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Ernest Maltravers

Edward Bulwer-Lytton: Ernest Maltravers - Kapitel 72
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Bulwer-Lytton
titleErnest Maltravers
publisherProjekt Gutenberg-DE
year2014
firstpub2014
translatorbruce.welch@gmx.de
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20141014
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Neuntes Buch.

Ich gehe, Acherons Braut.

SOPHOKLES, Antigone, V.815

 

Diese Dinge liegen in der Zukunft.

ebd., V.1333.

Kapitel IV

Das gesamte Kapitel wurde in der zweiten Auflage gestrichen. – Anm.d.Übers.

» Saus……………… Auch ich hab' Orakel,
die hörenswert sind.«

ARISTOPHANES. – Die Ritter.

Ich frage mich, ob die Welt all die außergewöhnlichen, schönen Dinge in diesem Werke wahrnehmen wird! Meine süße Alice, ich darf von dir ohne Autoreitelkeit sprechen; denn die Natur hat dich geschaffen, und ich ahmte bloß nach. Wird man entdecken, wie erlesen der Stoff deiner Unschuld war, den die Sünde selbst, aus der du entstandest, nicht verderben konnte? Du, Alice, du, die zu schaffen selbst der schöpferischen Einbildungskraft des Dichters unmöglich gewesen wäre, du bist buchstäblich und schlicht der Wirklichkeit abgeschrieben! Zwei Jahre zuvor, ja nur zwei Jahre früher, hätte ich die Leinwand ruiniert, die kalt dein Bild reflektiert. Ich hätte meiner Begeisterung die Zügel schießen lassen und deine bescheidenen, zarten Töne überzeichnet – aber Geduld, die Fortsetzung deines Schicksals folgt erst noch.

Und mein Bankier, mein ausgezeichneter, achtbarer Bankier: Toren würden dich mehr mögen, wenn ich dich in gröberen Farben hingekleckst hätte und einen Glossop oder Richard den Dritten Hauptfigur des gleichnamigen Dramas von Shakespeare, ein exemplarischer skrupelloser Bösewicht. – Anm.d.Übers. aus dir gemacht hätte. Und Lumley Ferrers, in deinem Benehmen geschmeidig wie Wachs, aber mit einem Herzen aus Stein. Und Florence, die Stolze und Einzigartige. Und Maltravers selbst, mit seinen Verwandlungen im Forschreiten, seinem Wechsel der Farben. – Oh, für einen um wieviel besseren Schriftsteller würde man mich halten, hätte ich anstatt dieser neuen Kombinationen menschlichen Lebens einen Schurken, einen Gutmenschen, einen Zwerg und eine Witzfigur mit einer Redensart hingekritzelt hätte. Wird man auf die Idee kommen, dass du, Ernest Maltravers, mich darstellen sollst, weil du ein Schriftsteller und Politiker bist? Der Verdacht würde mir schmeicheln. Aber es gibt nicht einmal eine Familienähnlichkeit. Ach, ich wünschte, ich könnte mich selbst zeichnen! Welcher Schriftsteller vermochte je seine eigenen Züge nachzuahmen? Wir sind zu verschieden und zu komplex, um mit einem unserer Geschöpfe Ähnlichkeit zu besitzen.

Nein! Ernest Maltravers, du bist ein Original, keine Kopie. Du wirst junge Damen und Herren nicht halb so stark interessieren, als wenn du ein frecher Betrüger mit spöttischem Lächeln und wiegendem Gang wärest. Was kümmert uns das, Ernest? Wir können unsere Zeit erwarten. Und dennoch: wenn die heutigen Urteile auch hohl sind, die von morgen hören wir vielleicht nicht mehr.

Ach, wie ist die Blüte vom Gesicht des Lebens verwelkt, wie liegt der goldene Becher zerbrochen an der Zisterne! Ach, ihr schönen Jugendtage, wo ich noch namenlos war, wo es noch keine Erfahrung gab: ich wollte, ich könnte euch zurückrufen! Vielleicht kommt im Alter euer Schatten zu mir zurück, mag das Licht auch verloren sein. Denn wenn wir alles gesehen und versucht haben, so kehren wir zu denselben Ausgangspunkten zurück, an denen wir begonnen haben, und im Spiegelglas der Erinnerung erschauen wir wieder die Gestalt der Hoffnung. Ich sehne mich nach der Stunde, in der ich meinen Zauberstab zerbrechen und meine Bücher ins Wasser werfen kann – die Insel, auf der ich gewohnt habe, ist eine Wüste. –

Ich werde egoistisch. »Was hat das mit Ihrer Geschichte zu tun?« ruft streng irgendein Mr. Bayes. Sir, ich bitte Sie um Verzeihung. Aber alles, was mit dem Verfasser zu tun hat, illustriert das Werk. Keiner von uns ist auch nur zur Hälfte egoistisch genug. Sie sind verdutzt? – So machen denn weiter.

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