Ich kann ohne Prahlerei sagen, daß ich selbst ein weit schönerer Jüngling war, nur daß meine anständige Schamhaftigkeit mir stets im Wege gestanden ist. Sein Haar war ganz rabenschwarz, wenn das nun etwas sein soll, und die Augen ziemlich groß und glänzend. Der Mund klein, schmal, hochrot und von bösartiger Form. Am hervorstechendsten war die unnatürliche Blässe des Gesichts; und ob dies nun seine angeborene Hautfarbe oder schon eine Folge seines Lebenswandels war, so machte sie jedenfalls einen eigentümlichen Eindruck. Seine Gestalt war nach meinem Geschmack zu schmächtig, wenn auch gut gebildet. Der wirkliche Grund seines Glücks bei dem anderen Geschlecht war sicherlich seine Keckheit und die Ungewohnheit der armen Kleinstadtmädchen an solche Dreistigkeit. Wie dem auch sei, jedenfalls weiß ich mit Bestimmtheit, daß er viele Eroberungen machte, und alle so gründlich, daß Tränen und Elend ihm auf dem Fuße folgten.

Wir Kameraden mußten natürlich seine Liederlichkeit mißbilligen, aber es läßt sich nicht leugnen, daß wir seine Kühnheit bewunderten. Auch wo diese Eigenschaft sich in den Dienst der schwärzesten Laster stellt, zwingt sie der Jugend Bewunderung ab; eine Tatsache, die man bedauerlich, aber kaum verwunderlich nennen kann, denn die Menschheit kann möglicherweise ohne Tugenden, aber unmöglich ohne Kühnheit bestehen. Der eine oder andere begann so allmählich in seine Fußtapfen zu treten. Und zu mir sagte er:

›Gedenkst du viele hundert Jahre zu leben, da du nicht beizeiten anfängst?‹

Meine Armut beschützte meine Keuschheit, und ich hatte stärkere Gründe als er, mir die gute Meinung der Leute nicht zu verscherzen. Andere zeigten weniger Festigkeit als ich. Die armen Dinger, die von dem Verführer verlassen waren, suchten Trost bei seinen Freunden. Einige verfielen der vollständigen Sittenlosigkeit und gingen bald von einer Hand in die andere, und zwar keineswegs aus Gewinnsucht, sondern weil sie die Sklavinnen einer Begierde geworden waren, die zu früh erweckt worden war. In unserem kleinen, harmlosen Gemeinwesen führte er in einigen Monaten einen leichtsinnigen Lebenswandel ein, den zu propagieren Philosophen bedenklicher Schulen Jahrzehnte gebraucht hätten. Das Laster erringt seine größten Siege dank der Macht des Beispiels.

Es mag wunderlich erscheinen, daß niemand dem Treiben des zügellosen Knaben Einhalt tat. Aber einerseits erfuhren nicht viele von den Älteren davon, denn wenn etwas an den Tag kam, schoben die Mädchen die Schuld auf andere und ließen Arthur unbehelligt. Andrerseits hatte er gewisse Eigenschaften, die ihm auch die Achtung älterer Personen gewannen. Er war unerschrocken und hatte eine wahre Manie, Leute aus Lebensgefahr zu retten. In der Zeit des dünnen Eises betrieb er einen förmlichen Bubenfischfang am Flußufer, und seinem Heldenruhm konnte nicht einmal die Behauptung gewisser Knirpse etwas anhaben, daß der edelmütige Retter sie zuerst hineingestoßen habe. Auch fanden jene Übelgesinnten keinen Glauben, die vorgaben, er habe eine Holzspelunke eigens angezündet, um Gelegenheit zu finden, im letzten Augenblick eine gebrechliche Greisin hinauszuschleppen. Wie dem auch sei, auf jeden Fall hatte er etwas von einem Helden; er erntete große Lobeserhebungen, und der Ruhm seiner Tugenden kam seinen Lastern zugute.

Außerdem war er liebenswürdig gegen alle, außer gegen jene, die er liebte. Er hatte immer irgendeinen Ulk vor, der die Leute aufpulverte. Er gründete Vereine und bildete Theatertruppen, arrangierte Bälle und führte groß angelegte Gänsemärsche an, er schlug Fensterscheiben bei mißliebigen Lehrern ein und war ein Meister in allen Arten von Serenaden, den angenehmen wie den unangenehmen. Er war, kurz gesagt, scharmant. Ich hatte ihn gerne und konnte nicht umhin, über seinen Leichtsinn zu trauern. Aber er sagte:

›Davon verstehst du nichts. Dein Leben ist abgesteckt. Du wirst Pfarrer werden und dich dreimal mit drei kinderreichen Witwen verheiraten. Du wirst neunzig Jahre alt, und auf deinem Grabstein werden deine Tugenden, von deinen Kindern eingemeißelt, stehen. Mit mir ist das etwas anderes. Ich sterbe bald und gedenke nicht, die Zeit zu verpassen.‹

›Sicherlich‹, gab ich zu, ›wirst du bald sterben, wenn du dieses Leben fortführst.‹

Da schien er einen Augenblick nachdenklich, und ich erinnere mich ganz genau an sein weißes Gesicht gerade in diesem Augenblick. Plötzlich sagte er:

›In diesem Falle würde ich meiner lieben Mama einen großen Gefallen tun. Sie hat mich nie ausstehen können. Und ich sie auch nicht.‹

Ich wurde ganz verzagt bei diesem Bekenntnis, das mir unsinnig und unheimlich vorkam. Denn selbst habe ich immer das vierte Gebot obenan gestellt, es als das bindendste und selbstverständlichste betrachtet. Er sah meine Verlegenheit und meine Zweifel, ob ich auch recht gehört hätte. Da riß er hastig sein Medaillon heraus, hielt mir das Bild vor die Augen und brach mit einer Leidenschaft aus, wie man sie wohl sonst nie an erwachsenen Leuten wahrnimmt.

›Hier hast du sie! Und glaube du meinen Worten: sie hat mich nie auch nur geküßt oder mir ein gutes Wort gegeben! Aber ich steche sie jeden Abend mit einer Nadel. Das ist mein Abendgebet.‹

Ich sagte nichts, aber von diesem Augenblick an hielt ich mich ferne und kam ihm nicht in die Nähe, gewiß, daß ein Unglück ihn erwarte.

Er wurde auch schließlich vom Unglück getroffen; seine Sünden fanden ihren Lohn. Einige Wochen vor dem Abitur verschwand er aus der Schule, und im Vertrauen teilte man uns die Ursache mit, in der Meinung, daß das Beispiel abschreckend wirken würde. Eine vernachlässigte Krankheit, die er sich durch das Laster zugezogen, hatte eine so bösartige Wendung genommen, daß er in das Lazarett gebracht werden mußte, um sich einer Operation zu unterziehen, die das Leben auf Kosten des Geschlechts retten sollte. Ich glaube, daß diejenigen unter uns, die an seinen Ausschweifungen teilgenommen hatten, diese Nacht ziemlich schlecht schliefen und sich in den folgenden Tagen jämmerlicher fühlten, als wenn sie sieben tödliche Krankheiten im Leibe gehabt hätten. Möge die Angst nicht zu früh von ihnen gewichen sein!

Ich meinesteils beklagte sein Schicksal tief und pries meine eigene Standhaftigkeit. Aber das Examen stand vor der Türe, und ich hatte keine Zeit für den unglücklichen Jüngling übrig. Erst als ich meine Prüfung mit großen Ehren bestanden hatte, erinnerte ich mich wieder seiner. Ich erfuhr, daß er noch immer im Krankenhaus war, als Rekonvaleszent. Ich machte ihm einen Besuch.

Er lag angekleidet auf dem Bett, abgemagert, und womöglich noch blasser als früher, aber sonst ziemlich unverändert. Meine ungeschickten und vielleicht etwas plumpen Versuche, ihn zu trösten, fertigte er mit schmutzigen Witzen ab. Erst als ich ihn ermahnte, sein Schicksal mit Geduld zu tragen und sein Leben irgendeinem großen, guten Werk zu weihen, das ihm den Verlust von Liebesglück und Familienleben ersetzen könne, nahm er die Sache ernster und sagte:

›Du glaubst, daß ich das hier zu überleben gedenke? Da kennst du mich schlecht.‹

Hierauf erging er sich in Lästerungen und Schmähungen gegen das Leben und den Höchsten. Um diese Abscheulichkeiten abzubrechen, fragte ich, wie seine Mutter sein Unglück aufgenommen habe. Er antwortete ganz achtlos, sie müsse jedenfalls darauf vorbereitet gewesen sein, da er nie ein Hehl aus seinem Lebenswandel gemacht, sondern, darüber befragt, eher übertrieben als gemildert hätte. Ich wußte dem jungen Zyniker nichts weiter zu sagen, sondern nahm ziemlich hastig und kühl Abschied. Ich reichte ihm die Hand.

Er nahm sie. Aber plötzlich setzte er sich halb auf, halb zog er mich zu sich hinunter und schlang mir die Arme um den Hals. Und er brach in ein Weinen aus – Gott verschone mich davor, es noch einmal zu hören. Er lag in meinen Armen, hilflos und kläglich wie ein Kindchen, und ich wußte nicht, was ich tun sollte. Schließlich sank das Weinen zu Schluchzen hinab und das Schluchzen ging in ein leises, leierndes Murmeln über, das ich schließlich als:

›Mama, Mama, Mama –‹ deutete. Da dachte ich: Der Verstockte ist weich geworden; er will mit seiner Mutter sprechen. Ich machte mich los und beeilte mich, eine Krankenschwester aufzusuchen, die ich von seiner Bitte unterrichtete. Sie sah mich ganz bestürzt an und sagte:

›Seine Mutter ist allerdings hier gewesen, aber schon vor einer Woche abgereist. Es muß ein unheimliches und sonderbares Verhältnis zwischen ihnen bestehen, denn als er erfuhr, daß sie hier sei, geriet er ganz außer sich und verbot uns, sie hereinzulassen. Und sie zeigte auch keine besondere Lust, ihn zu sehen, sondern entfernte sich.‹

Ich kehrte zu dem unglücklichen Jüngling zurück, der jetzt vollkommen ruhig war und nichts dergleichen tat. Wir nahmen Abschied voneinander.

Was mich betrifft, so erwies er sich als ein guter Prophet. Ich wurde Pfarrer und verheiratete mich dreimal mit kinderreichen Witwen. Jetzt erübrigt nur noch der Grabstein mit den eingemeißelten Tugenden, der Abschluß eines unbedeutenden, aber redlichen Lebens. Von meinem Jugendfreund wußte ich durch viele Jahre nur, daß er für seine eigene Person weniger wahr prophezeit hatte und noch immer lebte. Dachte ich einmal an ihn, was wohl selten vorkam, so betrachtete ich ihn als den unglücklichsten Menschen auf Erden. Denn ich hatte immer eine unausrottbare Liebe zu Kindern, und namentlich zu meinen eigenen. Obwohl sie mir viele Entbehrungen auferlegten, hatte ich doch stets meine Freude daran, sie wie die Zicklein grasen und wachsen zu sehen. Als das siebente kam, hörte ich auf zu rauchen, und das klare Brunnenwasser kam auf meinen Tisch; beim zehnten verzichtete ich darauf, Gäste in meinem Hause zu sehen; Nummer zwölf nahm mir Bücher und Zeitschriften; nach dem vierzehnten schaffte ich mir keine neuen Kleidungsstücke mehr an; Nummer sechzehn gewöhnte mir den Schnupftabak ab und verbot mir, Almosen zu geben, was für einen Pastor eine schlimme Sache ist. Als das siebzehnte und letzte auf die Welt gekommen war, beschloß ich, meine liebe Frau nicht mehr zu besuchen. Das war das Allerschwerste, aber unvermeidlich, wenn ich nicht auf das Essen verzichten wollte. So schob denn der Selbsterhaltungstrieb dieser Tür einen Riegel vor.

Aber den unglücklichen Jüngling sah ich vor etwa zwanzig Jahren wieder, als ich bei einem Pastorenkongreß in einer Stadt war, deren Namen ich nicht nennen will. Da war vor kurzer Zeit ein märchenhaft prunkvolles Schanklokal eingeweiht worden, von dem es hieß, es sei von oben bis unten vergoldet, und das schien mir ganz wunderbar. So daß ich zu mir selbst sagte: Jetzt hast du so oft gegen den verderblichen Luxus der Reichen gepredigt, daß du ihn dir doch auch einmal anschauen mußt. Übrigens sollst du doch den Kindern etwas zu erzählen haben, wenn du nach Hause kommst. Also trat ich kühnlich ein, setzte mich in eine Ecke des Saals und bestellte eine Tasse Kaffee. Das Lokal war wirklich sündhaft prächtig und schön, aber meine Aufmerksamkeit wendete sich doch hauptsächlich der glänzenden Gesellschaft von Damen und Herren zu, die da saßen. Ein kleiner Landpfarrer, der seine Schäflein aus mageren Feldern weidet, fühlt sich in solcher Gesellschaft verloren, befangen und ein klein bißchen geärgert. Denn wenn man auch fröhlichen Mutes den schmalen Pfad wandert, völlig überzeugt, daß er der rechte ist, empfindet man bisweilen doch eine gewisse Niedergeschlagenheit bei dem Anblick jener, die es verstanden haben, auf dem breiten vorwärtszukommen.

Ich saß also versteckt da und philosophierte bei meiner Tasse Kaffee, als ich einen Mann erblickte, der, nach allem zu schließen, all den andern noch etwas über war. Seine Haltung war aufrecht, sein Gang majestätisch, und wo er vorbeischritt, wurde er mit Achtung gegrüßt. Aber er war kein anderer als mein Schulkamerad Arthur, der unglückliche Jüngling. Ich erkannte ihn sofort, obwohl er sich sehr verändert hatte. Früher zu schmächtig, jetzt zu breit. Das schmale weiße Gesicht rot und aufgedunsen. Ich verglich in meinem stillen Sinn den hilflos weinenden Knaben mit dem selbstsicheren stattlichen Manne. Und obgleich ich mich über die Veränderung ja hätte freuen sollen, freute ich mich nicht.

Als er in die Nähe meines Tisches gekommen war, erhob ich mich und ging ihm entgegen. Ich fragte: ›Kennst du mich?‹ Nein, er kannte mich nicht, obwohl ich mich viel weniger verändert hatte als er. Ich nannte meinen Namen. Er betrachtete mich ganz bekümmert und sagte:

›Ich weiß, daß ich dich ganz gut kenne; aber dein Name sagt mir nichts.‹

Da erwähnte ich die Stadt und die Schule; immer bekümmerter und verlegener wurde er, und ich sah, wie er sein Gedächtnis auspreßte. Er sagte:

›Mein Schulbesuch war etwas unregelmäßig, und ich bin in vielen Städten und Lehranstalten gewesen. Aber wir wollen uns setzen, dann klärt es sich vielleicht.‹

Wir nahmen mitten im Saale Platz, und er bestellte für uns beide allerhand Leckereien, Speisen und Getränke, die mir bis dahin und auch nachher versagt blieben. Die Art, wie wir bedient wurden, bestärkte mich in der Annahme, daß er ein angesehener Mann sein müsse. So allmählich, aber gleichsam widerwillig erwachte sein Gedächtnis, und wir vertrieben uns die Zeit damit, frohe Erinnerungen neu zu beleben. Plötzlich sagte er:

›Schade, daß ich dich nicht in mein Heim führen kann. Meine Frau ist etwas unpäßlich.‹

Aha! dachte ich, er ist verheiratet, auf das häusliche Behagen hat er nicht verzichten müssen. Sonderbar und etwas ungerecht. Aber was vermag nicht alles der Reichtum!

Nun schilderte ich meine Schicksale und gestand, daß seine Prophezeiungen auf dem besten Wege waren, sich zu erfüllen, denn ich war schon zum zweitenmal verheiratet und hatte zwölf Kinder im Hause. Er sagte lächelnd:

›Ich meinesteils habe mich mit dreien begnügt.‹

Eh? dachte ich und platzte heraus: ›Du hast also auch eine Witwe geheiratet?‹

Aber das war nicht der Fall, und meine Frage setzte ihn in Erstaunen. Da wechselte ich rasch das Gesprächsthema, und während wir über dies und jenes plauderten, wurde ich immer zerstreuter und grübelte angestrengt nach und erforschte mein Gedächtnis. Wieder sprach er sein Bedauern aus, mich nicht in seine Familie einführen zu können, und sagte:

›Aber meine Frau erwartet dieser Tage ein Kleines.‹ Oho! dachte ich. Und nun entdeckte ich, daß sein Gesicht tiefe Falten des Kummers hatte. Ich wußte nicht recht, sollte ich reden oder schweigen. Er mußte jedoch mein warmes Mitleid gefühlt haben, denn er legte seine Hand auf die meine, indem er sagte:

›Auch steht es bei mir zu Hause nicht so, wie es sollte. Rein heraus gesagt – ich fürchte, es kommt zur Scheidung.‹

Ja, ja! dachte ich. Hier fruchtet kein Reichtum, und seine Strafe ist grausam ausgefallen, fast über Gebühr. In meiner Eigenschaft als Geistlicher hielt ich mich doch für verpflichtet, einige allgemeine Worte über die Heiligkeit der Ehe und die Pflicht des Christen, zu verzeihen, zu äußern, und sagte:

›Das sollst du dir aber noch sehr gut überlegen.‹

Er erwiderte: ›Du befindest dich im Irrtum! Ich habe nichts zu verzeihen! Gott bewahre! Wie kannst du nur auf eine solche Idee verfallen. Ich will mich ja auch gar nicht scheiden lassen. Meine Frau ist die beste Gattin und Mutter, und außerdem würde ich als der schuldige Teil meine Kinder verlieren, und das ist mir ein unerträglicher Gedanke.‹

›Du bist also der schuldige Teil?‹ fragte ich und riß die Augen auf.

Er erwiderte: ›Schuldig! Schuldig! Wer kann seine Natur ändern? Du erinnerst dich, daß ich schon als Jüngling eine gewisse Schwäche für das zarte Geschlecht hatte, und die ist mit den Jahren kaum geringer geworden. Doch habe ich mir nichts Ernstes vorzuwerfen. Aber meine liebe Frau vergrößert meine Fehler und quält mich mit ihrer Eifersucht. Hätte sie nur ein bißchen Vertrauen zu mir, ich wäre der glücklichste Mensch auf Gottes Erdboden.‹

Er seufzte schwer, aber ich seufzte noch schwerer. Denn meine Kreise waren gestört worden, mein Rechtsgefühl hatte einen Fleck bekommen und meine Naturkunde einen Riß. Den unglücklichen Jüngling, der an meiner Brust seine verlorene Mannheit beweint hatte, fand ich als Vater von drei Kindern, mit der Aussicht auf ein viertes wieder und als den glücklichsten Menschen auf Erden, wenn er nur nicht von der Eifersucht seiner Frau gequält würde. Meine Verwunderung siegte über mein Feingefühl, und ich brachte die Rede auf unseren Abschied. Ich sagte, es freue mich, ihn frisch und gesund wiederzufinden, da er doch in einem recht betrüblichen Zustand gewesen sei, als wir uns im Lazarett voneinander trennten. Nun begann er etwas zu stammeln, aber bemerkte schließlich kurz und abweisend:

›Deine Erinnerung täuscht dich. Ich habe nie in irgendeinem Lazarett gelegen.‹

Mein Gedächtnis ist jedoch klar wie Kristall und mein größter Stolz; und wenn jemand das in Zweifel ziehen will, bekomme ich leicht einen heißen Kopf. Ich beschrieb darum das Lazarett, den Arzt, die Krankenschwester und erinnerte ihn an allerhand Einzelheiten. Endlich erwachte sein Gedächtnis auch in diesem Punkte, und er sagte:

›Du hast recht. Jetzt erinnere ich mich tatsächlich, daß ich im Lazarett lag. Ich bekam unmittelbar vor dem Abitur eine Diphtheritis, und meine liebe Mama reiste zu mir und pflegte mich. Ich erinnere mich ganz genau.‹

›Nein, du erinnerst dich nicht!‹ gab ich zurück, erregt von meinem Eifer, recht zu behalten. ›Diphtheritis wird, wie du weißt, nicht im Lazarett behandelt. Und was deine liebe Mama betrifft, so kann ich mich erinnern, daß sie dich nicht ausstehen konnte, und du sie auch nicht. Und du hast jeden Abend ihr Bild mit einer Stecknadel durchstochen. Trägst du noch immer dieses Medaillon? Oder hast du jetzt vielleicht das Bildnis deiner lieben Mutter mit dem deiner lieben Frau vertauscht?‹

Wieder begann er zu stammeln, und sein feistes Gesicht war so dunkelrot, daß mir ganz ängstlich zumute wurde. Aber als er mich nun mit seiner lallenden Zunge der Lüge beschuldigte, da riß mir die Geduld. Obgleich von Natur sanftmütig, wurde meine Sanftmut von meinem Widerwillen besiegt, und ich brach los:

›Du, du bist ein Lügner von Geburt an. Mich betrügst du jedoch nicht, und noch weniger dürftest du imstande sein, deine Frau zu betrügen. Aber vielleicht hast du wirklich dich selbst betrogen, und ich wüßte gerne, wie so etwas möglich ist!‹

Hierauf erwiderte er nichts, sondern sprach vielmehr über dies und jenes, als wäre unser vorangegangenes Gespräch nie gewesen. Plötzlich unterbrach er sich in seinem Redestrom, und nach einigen Augenblicken des Schweigens sagte er ganz ruhig und gelassen:

›Warum ich mich selbst betrogen habe und wie ich es konnte, das kann ich dir sagen. Ich habe mein ganzes Leben lang nur zwei Frauen geliebt. Die eine war meine Mutter, die andere meine Frau. Aber darin hast du recht, daß meine Mutter mich nicht mochte.‹

›Und deine Frau?‹ hätte ich fast gefragt, aber biß mich auf die Zunge. Denn sein Gesicht war weiß geworden wie damals, und das viele Fleisch hing schlaff um das zarte Knochengerüst. Ich glaubte wieder, den weinenden Knaben zu sehen, und obgleich ich nicht wehleidig bin, waren mir selbst die Tränen nahe. Er fuhr jedoch fort, über dies und das zu sprechen, als ob nichts geschehen wäre. Als er nach einiger Zeit aufstand und ging, war er wieder ebenso groß. Ich blieb sitzen und war wieder ebenso klein und unbedeutend wie früher, in der beispiellos prächtigen Umgebung.

 

So verhielt es sich mit dieser Sache«, schloß der Pastor seine Geschichte. »Vielleicht war ich unbarmherzig. Ich erfuhr später, daß es wirklich zur Scheidung gekommen ist, allerdings nicht auf Verlangen der Frau, sondern auf das des Mannes. So daß ich möglicherweise diese Ehe zerstört habe. Aber ich habe keine Geduld mit Leuten, die ihre Erinnerungen forteskamotieren und in Einbildungen leben. Sie freveln an Gott und der natürlichen Ordnung der Dinge. Übrigens sind sie schon tot und sollen nicht weiter herumgeistern. Meine Strafe habe ich auf jeden Fall bekommen, und zwar sofort. Denn in seiner Verwirrung vergaß der Mensch ganz, unsere reichliche Zeche zu bezahlen, die also an mir hängen blieb.

Aber nun«, fuhr er fort, »mag es für mich an der Zeit sein, mich zu verabschieden. Sonst könnte die Gnädigste am Ende den Eindruck haben, daß ich zum Mittagessen dazubleiben gedenke. Und sicherlich würde ich mit Dank ja gesagt haben, wenn ich nicht alle Kinder mit hätte.«

Die Worte erregten Verstimmung und erschreckten die Damen Willman. Die Pastorskinder den ganzen Tag auf dem Gut, das bedeutete gestörten Hausfrieden nebst verwüsteten Hecken, Büschen, Beeten und Obstbäumen. Jeder Winkel in Park und Garten sowie alle Zimmer des Hauses würden durchschnüffelt, Schlupfwinkel, die vielleicht irgendeine unschuldige Schwäche bargen, entdeckt, verlegte Briefe gefunden und leise oder laut gelesen werden, die diskreten Geheimnisse der Toilettentische würden gelüftet, alle Geheimnisse, große wie kleine, gewissenhaft an den Tag gebracht werden. Dazu unvorhergesehene Unglücksfälle, zerschmetterte Spiegel, losgelassene Stiere, kleinere Feuersbrünste und dergleichen mehr. Die Pastorskinder entbehrten keineswegs der Zucht und Ordnung; zu Hause benahmen sie sich in der musterhaftesten Weise, aber der Pastor meinte mit Recht, daß Kinder sich ab und zu austoben müssen. Diesen Aussichten zum Trotz stammelte Frau Olga schon eine Einladung hervor, als Ludwig sie unterbrach, indem er rief:

»Stopp, Ollo, und höre einen Vorschlag, der sowohl auf die berechtigten Interessen der Pastorskinder wie auf die unseren Rücksicht nimmt. Der Herr Pfarrer verpflichtet sich, seine Kinder zu sammeln und, genau abgezählt, in den Heuwagen zu stopfen. Unterdessen richtet Tante Sara einen fabelhaften Proviantsack, und, mit diesem an Bord, ziehen die Pastorskinder fröhlich und wohlgemut ab. Wir hingegen dürfen uns noch eine Zeitlang der Gesellschaft des Herrn Pfarrers erfreuen. Und ich sage es noch einmal: der Herr Pastor ist ein urgemütlicher Pfarrer!«

»Du sagst das noch einmal«, murmelte der älteste Sohn des Pfarrers und näherte sich drohend; aber der Vater hielt ihn zurück, indem er sagte:

»Beruhige dich! Der Vorschlag ist gut und wird angenommen. Suche du die Kinder zusammen, so werde ich einspannen und vorfahren.«

So geschah es. Der Pfarrer begab sich in den Stall, und der älteste Sohn begann die Jagd. Ludwig sagte zu Brita: »Komm, wir wollen ihm helfen!« Und bald erschollen Jagdrufe und Heerschreie aus allen Teilen des Parks und Hauses. Die Jagd mißlang. Brita Djurling siel selbst drei halberwachsenen Buben zum Opfer, die ihr die Hände auf den Rücken banden und sie an einem Baum festschnürten, worauf sie vermittels eines berußten Korks mit Schnurrbart, Spitzbart und zwei Hörnern versehen wurde. Ludwigs einzige Beute war ein Dreijähriger, der auf dem Bauch lag und aus Leibeskräften schrie, während der Gänserich ihn mit seinen kräftigen Flügeln bearbeitete. Die Damen Willman, Brenner und Alexander begannen binnen kurzem rot zu sehen, das Jagdfieber hatte sie gepackt, und sie gaben sich mit Inbrunst dem Fang hin. Und was die Kinder nicht ruinierten, das ruinierte Fräulein Alexander, die beständig eine leichtfüßige Beute gerade in Greifweite hatte, beständig rief: »Endlich ein Kleines!« und beständig mit leeren Händen in den kostbarsten Beeten herumkollerte. Der Generalagent hingegen bediente sich einer klügeren Methode, er setzte sich still auf die Sonnenuhr und ließ seinen Vogel singen. Auf solche Art fing er ein paar Kinder, aber sah sich genötigt, sie wieder loszulassen, um den Vogel zu retten und einige leichtere Schrammen zu bepflastern.

Endlich rollten ganz gemächlich der Pfarrer, das Pferd und der Heuwagen heran. Lächelnd sah er ein Weilchen der spannenden Jagd zu, und als das Vaterherz sich genügend an der Behendigkeit und Schlauheit der Sprößlinge ergötzt hatte, steckte er zwei Finger in den Mund und stieß drei schrille Signale aus. Sofort brach das Spiel ab, und dreizehn schnaubende, prustende, keuchende Kinder scharten sich heiß, aber still um den Vater. »Aufsitzen!« befahl er, und schon saßen sie im Heu.

Nun erschienen wieder die drei niedlichen kleinen Hausmädchen, gefolgt von Tante Sara, alle vier gewaltige Lasten tragend, die der Pastor freigebig und gerecht verteilte. »Bedankt euch schön!« sagte der Pastor, und die Kinder riefen alle auf einmal:

»Danke, lieber Vater!« Aber er belehrte sie eines Besseren, und sie dankten nun Tante Sara. Endlich rumpelte der Wagen die Allee hinunter, gefolgt von den zärtlichen Blicken des Vaters und den ärgerlichen der übrigen. Nachdem Ludwig noch mit Sorgfalt seine Freundin, Brita Djurling, gewaschen und hierauf ihre Fesseln gelöst hatte, war die Ordnung wiederhergestellt und die Episode beendet.

 

Eine neue nahm ihren Anfang mit einer sonderbaren Szene zwischen der Herrin des Hauses und dem Verwalter Casimir Brut. Die Schar der pustenden, rotglühenden Kinderjäger näherte sich eben in langsamem Marsch dem Lusthaus, als in dessen Türe, wie in einem Kasperletheater, Casimir und Frau Olga erschienen. Letztere hielt ihre Zeigefinger drohend ausgestreckt, und der anmutige Körper, in einem Bogen vorgeneigt, geschmeidig und angespannt, hob und senkte sich mit den Fußsohlen und prallte jedesmal leicht mit den Zehenspitzen ab. Ihr gegenüber stand, mit eingewurzelten Fersen, Casimir Brut, die Knie leicht gebogen, den mächtigen Rücken in einer Kurve, den Kopf vorgestreckt, die Arme gekrümmt und sachte schwingend, die prächtigen Fäuste bereit, dreinzuschlagen. Es sah nach einem wirklichen Spektakel aus, drohend, sonderbar und höchst interessant. Die Damen Willman zauderten eine halbe Sekunde in Verwunderung, aber als Tante Sara, erschrocken und verlegen, in einen anderen Weg einbiegen wollte, schnoben sie plötzlich vor Eifer und stürzten vor wie Fohlen, wobei Dr. Karolina ihren Kittel zum freieren Sprung hob. Aber sie kamen zu spät, denn im Nu löste sich die Szene in Nichts auf, Olga verschwand in das Innere des Lusthauses, und der Verwalter schritt ganz ruhig die Treppe hinunter. Immerhin lud sein Gesichtsausdruck nicht zu Fragen ein, und die Damen Willman eilten in das Lusthaus und riefen: »Was ist geschehen?« Die Uhr über dem Schloßportal schlug mit dunklem Erzklang zwölf Schläge; die Sonnenuhr hingegen warf ihren Schatten irgendwohin zwischen zwei und drei.

»Wir haben«, sagte Ludwig, »einen Zank gesehen und den Anfang einer Keilerei. Warum habt ihr euch zerkriegt?«

Frau Olga antwortete würdig, wenn auch mit zitternder Stimme:

»Zwischen Herrn und Diener gibt es so etwas wie Zank nicht. Wir haben nur diskutiert. Ich gedenke es nicht zu dulden, daß meine Mädchen durch seine ungehobelten Burschen von ihren Obliegenheiten abgezogen werden. Diese Sache mit Bolla ist eine Beleidigung gegen mich persönlich. Ich trage die Verantwortung für die Führung des Gutes, und hier soll radikal und auf wissenschaftlicher Grundlage reformiert werden.«

Dr. Karolina lächelte ihr weiches Lächeln und murmelte:

»Dieser sittliche Eifer erscheint etwas fremd hier in Jan-Petters lauschigem Larsbo.«

Frau Olga drehte sich hastig um, bleich und großäugig; sie sagte:

»Mein Eifer ist alles eher als sittlich. Wenn ich bitten darf! Er ist rein ökonomisch und kann also den Anspruch erheben, daß man ihn ernst nimmt.«

»Ja, natürlich«, räumte Lizzy ein, »aber gerade vom ökonomischen Gesichtspunkt aus wäre es eine Dummheit, Eros auf Hungerkost zu setzen. Sein Pfeilschuß ist das stärkste stimulierende Mittel, das die Geschichte der Medizin kennt. Die Erostherapie hat noch nicht ihren wissenschaftlichen Begründer gefunden, obwohl es an beachtenswerten Versuchen nicht gefehlt hat. Aber als Hauskur ist sie uralt. Die stimulierende Einwirkung der Erotik auf Dichter und Denker ist allbekannt, und vermutlich wirkt sie auf Torfausstecher auch nicht anders. Eine ganz kleine Dosis steigert die Arbeitsintensität ganz kolossal. Ein sehr glaubwürdiger Forstmeister hat mir folgendes erzählt: Er sollte irgendwo in einer Wildnis einen Wald abholzen und hatte eine Arbeitskolonne von fünfzehn Mann. Eine ältere Frauensperson übernahm es, sie zu verköstigen. Sie war eine tüchtige und kochkundige Frau, aber die Leute waren auf jeden Fall mit der Verpflegung nicht zufrieden. Sie bockten und maulten, waren unwillig bei der Arbeit, und das Ganze ging nicht recht vorwärts. Schließlich kriegte die gute Alte ihre Nörgeleien satt und ließ sie sitzen. Ersatz zu finden war nicht leicht, und der Forstmeister machte sich große Sorgen, die er gesprächsweise einer jungen Verwandten anvertraute. Sie fühlte Mitleid mit den armen Männern, und außerdem war sie von Natur aus wißbegierig und wollte gern bei allem dabei sein. Sie machte sich also erbötig, den Platz der Alten einzunehmen, und wenn sie auch nicht viel vom Kochen verstand, so tat sie doch ihr Bestes, um die Kerle bei guter Laune zu erhalten. Nach einer Woche lagen vier von ihnen im Spital, mehr oder weniger von Messern zerstochen; aber die Überlebenden gingen wie Berserker aus den Wald los und wetteiferten, ihre Kraft und Geschicklichkeit zu zeigen. Die mächtigen Föhren fielen mit Schwung und Getöse; der Forstmeister wunderte sich, aber das Mädchen sagte: ›Ihre Kräfte haben sich vervielfacht, weil ich ihnen so gut koche. Laß mich nur machen, aber komm nie in meine Hütte, denn ich habe das Gefühl, daß das Unglück bringen würde.‹ Der Forstmeister versprach es, und er kämpfte tapfer gegen seine Neugierde an, aber eines Herbstabends konnte er nicht länger widerstehen. Er schlich sich zu der Hütte, die man für das Mädchen gezimmert hatte. Es war zu der Zeit, wo sie das Abendessen bereiten sollte, und auf einer Steinplatte vor der Hütte brannte auch ganz richtig ein Feuer, und über dem Feuer hing ein Kessel. Einige Burschen waren rings um das Feuer versammelt; einer von ihnen kratzte sich den Kopf und schleuderte ein Büschel Wurzelwerk in den Kessel, ein anderer griff sich nachdenklich an das Kinn und legte eine Speckschwarte zu den Wurzeln, ein dritter schüttete den Graupensack in die Suppe, ein vierter brockte Brot hinein, ein fünfter würzte sie mit Salz und Pfeffer, Ingwer und Zimt, Anis und Fenchel und all den Gewürzen, die in der Büchse waren. Der sechste rührte mit einem Holzscheit fleißig um, indem er sagte, die Hauptsache beim Suppekochen sei gut umrühren.

Aber das Mädchen, das kochen sollte, war nicht zu sehen. Da ging der Forstmeister in die Hütte hinein, und da saß das Mädchen und beguckte sich im Spiegel und drehte sich Papilloten für die Nacht ein. Der Forstmeister wurde sehr böse, weil sie mehr an ihr Aussehen als an ihre Pflicht dachte. Um sie gründlich zu strafen, schlich er sich von rückwärts nahe heran, legte ihr die Hände über die Augen und küßte sie. Das Mädchen rief: ›Ach, du Unglücklicher! Wer du auch bist! Hast du vergessen, wie es deinen Kameraden ergangen ist? Sei ganz sicher, morgen um diese Zeit liegst du im Spital!‹

Als sie sah, wer sie geküßt hatte, war sie noch bestürzter und ahnte ein Unglück. Aber der Forstmeister lachte nur und ging mit frischem Mut von dannen. Was weiter geschah, weiß ich nicht. Aber sicher ist, daß er einige Zeit im Spital lag. Da hörte auch das Abholzen auf, die tüchtige Arbeitskolonne zerstreute sich, und das Mädchen wandte sich anderen Aufgaben zu.

»Aus dieser Geschichte geht jedoch hervor«, fuhr Lizzy Willman fort, »daß schon kleine Dosen Erotik den Ehrgeiz und die Körperkräfte stärken und die Eßlust anregen, so daß auch weniger schmackhafte Kost mit frischem frohem Sinn verzehrt wird. Seine günstigste Wirkung hat doch dieses Mittel in Fällen von mangelndem Selbstvertrauen.«

»Das stimmt!« bestätigte Ludwig. »Ich kannte einen Bankkassierer, der zwanzigtausend Kronen stahl, nur weil er eines Abends zufällig in nähere Berührung mit einer Kellnerin gekommen war. Und dabei stand er sein ganzes Leben lang in dem Rufe, ein Schlappschwanz zu sein, dem man, ohne das geringste Risiko, weiß Gott wieviel Geld anvertrauen konnte. Das wurde nun anders! Das Mädchen munterte ihn derart auf und brachte ihn so in Form, daß er ein tadellos schönes Spiel lieferte, geschmeidig und kühn; für kleinere Distanzen, wie zehn- bis zwanzigtausend Kronen, wurde er Champion und bekam eine lobende Erwähnung des Preisrichters und eine schmeichelhafte Kritik in der Fachpresse. Aber als die Kellnerin ihn so weit hatte, fand sie, daß sie das Ihre getan, und zog sich bescheiden zurück. Kein Mensch verschwendete Druckerschwärze an sie. Das ist stets das Los des Weibes gewesen.«

»Das erinnert mich«, fuhr Lizzy fort, »an Tante Annalisa Willman und eine gewisse Sorte von jungen Idioten, die in ihrem Hause verkehrten. Unter vielen anderen. Sie litten an Imbezillität, gepaart mit Melancholie und Verrücktheit. Die Krankheitsursache war immer dieselbe: schlechte Erziehung. Die guten Mütter hatten wohl gesagt: ›Sei immer höflich! Mach Platz! Verbeuge dich! Der Klügere gibt nach! Ehre, wem Ehre gebührt! Geduld ist die Stärke der Kleinen! Trau dir nicht zuviel zu! Chi va piano, va sano! Bescheidenheit ist die schönste Zierde der Jugend!‹ und andere ebenso lügenhafte wie dumme Behauptungen, die sie in dem unglückseligen Glauben, daß sie das reinste Gold seien, durch den Filter der Erfahrung gesiebt hatten. Das Resultat dieser Erziehung ist meist eine Psychose. Wenn der Patient in Räume gebracht wird, wo andere Personen sich aufhalten, sucht er Schutz in Türspalten und Kachelofenecken oder hinter Gardinen und Wandschirmen. Aus seinem Schlupfwinkel hervorgezogen, gerät er in starke Erhitzung, der bald Ermattung und zuweilen Kollaps folgt. Die Sprache ist stammelnd und unzusammenhängend, der Puls unregelmäßig, er transpiriert heftig, namentlich an Händen und Füßen, in schweren Fällen kommt Inkontinenz vor. Die Urteilskraft ist beeinträchtigt, und er zeigt vollständige Unfähigkeit zu logischem Denken. Er hält sich für den unbedeutendsten Menschen der Welt, aber glaubt gleichzeitig der Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit zu sein. In jüngeren Jahren kann sein Aussehen ganz angenehm sein, und man kann zu sich selbst sagen: Aus dem Jungen wird noch etwas, wenn er nur mehr Schneid bekommt. Aber die kriegt er nicht. Die Nabelschnur Schüchternheit erstickt ihn. Stürzt er sich einmal in eine selbständige Arbeit, so ist die Freude von kurzer Dauer. Bald stößt er auf irgendein kleines Detail, das ihm unüberwindlich vorkommt. Andere würden es mit Ungeduld ansehen, er betrachtet es mit dem Aberglauben der Demut: Ich habe zu hoch fliegen wollen! Wie recht meine liebe Mutter hatte! Und so sinkt er abwärts. Um sich für seine eigene Kühnheit zu strafen, nimmt er fremde Gedanken in kolossalen Quantitäten zu sich, und nichts kann ungesünder sein. Der Blick wird trübe, der Rücken gekrümmt, der Kopf sinkt auf die Brust. Die Fadenscheinigkeit des Rockkragens steckt das Haar an, das auszufallen beginnt, das Fleckfieber der Kleider greift auf die Haut über und entstellt das Gesicht. Die Scheu der Seele erzeugt Gerstenkörner im Augenwinkel und läßt die Nase tropfen. Er altert rasch und verschwindet, zwar nicht in das Grab, aber in irgendeinen grauen, dunklen, modrigen Winkel.

Diese Krankheit«, fuhr Lizzy fort, »geht nie von selbst in Gesundheit über, aber glücklicherweise haben wir ein unfehlbares Spezifikum: die Erotik. Tante Anna-Lisa wendete das Mittel bei ihren jungen Idioten mit großem Erfolg an. Ihre Terminologie war unklar, sie gebrauchte das Wort Verständnis anstatt Erotik. Ein ungeniertes dreistes Auftreten nannte sie Genialität, und sie pflegte daher zu sagen: ›Dieser junge Mann wäre ein Genie, wenn er nur jemanden hätte, der ihn versteht!‹ Ihr Haus war tatsächlich eine sehr gut geleitete Privatklinik, wo sie mit nie versagendem Geschick die Arbeit leistete, während wir jungen Mädchen assistierten. Auf mein Los fielen gewöhnlich die schwersten Fälle. Man fand, daß ich natürliche Anlagen hätte, die bei dieser Kur eine größere Rolle spielen als Kenntnisse und Erfahrung. Mir ist auch nie etwas mißlungen, aber einmal war es nahe daran, und ich hatte schon alle Hoffnung aufgegeben, als ein reiner Zufall den Patienten rettete. Er war der Sohn einer armen Witwe, und um sein Unglück vollzumachen, war er ein paar Jahre nach dem Tode seines Vaters auf die Welt gekommen. Die Kindheit war danach, und als er auf unsere Klinik gebracht wurde, war er wirklich ein Schulbeispiel der Schüchternheit, Ungeschicklichkeit, Melancholie und Verrücktheit. Tante Anna-Lisa legte mir die Hand auf den Kopf und sagte: ›Versuche ihn zu verstehen, dann wird aus ihm sicherlich ein Genie.‹ Das wurde er auch, obgleich die Sache tief saß. Ich nahm die Kur sogleich in Angriff, bestrahlte ihn mit meinen Augen, liebkoste und schmeichelte ihm mit meiner Rede und lockte ihn mit allen Reizen eines jungen unschuldigen Mädchens. Aber er glaubte, ich mache mich über ihn lustig, und sein Zustand verschlimmerte sich. Schließlich war ich, wie gesagt, nahe daran, die Hoffnung aufzugeben, wozu wohl auch der Umstand beitrug, daß ich zu dem fraglichen Zeitpunkt selbst an unglücklicher Liebe litt.«

»Du!« fiel Ludwig ein. »Das glaube ich nicht. Wer hätte sich geweigert, dich abzubusseln?«

»Soviel ich weiß, niemand«, erwiderte Lizzy, »aber es handelte sich nicht um Küsse, sondern um ein entzückendes Kollier, das ich in einer Auslage gesehen hatte und das sich der Betreffende mit unerklärlicher Halsstarrigkeit weigerte, mir zu kaufen. Auf einem Ball bei Tante Anna-Lisa kam es zum offenen Bruch zwischen uns, und ich beschloß, mich auszuweinen. Ich habe die Gewohnheit, nicht immer über jeden Schmerz extra zu weinen, sondern ich sammle sie zu einem Buschen, den ich bei passender Gelegenheit mit meinen Tränen benetze. Das erspart Zeit, schont Augen und Teint, aber hat auch zur Folge, daß mein Weinen eine verblüffende Intensität und Dauer erreicht. Ich suchte also ein abseits gelegenes Zimmer auf, wo ich ungestört sein konnte, aber aus alter Gewohnheit hatte ich meinen Patienten mitgeschleppt. Ich dachte nicht weiter daran, sondern setzte ihn auf einen Stuhl und warf mich selbst kopfüber auf ein Sofa. Ich legte mich sofort mit voller Energie hinein, bedachte den Umfang und die Vielfältigkeit meines Unglücks und weinte mit Volldampf, denn ich wußte, daß so etwas Zeit braucht, und ich wollte gern bei dem Kotillon mit dabei sein. Eine Viertelstunde herrschte in dem kleinen Zimmer die düsterste Verzweiflung, ein Orkan von Schluchzen, halberstickten Klageschreien wirbelte mit den strömenden Tränen dahin, und meine Füße schmetterten heftig gegen die Sofaleiste. Plötzlich fühlte ich ein Krauen rückwärts im Nacken. Der Patient hatte sich aus eigenem Antrieb erhoben und war zu mir hingekommen. Stammelnd, aber ziemlich deutlich fragte er, warum ich weine. Ich erwiderte wahrheitsgemäß, daß ich sterben wolle, weil der, den ich liebte, meiner Liebe mit Verachtung und Kälte begegnete. Das Krauen hörte auf, und ich legte wieder los. Nach einer weiteren Viertelstunde hatte mein Leiden seinen Höhepunkt erreicht, und ich benötigte dringend ein Taschentuch. Ich hob den Kopf ein bißchen, um meinen Patienten zu bitten, mich zu schneuzen. Was sah ich! Er stand vor dem Spiegel in einer Haltung, die mir an ihm ganz fremd war. Der Rücken war gerade, der Kopf hoch erhoben, die Hände in die Seiten gestemmt, die Wangen waren von einer lebhaften Röte gefärbt, und die Augen des Spiegelbildes glitzerten vor Mut und unverhohlenem Glück. Plötzlich erblickte er mich im Spiegel und geriet in hochgradige Verwirrung. Er war ein schlechter Schauspieler und brauchte eine gute Minute, um sein Gesicht zu einer einigermaßen anständigen Verzweiflung umzukomponieren. Er kam auf mich zu und sagte: ›Lizzy, du brichst mir das Herz!‹ – ›Wirklich?‹ sagte ich und setzte mich auf. Er nahm meine Hände und drückte sie an seine Brust. Er sagte: ›Hätte ich geahnt, daß du mich liebhast, ich hätte mich schon längst zurückgezogen.‹

Nun war ich wirklich bestürzt und verwirrt«, fuhr Lizzy fort, »und ich sagte: ›Wie sonderbar! Warum hättest du dich zurückgezogen?‹ Er erwiderte: ›Weil ich deine Kusine Betty liebe; und wenn du nichts dagegen hast, gehe ich jetzt ein bißchen hinüber und tanze mit ihr.‹

Das ist doch das Höchste, dachte ich. Jetzt heißt es, die Zunge nicht durchgehen lassen. Ich besann mich einen Augenblick, um den rechten Ton zu finden, dann stieß ich ihn mit aller Kraft von mir, warf mich wieder kopfüber hin und murmelte dumpf: ›Geh! Geh! Ich hasse euch beide!‹ Ohne auch nur einen Versuch zu machen, sich zu verstellen, rief er: ›Danke‹, und verschwand.

Aber ich sprang auf und schlich ihm nach. Flott und keck ging er quer durch den Ballsaal, puffte die Tanzenden nach rechts lind links und nahm mit kühner Hand Betty ihrem Kavalier weg. Hierbei entstand ein kleiner Disput, und auch da hielt er sich tapfer, ließ seinen Rivalen abfallen und lachte ihn aus. Das Glück, daß es ihm geglückt war, ein schönes Mädchen unglücklich zu machen, war ihm zu Kopf gestiegen. Von diesem Augenblick an schritt seine Genesung mit verblüffender Raschheit fort. Er ist jetzt ein hervorragender Mann in seinem Fach und in bezug auf ungeniertes Auftreten der Genialste, den ich je getroffen habe. Mir gegenüber zeigt er eine mitleidige Zärtlichkeit, die mir bis in die Seele hinein wohltut.«

»Und die Moral von der Geschichte ist«, warf Dr. Karolina ein, »daß Olgachen es mit Ruhe nehmen soll, wenn ihre Mädels ein bißchen mit den Knechten scharmuzieren. Die Zeit, die damit vergeudet wird, ist gar nicht vergeudet. Die Liebe gibt tausendfach mehr als sie nimmt. Sie ist stolz und ruhig, frei und schön wie die Schwäne im Schilf und weiß nichts von kleinlichen Regeln und Schranken. Laß darum den vortrefflichen Brut in Frieden. Allzu große Prüderie kleidet eine junge Witwe nicht, namentlich wenn sie Janselius heißt! Sie ist die Letzte, die in der Liebe ein Verbrechen sehen sollte.«

»Das kann schon sein«, sagte der Pastor, »aber was hier als Beispiel für die Liebe angeführt wurde, das kann ich nicht gelten lassen. Das nenne ich ganz einfach Wollust. Die Liebe ist eins und unveränderlich und währet das ganze Leben.«

Mit schwärmerischer, weihevoller Stimme wiederholte der Generalagent:

»Die Liebe ist eins und unveränderlich und währet das ganze Leben.«

Und Tante Sara bemerkte verschämt: »Das ist auch meine Ansicht.«

»Ja, von solchen muß man es hören!« sagte Ludwig. »Einer männerscheuen Mamsell! Einem Gentleman, dem ein ernstes Malheur zugestoßen ist! Und einem gemütlichen Pfarrer, der dreimal mit drei Witwen verheiratet war!«

Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, als er sich hinter Brita niederhockte und flüsterte:

»Weh mir! Sonderbar, daß ich den Pastor nicht in Frieden lassen kann. Sieh nur den Sohn an, wie seine Augen funkeln und seine Pusteln glühen! Es fängt mir an, unheimlich zumute zu werden.«

Aber Betty mit der sokratischen Nase bemerkte: »Ich möchte doch bitten, in der Liebe etwas Verbrecherisches sehen zu dürfen. Ruhige und stolze Liebe, das kann für sehr schöne Mädchen passen wie Lizzy, aber ich mit meiner Stupsnase und meinen ungewöhnlich schmalen Beinen muß schon etwas anderes finden. Ich kann mir eine Liebe nicht ohne Spannung und Schrecken denken. Und ich nehme an, daß, wenn die Gesellschaft vervollkommnet und das Verbrechertum auf ein Minimum reduziert und der Mensch so ideal-sozial als nur möglich geworden ist, die Liebe weiter als ein grünender Hag da stehen wird, wo er seine natürliche Schlechtigkeit weiden und seine Lust, eklig gegen sich selbst und andere zu sein, ausleben können wird.«

»Wie wahr!« rief plötzlich Fräulein Alexander. Und sie seufzte tief und wiederholte: »Wie wahr! Wie wahr!« Aber Betty hatte schon begonnen, sie erzählte:

 

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